#144 – el commodore – III – tape

Mann, retrololo… Was sind denn jetzt diese merkwürdigen Kassetten von denen du beim letzten Mal erzählt hast?

Ich will euch nicht zu lange auf die Folter spannen (und die meisten älteren unter euch werden das sowieso schon wissen). Diese mit Daten bestückten Audiokassetten wurden gerade in der C64-Ära gerne verwendet um Software an den Mann (also den Kunden) zu bringen! 🙂

Fun Fact: Die prinzipielle Technik, wie die digitalen Daten als Audiosignal codiert werden um auf einem Magnetband gespeichert zu werden, kennen wir ja bereits aus Artikel 121! 😉

Neben den Input 64 Kassetten habe ich noch eine ganze Latte an weiteren Tapes mit Spielen:

Die meisten meiner Kassetten stammen aus England und sind richtig professionell gefertigt.

Fun Fact: Tatsächlich ist es keine Überraschung, dass die meisten C64-Tapes aus England kommen. Auf Grund des (damals) niedrigeren Lohnniveaus und der Tatsache, dass der C64 hinter dem Marktführer Sinclair Spectrum nur die zweite Geige spielte, entschieden sich viele Softwareentwickler dazu ihre C64-Programme nur auf dem günstiger herzustellenden Medium Kassette zu veröffentlichen.

Damit meine ich, dass neben der Kassette selbst auch ein schönes Inlay mit Spielbeschreibung, Hinweisen und meist Werbung für weitere Titel des Herstellers in der Verpackung steckt. Was die Technik angeht, wurden aus Kostengründen üblicherweise eher kurze Bandtypen (C10 mit 2×5 Minuten, C15 mit 2×7,5 Minuten oder C20 mit 2×10 Minuten) verwendet. Neben der höheren Stabilität (stärkeres Trägermaterial und somit strapazierfähiger/langlebiger) ist ein weiterer Vorteil, dass sich ein C15-Band deutlich schneller durchspulen lässt, als z.B. ein C60-Band! 🙂

Auf einem Band vom Typ C15 können im Standardformat der Commodore-Rechner rund 25 KByte pro Seite gespeichert werden – nicht gerade viel! 😀

Fun Fact: Auf die unterschiedlichen Bandlängen sind wir ja bereits in Artikel 85 eingegangen! 😉

Einige der Kassetten sind etwas weniger glanzvoll mit nur einem schlichten weißen Cover ausgestattet. Zumindest sind die Kassetten selbst bedruckt oder mit einem Aufkleber gekennzeichnet! 🙂

Fun Fact: Selbst heute noch gibt es einige wenige Firmen, die sich auf die Produktion von Musikkassetten spezialisiert haben. Die für die Tape-Produktion verwendeten Maschinen stammen meist noch aus den 80ern – krass! 😀

Sollte es mich irritieren, dass irgend so ein Schlaumeier bei der Asterix-Kassette „Seite 1“ mit einem Black Sabbath-Aufkleber versehen hat? Ich hoffe nur, dass das ein Scherz ist und die Kassette wurde nicht tatsächlich überspielt! 😀

Eine der Kassetten in meiner Sammlung scheint sogar „handgemacht“ und mit einer Vielzahl von Sicherungskopien bestückt zu sein! Bei dem Tape handelt es sich um ein Modell vom Typ C60 (also mit 30 Minuten pro Seite). Nachdem was wir bereits wissen, lassen sich (ohne weitere Software) auf so einer Kassette mit dem C64 rund 100 KByte Daten pro Seite speichern.

Fun Fact: Durch Zufall gerade gesehen – selbst heutzutage könnte man (sogar beim Musikhaus Thomann) noch einige C60-Kassetten kaufen – verrückt!

Auf Grund der Vielzahl an Spielen und dem verräterischen Hinweis „Turbo Tape 64“ würde ich mal vermuten, dass hier eine Spezialsoftware („Schnelllader“ genannt) zum Einsatz kommt, welche es erlaubt, wesentlich mehr Daten auf dem Band zu speichern und diese auch in deutlich geringerer Zeit zu lesen. Im Endeffekt wird die Geschwindigkeit dabei etwa um den Faktor 10 gesteigert, allerdings auf Kosten der Datensicherheit (durch Verzicht auf Redundanz und Paritätbits).

Fun Fact: Das einzige was wir mit Sicherheit sagen können ist, dass auf Seite A „alles Spiele ohne abschießen“ drauf sind! 😀

Ok, und was macht man jetzt mit den Teilen? Um den betagten Rechner mit Kassetten zu füttern, brauchen wir ein speziell dafür entwickeltes Bandlaufwerk. Commodore taufte dieses Stück Hardware „Datassette“, ein Kofferwort aus „Data“ und „Cassette“. Glücklicherweise habe ich so eine Datassette hier:

Auf der Rückseite können wir erkennen, dass es sich um ein Modell 1530 handelt und 1990 gebaut wurde.

Als besonderes Merkmal hat das Teil ein Bandzählwerk samt Resetknopf verbaut:

Definitiv kein unwichtiges Feature, denn damit lassen sich bestimmte Positionen (und somit letztendlich bestimmte Programme und Dateien) auf einer Kassette leichter auffinden. Besonders relevant ist das bei Kassetten, welche mehrere Programme/Spiele beheimaten.

Fun Fact: So war z.B. bei dem Spiel „Pub Games“ ein Vorbesitzer so freundlich und hat auf die Innenseite des Inlays die genauen Bandpositionen der einzelnen Spiele aufgeschrieben. Mit diesen Angaben kann man (im Zusammenspiel mit dem Bandzählwerk) gleich „bequem“ an die entsprechende Stelle auf der Kassette spulen um eins der sieben Spiele zu spielen – clever!

