#157 – Win9x-Games für Mädels mit störrischen Pferden

Eine Freundin aus meinem Bekanntenkreis kam letztens auf mich zu und drückte mir zwei alte PC-Spiele für Mädchen in die Hand. Ob man die nicht auch auf einem neuen System mal spielen könnte, lautete die Frage!

„Es kommt drauf an“, war meine typische „IT-ler“-Antwort. 😀 Ganz so einfach, bzw. pauschal ist das leider nicht zu sagen, weil das ja immer sehr stark von der Software und dem verwendeten Betriebssystem abhängt. Aber was soll’s – ich will mal nicht so sein und habe die Spiele kurzerhand mitgenommen. Das sind die CDs, die sie mir mitgegeben hat:

Puh – nicht gerade mein Fall! 😀 Wobei ich zumindest Moorhuhn Kart auch mal gespielt habe, aber das ist wirklich schon verdammt lang her…

Ebenso, meinte sie, gibt es noch zwei andere Spiele, welche sie immer gespielt hat, und gerne mal wieder spielen würde. Ich zitiere: „das blaue Bibi und Tina Spiel – irgendwas mit Falkenstein“ und „das Barbie-Spiel Zauberhafte Pferdewelt“. Leider sind die entsprechenden CD-ROMs abhandengekommen. Na, ob wir ihr helfen können? Ich denke einen Versuch ist es wert. 🙂

Also gut, womit fangen wir an? Als erstes sollten wir mal prüfen, ob die Spiele vielleicht sogar noch unter Windows 10 (64 Bit) lauffähig sind, bevor wir irgendwelche unnötig komplizierten virtuellen Umgebungen (siehe Artikel 44) aufbauen.

Ich denke die besten Chancen haben wir mit „Moorhuhn Kart“. Warum ich das glaube? Nun, ich habe in der Vergangenheit tatsächlich bereits mit Spielen (ich sag nur „Sven Bomwollen“) der „Phenomedia AG“ aus der Zeit (2002) zu tun gehabt und meistens liefen die ohne Probleme. Ob es diesmal mit Moorhuhn Kart auch so ist?

Was mir gleich auf der Rückseite aufgefallen ist: Schaut euch mal diese – aus heutiger Sicht – extrem süßen Systemanforderungen an. 60MB freier Festplattenplatz, ein 8-fach-CD ROM Laufwerk und 128MB RAM? Na das sollten wir doch allemal haben! 😉

Also, nichts wie rein mit der CD ins Laufwerk und den Installationsprozess starten. Bisher läuft alles gut – der Setupprozess startet und es gibt keine kryptischen Fehler. Und was ist das? JA MANN – während der Installation läuft sogar fetzige Musik im Hintergrund – das nenne ich mal Service! 😀

Es sieht gut aus – das Spiel lässt sich starten und scheint tatsächlich ohne Probleme (auch im Vollbildmodus) zu laufen. Sehr schön! 🙂

Fun Fact: Tatsächlich bin ich (nur zu Testzwecken versteht sich) anschließend die ein oder andere Runde gefahren. Warum kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht aus Nostalgiegründen? Ach was soll’s, so eine Chance muss man nutzen. Wer weiß schon, ob und wenn ja wann man jemals wieder die Gelegenheit hat Moorhuhn Kart zu spielen! 😉

Ein häufiges Problem ist, dass sich die Spiele nicht ohne eingelegte CD spielen lassen. Das ist leider äußerst unpraktisch, da man ja auf modernen Systemen oft gar keine optischen Laufwerke mehr hat! Zum Glück ist Moorhuhn Kart auch in dieser Hinsicht ein extrem kulanter Kandidat, denn es lässt sich vollständig ohne CD spielen. Besser noch – es wird nicht mal eine Installation benötigt. Das Programmverzeichnis kann einfach an eine beliebige Stelle kopiert und das Spiel gestartet werden. Sehr geil!

