#146 – el commodore – V – disk

„Mensch, ist das aufwändig mit so einer Datassette zu arbeiten. Gibt es da nichts Besseres?“

Diesen Gedanken hatten vermutlich viele C64-Besitzer in den 80ern. Die langen Ladezeiten sowie der beschränkte, sequentielle Zugriff waren wohl die größten Kritikpunkte an der Datassette. Wäre es nicht toll, wenn man ein Medium mit „wahlfreiem“ Zugriff hätte? Also quasi wie bei einer Festplatte oder SSD einen Datenträger, bei dem man einfach direkt jedes Programm was man möchte beliebig starten könnte, ohne erst eine gefühlte Ewigkeit Bänder durch die Gegend zu spulen?

Festhalten Leute – Rettung naht in Form des Commodore „1541“ Diskettenlaufwerks:

Mit diesem wunderschönen Stück Hardware lassen sich 5,25“ Disketten mit dem C64 verwenden. Das Gerät besitzt einen Schreib/Lesekopf, mit dem es die Daten von Disketten lesen oder darauf schreiben kann. Es hat einen Knebelverschluss auf der Vorderseite mit welchem die Disketten im Laufwerk gehalten werden.

Mein Laufwerk ist ein Modell „1541-II“ aus dem Jahre 1988. Die Laufwerke wurden in unterschiedlichen Modellvarianten zwischen 1983 und 1993 gebaut. Bei den frühen Modellen war das Netzteil noch intern im Laufwerk verbaut, bei den späteren (wie in meinem Fall) wurde es aus thermalen Gründen (Schutz vor Überhitzung) ausgelagert.

Fun Fact: Schade ist, dass beim Modell 1541 aus Kostengründen auf gesockelte Chips verzichtet wurde, das macht eine Reparatur schwieriger. Dafür gilt das Modell im Vergleich zu seinen Vorgängern als äußerst robust. Tja, man kann eben nicht alles haben… 🙂

Apropos Netzteil. Die Stromzufuhr des Laufwerks steht der des C64 – zumindest was die Größe angeht – in keinster Weise nach. Was für ein fetter Block! 😀

Auf der Rückseite des Geräts befinden sich die Anschlüsse, über welche das Laufwerk mit Strom (POWER) versorgt, sowie mit dem C64 (SERIAL) verbunden wird. Über den zweiten seriellen Anschluss (INTERFACE) könnte man weitere Geräte (wie z.B. ein weiteres Diskettenlaufwerk) seriell anbinden.

Fun Fact: In der Einbuchtung „Device“ befinden sich DIP-Schalter, über welche eine Gerätenummer (auch Geräteadresse genannt) konfiguriert werden kann. Diese Einstellung ist nur wichtig, wenn man mehrere Laufwerke an einem Computer betreiben möchte. Bei älteren Laufwerksmodellen müssten dazu intern Lötbrücken geöffnet/geschlossen werden – verrückt! 🙂

Natürlich wird auch noch ein serielles Kabel (mit sechspoligen DIN-Steckern) benötigt, um das Laufwerk mit dem C64 zu verbinden:

So langsam brauchen wir mehr Platz… 😀

„Theorie ist, wenn man alles weiß und nichts funktioniert – Praxis ist, wenn alles funktioniert und keiner weiß, warum“. Frei nach diesem Motto wollen wir mal schauen, ob das alte Laufwerk noch seinen Dienst verrichtet. Also, fix den C64 anschalten und anschließend den Schalter auf der Rückseite des Diskettenlaufwerks umlegen. BÄM – it’s alive!

Hm, zumindest ist nichts in die Luft geflogen, aber so richtig spannend war das jetzt auch noch nicht. Was fehlt noch? Na klar – Disketten! 🙂

Wie bereits gesagt handelt es sich um 5,25“ Disketten. Sie bestehen aus einer runden, biegsamen Kunststoffschicht, welche mit einer magnetisierbaren Schicht überzogen und in zwei Plastikhüllen eingepackt ist.

Fun Fact: Aus diesem Grund nennt man die Diskette auch oft „Floppy Disk“ bzw. „Floppies“ im Plural. Der Datenträger lässt sich leicht biegen und hängt (sofern man ihn nur an einer Seite festhält) recht „schlaff“ durch die Gegend. Spätere 3,5“-Disketten haben dank ihrem starren Plastikgehäuse eigentlich keine Berechtigung mehr so zu heißen, aber der Name hat sich einfach eingebürgert… 🙂

Disketten gibt es in unterschiedlichsten Farben. Meistens waren sie schwarz, aber manche Hersteller wollten wohl etwas Farbe in ihr Sortiment bringen. Technisch gesehen hat das null Relevanz! 😀

Meist findet man sie eingesteckt in einer Papiertasche, um den Ausschnitt in der Plastikhülle für den Lesekopf vor Staub und Kratzern zu schützen.

Bei einigen Disketten ist sogar ein Inhaltsverzeichnis dabei, welches dem Nutzer einen Überblick der auf der Diskette befindlichen Programme geben soll:

Diese Zettelchen konnten mit einem entsprechenden Drucker sehr einfach direkt vom C64 ausgedruckt werden.

