#152 – el commodore – XI – SD2IEC

Während wir beim letzten Mal zum Übertragen von Dateien noch den Weg über das Diskettenlaufwerk 1541 gegangen sind, möchte ich euch heute noch eine weitere, noch einfachere Möglichkeit vorstellen, wie wir Programme auf dem C64 von einer externen Quelle zum Laufen bekommen! 🙂

Dafür brauchen wir ein weiteres Stück Hardware namens „SD2IEC“. Das SD2IEC ist ein Diskettenlaufwerksemulator und ermöglicht die Verwendung von SD-Karten als Speichermedium für den C64. Analog dem XUM1541 habe ich es als Bausatz aus dem „Faszination C64“-Shop erworben.

Während das XUM1541 noch recht einfach aufgebaut war, sind es diesmal deutlich mehr Teile, die es zu verlöten gilt. Aus dem Beutel purzeln Kondensatoren, Widerstände, Sockel, LEDs, Taster und einige weitere Bauteile. Puh, das sieht nach viel Arbeit aus! 😀

Ebenso ist bei dem Kit eine 16MB-SD-Speicherkarte mit Firmware, Beispielprogrammen (Spielen) und einem vorinstallierten Dateibrowser dabei – das ist sehr cool, weil man sich normalerweise die ganzen Dateien mühsam im Netz selbst zusammensuchen muss! 🙂

Na dann, es wird Zeit für eine weitere Löt-Session! Lötkolben aufwärmen: Check. Teile sortieren und bereitlegen: Check. Bier bereitstellen: Check. Ich denke es kann losgehen! 😉

Gerade zu Beginn habe ich mich stark an die Anleitung gehalten und dementsprechend als erstes den Quarz, sowie den IC-Sockel verlötet.

Anschließend waren die Widerstandsnetzwerke an der Reihe. Es war gar nicht so einfach die Teile halbwegs gerade zu befestigen, weil sie nicht richtig auf der Platine aufliegen. So ein blödes Bauteil! 😀

Natürlich dürfen auch Kondensatoren…

…ein DIP-Schalter…

…ein paar bunte LEDs in Ampelfarben…

…sowie ein paar Taster…

…und natürlich eine serielle Buchse zum Anschluss an den C64 nicht fehlen.

Abschließend muss eigentlich nur noch ein Festspannungsregler, ein Elektrolytkondensator…

…und natürlich der Kassettenport-Stecker zur Stromversorgung verlötet werden.

Jetzt noch schnell den Atmega 1284P Mikrocontroller einsetzen und fertig ist das gute Stück! 🙂

Fun Fact: Das Einsetzen des Chips hat fast am längsten gedauert, weil ich extrem vorsichtig war keine Beinchen abzubrechen. Bloß nicht kurz vor Schluss noch Mist bauen! 😉

Das SD2IEC wird (genauso wie ein Diskettenlaufwerk auch) über ein serielles Kabel (als Datenleitung) mit dem C64 verbunden. Zusätzlich wird es in den Kassettenport des C64 gesteckt und über diesen Weg mit Spannung (5 Volt) versorgt.

Von der Handhabung her lässt sich das SD2IEC fast genauso wie ein normales Diskettenlaufwerk bedienen. So kann man sich nach dem Start des C64 mit „LOAD“$“,8“ und einem anschließenden LIST-Befehl den Inhalt der SD-Karte anzeigen lassen. Soweit die Theorie – denn leider bekomme ich einen Fehler:

Ob ich wohl etwas beim Löten verbockt habe? Natürlich war ich irritiert und habe sämtliche Lötstellen überprüft. Auch die Software (Inhalt der SD-Karte) habe ich nochmal unter die Lupe genommen, ob sich nicht doch irgendwo ein Fehler eingeschlichen hat. Tja, was soll ich sagen, die Lösung wäre viel einfacher gewesen – ich habe schlicht und einfach vergessen das Teil über den DIP-Schalter 1 einzuschalten! 😀

Oh Mann – wie peinlich! Und ich habe mich schon gewundert, wieso keine LED geleuchtet hat 😀 Kaum macht man es richtig, funktioniert es auch und wir sehen den Disketteninhalt. Mit Hilfe des Befehls „LOAD“FILEBROWSER“,8“ sowie einem anschließenden „RUN“…

…lässt sich der Dateibrowser des SD2IEC starten. Mit den Pfeiltasten und RETURN kann man nun in den Ordner GAMES springen, in welchem sich bereits einige Beispielprogramme befinden! 🙂

Fun Fact: Wer hardcore drauf ist, verwendet keinen Dateibrowser sondern tippt die Floppy-Befehle händisch ein. Nein danke! 😀

Um nun ein einfaches Programm (PRG) zu laden, muss man es lediglich auswählen und über einen Druck auf die RETURN-Taste starten. Hier spiele ich z.B. gerade „Arkanoid“, ein echter Arcade-Klassiker, der vielleicht einigen Spielehallen-Freaks auch unter dem Titel „Breakout“ bekannt ist. Ziel des Spiels ist es, mit einem nur seitlich bewegbaren Schläger einen Ball durch die Gegend springen zu lassen um Mauersteine zu zerstören. Klingt einfacher als es ist!