Puh, das war ein echter Glücksfall – normalerweise ist bei so alten Spielen mit mehr „Gegenwind“ zu rechnen. Wollen wir doch mal sehen ob Bibi und Tina auch so gnädig zu uns sind! 🙂

Hm, zumindest habe ich vor den Systemanforderungen keine Angst, das erfüllen die PCs heutzutage mit Leichtigkeit.

Zumindest startet die Installation schon mal ohne Probleme:

Und auch das Spiel scheint zu laufen – ich bin begeistert!

Fun Fact: Das Spiel wurde technisch gesehen mit Hilfe der (mittlerweile völlig veralteten und unsicheren) Flash-Technologie entwickelt. Gut, dass bei der Installation der Shockwave-Player mitinstalliert wird, ansonsten wäre das Spiel wohl nicht mehr lauffähig!

Soweit so gut – jetzt ist nur die Frage, wie die beiden Mädels es vertragen, wenn man ihnen die CD aus dem Laufwerk wegnimmt? Mist, das scheint ihnen wohl überhaupt nicht zu schmecken, denn sie quittieren das mit einer Fehlermeldung:

Das ist doch blöd. So müsste man jedes Mal die CD einlegen, wenn man spielen möchte. Da muss es doch eine bessere Lösung geben. Tja, die gibt es – die Zauberformel für solche Probleme schimpft sich „virtuelle Laufwerke mit CD-Images“! Letztendlich müssen wir nur ein Abbild der CD erstellen und dieses in ein virtuelles CD-Laufwerk einlegen. Hierfür verwende ich die Software „UltraISO“.

Das frisch erstellte Image (but4.bin = Binärdateien, but4.cue = Metadaten der binären Image-Datei) müssen wir dann mit einer geeigneten Software mounten (d.h. in ein virtuelles CD-Laufwerk einlegen). Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten aber ich verwende hierfür eigentlich immer das Tool „Alcohol120%“, weil sich damit nicht nur Images temporär mounten lassen können, sondern auch nach dem Neustart eines Systems erhalten bleiben. Man tut also quasi so, als wäre zu jedem Zeitpunkt die CD im Laufwerk! 🙂

Sobald das Image gemountet wurde, kann man im Dateiexplorer erkennen, dass Windows jetzt denkt, dass eine Bibi und Tina CD eingelegt ist!

Und jetzt? Sollte das Spiel auch ohne CD laufen, oder? Leider kommt beim Versuch das Spiel zu starten immer noch die „CD nicht gefunden“-Fehlermeldung. Woran liegt’s?

Ich habe eine Vermutung – wir haben das Spiel ja von der originalen CD im Laufwerk „F:“ installiert (und sie anschließend aus dem Laufwerk entfernt). Das virtuelle Laufwerk hat das Image aber unter dem Buchstaben „K:“ gemountet. Wenn das Spiel diese feste Laufwerkszuordnung prüft, würde es den Fehler erklären! Mal sehen… Tatsächlich lässt sich in der Datei „C:\Windows\Bibi_Tina4.ini“ ein Laufwerksparameter setzen. Diesen habe ich von „F:“ auf „K:“ abgeändert:

Fun Fact: Ich habe gefühlt eine Ewigkeit lange gesucht, bis ich die entsprechende Konfigurationsdatei von dem Spiel gefunden habe. Ernsthaft – wer versteckt so etwas im Windows-Verzeichnis?! Immer diese kranken Spieleprogrammierer… 😛

Doch was ist das?! Auch mit dem geänderten Parameter startet das Spiel nicht – gleicher Fehler. Verdammt nochmal – diese zwei pferdeliebenden Gören sind echt zwei zähe Biester. Mindestens so zäh wie ihre Gäule, Amadeus und Sabrina… 😛

Was ist denn jetzt noch falsch? Hm, vielleicht ist es ein Problem von der Image-Software (UltraISO)? Um das zu verifizieren habe ich ein weiteres Image mit Alcohol120% gezogen. Merkwürdig ist, dass es an einer bestimmten Stelle der CD wohl Probleme mit den Daten gibt und einige Lesefehler auftreten. Da das Image aber letztendlich trotzdem erfolgreich erstellt wird, habe ich die Fehler vorerst ignoriert…