Bei einigen anderen Disketten gibt es keinen „Beipackzettel“, dafür wurden die aufgespielten Programme einfach auf die Papiertasche gekritzelt:

Je nach Typ der Diskette kann es sein, dass sie sich auf einer (SS/1S) oder sogar auf beiden Seiten (DS/2S) beschreiben lässt. Dazu dreht man die Floppy einfach auf die Rückseite:

Fun Fact: In diesem Fall würde sich die Rückseite noch nicht beschreiben lassen, denn auf der rechten Seite befindet sich noch keine Schreibschutzkerbe. Mit Hilfe eines Diskettenlochers (oder einem anderen Werkzeug wie z.B. einer Schere) konnte eine zweite Schreibschutzkerbe erzeugt und damit die Rückseite beschreibbar gemacht werden. Manchmal funktioniert das sogar auch bei Disketten, die als SS deklariert sind. Schon geil, oder? Einfach ein Loch reinschneiden und man hatte die doppelte Speicherkapazität. Macht das mal mit einer SD-Karte oder einem USB-Stick! 😛

Welchem Typ eine Diskette angehört, kann man meist auf einem Aufkleber (oder Druck) auf der Diskette erkennen:

Puh, über diese schwarzen Dinger gäbe es so viel zu erzählen. Ich muss mich echt bremsen nicht schon wieder in die Theorie abzudriften. 😀 Als erstes sollten wir mal eine Diskette einschieben…

…und den Knebelverschluss nach unten drehen.

Und jetzt? Bisher haben wir nur ein Stück Plastik in ein größeres Stück Plastik eingesteckt! xD Damit der C64 den Inhalt der Diskette anzeigt, muss man – analog der Datassette – einen LOAD-Befehl absetzen. Mit „LOAD“$“,8“ wird das Inhaltsverzeichnis der Diskette geladen und mit einem anschließenden „LIST“-Befehl angezeigt.

Fun Fact: Die „8“ steht hierbei für Gerätenummer 8. Die unteren Nummern (1-7) sind anderen Geräten (Tastatur=0, Datassette=1, Monitor=3, Drucker=4, etc.) vorbehalten. Ab Nr. 8 werden Geräte wie z.B. Diskettenlaufwerke und Festplatten angesteuert.

Sieht so aus als würde man das Spiel mit Hilfe des Programms „GAME“ starten können. Um das zu tun gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann man mit einen weiteren LOAD-Befehl („LOAD“GAME“,8“) den Startvorgang einleiten:

Alternativ kann man auch einfach mit den Pfeiltasten den Cursor zur entsprechenden Stelle im Listing bewegen und die Zeile (rund um die Programmbezeichnung) mit „LOAD“ und „,8,1“ überschreiben. Die Angabe „,1“ am Ende besagt ob man das Programm „absolut“ (also an die Stelle im Speicher, die der gespeicherten Ladeadresse entspricht) laden möchte. Lässt man die Angabe weg, wird das Programm „relativ“ (an den BASIC-Anfang im RAM) geladen. Sicherheitshalber sollte man immer „,8,1“ angeben, denn für Programme, die in Maschinensprache verfasst wurden, wird das benötigt.

Fun Fact: Das erinnert mich fast etwas an den guten alten Mainframe. Dort konnte (bzw. kann) man auch immer die Menüs und Anzeigen direkt überschreiben um Funktionen auszuführen. Ach ja, schön! 🙂

Um zu spielen muss das geladene Programm nur noch mit „RUN“ ausgeführt werden. Jetzt heißt es warten. Man hört, wie das Laufwerk auf die Diskette zugreift und die grüne LED beginnt zu leuchten:

Und siehe da – ein paar wenige Sekunden später können wir tatsächlich „Cobra Force“  spielen! 🙂

Mann, stell ich mich blöd an. Aber zu meiner Verteidigung – wann habt ihr das letzte Mal mit einem Joystick ein Videospiel gespielt?! 😛

Fun Fact: Für dieses Spiel muss der Joystick wieder in Port 2 stecken – völlig logisch, oder? 😀

Selbstverständlich habe ich auch versucht weitere Disketten zu laden. Leider sieht es so aus als könnte das Laufwerk nicht mehr alle Disketten lesen, bei einigen bleibt der Ladevorgang hängen…

…und die grüne Laufwerk-LED blinkt wie verrückt:

Bei einigen anderen konnte ich zwar noch den Index lesen, aber die Daten darauf sind wohl nicht mehr vollständig, bzw. fehlerhaft. In diesem Fall schaut selbst das Inhaltsverzeichnis schon zerstört aus:

Fun Fact: Um ehrlich zu sein wundert mich das nicht – die meisten der Disketten sind weit über 30 Jahre alt. Jeder weiß doch, dass es ab dem Alter einfach bergab geht… 😛

Ebenso ist mir aufgefallen, dass die Ladezeiten trotzdem teilweise echt ganz schön reinhauen. Es ist nicht so schlimm wie bei der Datassette, aber trotzdem muss man manchmal (bei größeren Programmen) die ein oder andere Minute einplanen. Manchmal wird das komplette Programm in den Speicher geladen und manchmal muss der C64 Daten nachladen – das führt zu kleineren Wartezeiten. Aber hey, was kostet die Welt? Ich verbuche das unter „digitaler Entschleunigung“! 😛

So, Schluss für heute… Tatsächlich ist das Thema C64 aber immer noch nicht durch, denn es gibt noch einige spannende Dinge zu erzählen… 😉

Cya! 😉

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