Fun Fact: Zwar ist das SD2IEC beim Laden eines Programms etwas schneller als ein normales 1541-Diskettenlaufwerk, aber leider auch nicht wirklich viel. Je nach Dateigröße benötigt der Ladevorgang bis zu mehreren Minuten!

Neben normalen Programmen kann das SD2IEC auch Disk-Images (D64) öffnen. Diese befinden sich im Unterverzeichnis „Disks D64“ und beinhalten selbst eigentlich auch wieder nur startbare Programme. Hier habe ich beispielsweise gerade „California Games“ geladen, eine Art Spielesammlung mit sommerlichen Sportarten wie BMX, Surfing, Skating oder Frisbee-Werfen! 😀

Fun Fact:  Dateinamen mit mehr als 11 Zeichen werden auf das 8.3-Namensformat, welches ihr vielleicht noch aus DOS-Zeiten kennt, umgebrochen! 😉

Ich habe mich an der Disziplin „Half-Pipe“ versucht und bin dabei kläglich gescheitert, bzw. permanent auf die Fresse geflogen. Erst ein paar Versuche später habe ich es tatsächlich mal geschafft einen „Trick“ (wenn es auch nur eine einfache 180 Grad-Drehung war) zu landen. Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass ich nicht besonders gut abgeschnitten habe, aber scheinbar sind die Highscores von Haus aus so niedrig gesetzt, dass es sogar für eine neue Bestpunktzahl samt einem netten Pokal gereicht hat! xD

Soviel zu normalen PRG-Dateien und D64-Images. Leider erstrecken sich viele für den C64 entwickelten Spiele über mehrere Disketten (bzw. über Vorder- und Rückseiten von Disketten). Eines dieser Spiele ist z.B. Turrican, welches wir ja bereits in den Artikeln 150 und 151 kennengelernt haben. Auch für solche „Problemfälle“ hat das SD2IEC eine Lösung parat! Mit Hilfe der beiden Diskswaptaster lässt sich eine Art „virtueller Diskettenwechsel“ durchführen.

Damit der virtuelle Wechsel klappt, muss für jedes Spiel einmalig eine Diskswap-Datei erstellt werden. Das passiert, indem man das Spiel ganz normal lädt, bis eine „Diskette wechseln“-Meldung erscheint. Dann muss man beide Taster kurz gleichzeitig drücken um eine entsprechende Swapdatei (genannt Swaplist) zu erstellen (die rot blinkende LED bestätigt den Schreibvorgang auf Diskette).

Diese Datei befindet sich dann im Spielordner und heißt „AUTOSWAP.GEN“. Ganz wichtig: Die Datei muss in „AUTOSWAP.LST“ umbenannt werden und die Namen der D64-Images selbst dürfen nicht länger als acht Zeichen sein. Glaubt mir, ich habe viele Stunden mit Troubleshooting verschwendet, weil ich das nicht gewusst habe! 😀

Möchte man das Spiel nun erneut spielen und muss zu einem bestimmten Zeitpunkt die Diskette wechseln, so lässt sich das einfach mit Hilfe der beiden Taster erledigen (linker Taster für die vorherige Diskette, rechter Taster für die nächste Diskette) – läuft! 🙂

Fun Fact: Theoretisch kann man auch mehrere Multidisk-Spiele in ein Verzeichnis packen, allerdings dürfen in der AUTOSWAP.LST nicht mehr als 255 Einträge sein. Spätestens jetzt wird mir klar, wieso die Verzeichnisstruktur so angelegt wurde und Spiele, welche mehrere Disketten benötigen, in einem eigenen Ordner liegen.

Ich denke das reicht erst mal für heute, wird Zeit für ein kurzes Fazit. An sich ist das SD2IEC fast perfekt, allerdings nervt es etwas, dass man nach jedem Neustart des C64 wieder den „LOAD“FILEBROWSER“,8“-Befehl eintippen muss. Es gibt Ansätze, sich zumindest den RUN-Command zu sparen, aber um das Eintippen des Befehls kommt man nicht herum. Ebenso fallen mir die sehr langen Ladezeiten auf. Man hat fast das Gefühl man sitzt vor einem echten Laufwerk. Nun, das muss man dem SD2IEC lassen – in dieser Hinsicht emuliert es das 1541 perfekt! 😀

Doch genug gespottet – trotz der kleinen Problemchen ist das SD2IEC ein cooles Gerät, mit dem sich geräteunabhängig zahlreiche Software auf den C64 laden lässt! Mir wird schwindelig, wenn ich an die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten denke. Jetzt bräuchte man nur noch mehr Zeit um das alles auszuprobieren… 🙂

Last but not least – auch diesmal hat mir Max ein Gehäuse für das Teil gedruckt – vielen lieben Dank dafür! 🙂

So, jetzt entschuldigt mich bitte, ich denke ich habe mir jetzt eine Runde Tetris zur Entspannung redlich verdient! 🙂

Bis die Tage!

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