Fun Fact: Eigentlich hätte ich bei den Lesefehlern auf der Disk schon skeptisch werden müssen, aber ich war wohl zu naiv… 🙂

Neues Spiel, neues Glück – klappt es jetzt vielleicht? Leider bleibt auch mit dem neu erstellten Image (nachdem es gemountet wurde) der Erfolg aus. So langsam bin ich mit meinem Latein am Ende! 😦

Vielleicht ist etwas mit der CD nicht in Ordnung. Die Lesefehler würden darauf hindeuten, dass die Scheibe ggf. viele Kratzer hat. Ich denke wir sollten uns die CD mal etwas genauer angesehen. Nanu, was ist denn das?

Jetzt wird mir einiges klar – das hältst du im Kopf nicht aus! 😀 Jetzt weiß ich was das Problem ist: Dieser „Ring“ ist typisch für einen Kopierschutzmechanismus namens „Ring Protech“. Rein technisch gesehen werden bei so einem Mechanismus bei der Produktion der CD absichtlich einige Spuren missbraucht und deren Sektoren mit ungültigen Metadaten befüllt. Das installierte Spiel auf dem PC prüft dann beim Start, ob an dieser Stelle der CD (gewollte) Lesefehler auftreten – sehr clever!

Fun Fact: Bei Ring Protech kommt erschwerend hinzu, dass nicht alle Daten in dem Ring Lesefehler erzeugen. Die genaue Struktur des Rings ist so speziell, dass sie nicht auf einer üblichen CD-R (brennbare CD) und somit auch nicht in einem Image abgebildet werden kann. Ebenso haben viele Laufwerke Probleme mit diesem speziellen Kopierschutz und können oft schon die originale CD (nach einiger Zeit) nicht (mehr) korrekt lesen. Was für ein Schrott! 😦

Für uns hat das alles zur Folge, dass wir die CD nicht einfach 1:1 kopieren, bzw. ein Image davon erstellen können (siehe Lesefehler bei Alcohol120%). Schön zu wissen, aber wie hilft uns das jetzt weiter? Nun, ich habe noch viel mit verschiedener Software und verschiedenen CD-Laufwerken herumprobiert, bis mir letztendlich ein alter Bekannter zu Hilfe gekommen ist – eine Software namens „CloneCD“. Damit habe ich vor lauter Verzweiflung ein weiteres Image erstellt:

Tatsächlich scheint CloneCD etwas anders zu arbeiten. Während Alocohol120% zwar auch die defekten Sektoren (Lesefehler) erkannt hat und im Image mit Dummydaten („0x55“) kennzeichnet, versucht CloneCD die defekten Sektoren (Rohdaten) über langsamere, spezifischere Lesetechnologien auslesen. Es gibt zahlreiche Einstellungen zu beachten, aber ich erspare jetzt euch mal die technischen Details. Der Unterschied zwischen den beiden Images lässt sich recht schön in einem Hex-Editor (HxD) erkennen:

Uff – was für ein Kampf. Hat sich die Arbeit wenigstens gelohnt? Tatsächlich – es funktioniert! Mit dem mit CloneCD erstellten (und gemounteten) Image lässt sich das Spiel tatsächlich rein mit der virtuellen CD starten! YEAH! 🙂

Fun Fact: Meine Vermutung ist, dass die Entwickler des Spiels es sich mit dem Kopierschutz auf der Softwareseite leichtgemacht haben und einfach auf „ungleich 0x55“ prüfen. Anders kann ich mir nicht erklären, dass es jetzt funktioniert, da einige der Stellen im Image immer noch inkorrekt aussehen! 😀

Immerhin – zwei von vier Spielen erledigt. Doch was machen wir mit den beiden anderen, wo die CDs fehlen? Tatsächlich habe ich das fehlende Bibi und Tina Spiele „Gefahr Für Falkenstein“ in einem PC-Spiele Bundle erwerben können. Abzüglich der anderen Titel (die ich eh haben wollte) hat es mich nur einen Euro gekostet, ich denke das ist verschmerzbar! 😉