Über einen speziellen Kassettenport wird die Datassette mit dem C64 verbunden. Während viele Schnittstellen an dem Computer auf Standards (z.B. DIN oder D-Sub) basieren, habe ich so einen Stecker, bzw. Anschluss noch nie gesehen – das ist definitiv was Proprietäres! Cool: Es wird kein eigener Stromanschluss für die Datassette benötigt!

Fun Fact: Commodore hat zwar den Begriff Datassette erfunden, aber auch andere Hersteller (wie z.B. Atari, Apple, Tandy, Sinclair, etc.) haben die Bezeichnung übernommen. Sie haben lediglich ein „s“ gestrichen und ihre Kassettenlaufwerke einfach „Datasette“ genannt.

Mann, ich liebe dieses Bild. Das sieht mal nach „richtiger IT“ aus. Keine Touchscreens, keine virtuellen Maschinen oder irgendwelche Cloud-Dienste. Einfach ein alter Computer mit Kassettenlaufwerk – geil! 😀

Das einzige was mir etwas Bauchschmerzen bereitet, ist die Tatsache, dass diese Laufwerke einige Verschleißteile (Riemen, Zahnräder, etc.) besitzen. Auch mit den Datenträgern könnte es Probleme geben, denn analog der Musikkassette können die Tapes im Lauf der Jahre ihre Magnetisierung verlieren und somit Daten verloren gehen.

Doch Schluss jetzt mit den Spekulationen. Es wird Zeit ein Band einzulegen, am C64 den Befehl „LOAD“ einzugeben und der netten Aufforderung „Press Play on Tape“ zu folgen…

Fun Fact: Anstatt „LOAD“ kann man die Tasten „SHIFT“ + „RUN/STOP“ auf der Tastatur eingeben.

Und siehe da, das Band läuft an und der Bildschirm wird komplett blau. Der Computer versucht, die Metainformationen über gespeicherte Programme am Anfang des Bandes zu erkennen. Ungefähr zehn Sekunden später hält der C64 das Band automatisch an und meldet sich mit der Lesebestätigung „3D Snooker found“ zurück – das hört sich vielversprechend an! 🙂

Um das gefundene Programm zu starten, muss die „Commodore-Taste“ (links unten auf der Tastatur) gedrückt werden. Anschließend läuft das Band weiter und es werden die eigentlichen Daten des zu ladenden Programms vom Band gelesen. Alternativ kann man auch wenige Sekunden warten und der C64 lädt automatisch das gefundene Programm.

Fun Fact: Der Automatismus funktioniert allerdings nur, weil sich kein weiteres Programm auf dem Band befindet. Wäre das der Fall, würde nach wenigen Sekunden einfach das nächste Programm, welches zum Laden zur Verfügung steht, angezeigt werden.

Nach dem Tastendruck heißt es aber erst mal warten, denn jetzt werden die Daten vom Band in den Hauptspeicher des Computers geladen. Optisch sieht es so aus als befände sich der C64 im „Disco-Modus“! 😀

Der Lesevorgang ist wirklich sehr entspannt. Ohne Zusatzsoftware liest die Datasette die Daten auf der Kassette mit einer Geschwindigkeit von ca. 60 Bytes/Sekunde. Festhalten, damit ihr nicht bei dieser bahnbrechenden Geschwindigkeit aus dem Fenster fliegt! 😀

Zumindest kommt nach gut eineinhalb Minute mal der Titelbildschirm:

Spätestens an dieser Stelle ist der richtige Zeitpunkt sich eine Hopfenkaltschale zu organisieren, denn es dauert weitere sechs Minuten (samt Epilepsie verursachendem Bildschirmgeflacker) bis der Ladevorgang beendet und man endlich im Spiel angekommen ist.

Immerhin lässt sich das Spiel erstaunlicherweise gut mit dem Joystick spielen. Um ehrlich zu sein bin ich von der Snooker-Umsetzung was Grafik, Sound und Steuerung angeht überrascht, ich hatte irgendwie „Schlimmeres“ (mehr Pixel, hakelige Steuerung, etc.) erwartet. Ein gelungenes Spiel aber trotzdem spiele ich Billard im Allgemeinen lieber im „Real Life“… 😉

Achja, noch was – ich kann euch entwarnen: Auch Asterix scheint einwandfrei zu funktionieren und wurde nicht durch das Gegröle einer britischen Heavy-Metal-Band überspielt! 😉

Fun Fact: Merkwürdigerweise hat es diesmal ca. 20 Sekunden gedauert bis das Programm gefunden wurde. Allerdings konnte „Asterix and the Magic Cauldron“ dann innerhalb von nur vier Minuten geladen werden… 😉

Auch habe ich eine der Input 64 Kassetten zum Laufen gebracht:

Sie enthält ein schönes Menü in welchem man durch die einzelnen Programme durchblättern und diese dann laden kann:

Auf der Kassette waren auch einige nützliche Tools, aber wer braucht schon sowas, wenn man stattdessen „Die versunkene Stadt“, ein Labyrinthspiel, in dem man ein kleines Tauchboot durch versunkene Höhlen steuern und Diamanten einsammeln muss, spielen kann. 🙂

Hm, eigentlich wäre das doch ein gelungener Abschluss zum Thema „Datassette“, oder? Leider nein, denn tatsächlich gibt es noch einige Erfahrungswerte und Erkenntnisse zu berichten. Leider ist dafür heute keine Zeit mehr, aber ich verspreche euch – beim nächsten Mal schließen wir das Thema „Tapes“ ab! 😉

In diesem Sinne – bis die Tage! 🙂

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