Fun Fact: Diesmal wäre sogar ein Gutschein mit am Start. „60 Minuten Internet für Kinder kostenlos“ – was für ein Deal! 😉

Viel gibt es nicht zu erzählen – im Endeffekt war es die gleiche Arbeit wie bei dem anderen Bibi und Tina Spiel. Also, fix ein Image mit CloneCD erstellen, dieses mounten und testen ob das Spiel auch ohne CD unter Windows 10 noch läuft. Funzt! 🙂

Schwieriger war da schon das Barbie-Spiel. Allein das Teil herzubekommen war eine echte Herausforderung! Ich habe sehr lange herumgefragt, bis mir ein Kollege aus einem Videospielforum ein Exemplar vermacht (bzw. getauscht) hat. Es ist zwar die englische Version, aber besser als nichts:

Mal sehen ob wir das auch noch zum Fliegen bekommen. Zumindest wird die CD noch erkannt und die Installation startet. Ach ja, es geht doch nichts über einen klassischen Installationsdialog aus Windows 95 Zeiten! 😀

Fun Fact: Diesmal habe ich gleich von vornherein ein Image gezogen und dieses in einem Laufwerk geparkt um keine Probleme mit dem CD-Check zu bekommen.

Und wie sieht es mit dem Spiel aus? Nicht gut. Zwar stürzt es nicht ab, aber spätestens im Hauptmenü ist Schluss. Irgendwas sieht hier falsch aus, oder wie seht ihr das? 😉

Zumindest läuft das mitinstallierte Mini-Spiel „Desktop Horse“ problemfrei. Was zur Hölle? Ein vollblütiger Schimmel steht auf meinem Desktop und lässt sich mit ein paar Mausklicks genüsslich abbürsten. So weit ist es also gekommen… 😀

Fun Fact: Erkennt jemand vielleicht sogar den wundervollen Desktophintergrund? Ach ja, mein guter, alter Audi A6 aus Artikel 100! Das waren noch Zeiten… 🙂

Schön und gut, aber was machen wir mit dem Barbie-Spiel? Ich habe noch etwas mit den Windows-Kompatibilitätseinstellungen herumexperimentiert und tatsächlich ein paar Settings gefunden, mit denen das Spiel läuft. Wer hätte gedacht, dass man nur den 256-Farben-Modus sowie den Windows 98 Modi auswählen muss? 😉

Fun Fact: Einige Zwischensequenzen sind zerschossen und laufen nur in Mäusekinogröße und in schwarz-weiß ab, aber ich denke damit muss man leben. Da konnte mir selbst das Handbuch nicht helfen. Manche Probleme lassen sich einfach ohne die passende alte Hardware nicht lösen…

Tadaaa – jetzt können wir endlich Barbie spielen und dem „Riding Club“ beitreten. Oder auch nicht. Für mich (und meinen frisch erworbenen Schimmel „Buttercup“) ist der Ausflug an dieser Stelle schon wieder beendet. Seht es mir nach, aber mit dem blonden Püppchen kann ich einfach nicht viel anfangen und auch von Bibi und Tina habe ich die Schnauze voll…

In diesem Sinne – ich hoffe ihr hattet Spaß bei diesem kleinen Ausritt. Ich bin einerseits überrascht aber auch gleichzeitig sehr froh, dass ich die Spiele alle zum Laufen bekommen habe. Ich hoffe die Empfängerin hat auch Spaß mit den Spielen. Denn eins ist mal klar – es geht doch nichts über eine kleine Zeitreise in die Kindheit! Nostalgie und so… 🙂

Ich für meinen Teil bin erst mal erleichtert, dass ich nun hoffentlich etwas Ruhe von den störrischen Pferden (und deren Datenträgern) habe. Ich bin sowas von „ready“ den Barbie Riding Club wieder zu verlassen… 😀

In diesem Sinne, bis die Tage – ciao!

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