#143 – el commodore – II – media

Nachdem wir den C64 beim letzten Mal grundlegend zum Laufen bekommen haben, wird es Zeit sich einige Software dafür anzusehen. Eine Frage ist dabei noch nicht geklärt: Wie bekommt man überhaupt Anwendungen (und vor allem natürlich die Spiele) auf der Kiste zum Laufen? Schließlich besitzt der C64 keine Festplatte und ich sehe auch keine Schnittstellen wie z.B. ein verbautes Diskettenlaufwerk oder ein Datasettenlesegerät.

Die Frage zu beantworten ist gar nicht so einfach, denn tatsächlich gibt es zahlreiche Optionen! 🙂 Die vermutlich einfachste Möglichkeit, Software auf dem C64 zum Laufen zu bekommen, ist mit Hilfe eines Steckmoduls („Cartridge“). Ich selbst besitze nur eines dieser Module. Es ist eine 1988 erschienene Spielesammlung namens „Super Games“:

Diese Module wurden meist für den Erweiterungsslot, manchmal auch für den Userport des C64 konzipiert. Wichtig: Man sollte sie nur im ausgeschalteten Zustand ein- und ausstecken, da ansonsten das Modul (oder sogar der Computer) beschädigt werden könnten.

Schaltet man den C64 mit eingestecktem Modul ein, wird nicht BASIC sondern direkt die Software auf dem ROM/EPROM des Moduls geladen. Ganz klarer Vorteil: Es entstehen keinen nervigen Ladezeiten. Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten. So beheimatet das Modul nur lesenden Speicher und man kann keine Daten darauf ablegen.

Fun Fact: Das Prinzip von Modulen mit ROM-Chips ist uns ja bereits von vielen Spielkonsolen (z.B. NES, SNES oder Mega Drive) bekannt. Rein technisch besteht das Modul aus zwei 32KByte großen ROM-Bausteinen welche durch zwei TTL-ICs gesteuert werden.

Die Spieleauswahl meines „Super Games“-Moduls ist eher mau. Ich weiß nicht was mich geritten hat, wieso ich mich gleich zu Beginn für „Colossus Chess“ entschieden habe – Schach ist eigentlich nicht wirklich mein Fall! 😀

Gesteuert wird das Spiel mit den Cursortasten sowie RETURN. Schach-Cracks können auch direkt über die Eingabe von Buchstaben A-F und der Zahlen 1-8 das Spielgeschehen steuern – definitiv über meinem Schach-Skill-Level! 🙂

Fun Fact: Schön finde ich, dass sich nach jedem Zug der Computer mit einem „Let me think…“ meldet und am rechten Bildschirmrand seine möglichen Züge durchkalkuliert. Man hat gleich das Gefühl, dass man gegen einen guten Gegner verliert! 😀

Bevor es jetzt peinlich wird und ich nach wenigen Zügen gegen eine zugegeben recht gute KI verliere, sollten wir schnell zu „Silicon Syborgs“, dem zweiten Spiel auf dem Modul, wechseln! 🙂

Der Titelbildschirm ist nicht gerade aussagekräftig – „Press Button to Play“. Es wäre schön gewesen, wenn uns die Entwickler verraten hätten, welcher Knopf gedrückt werden muss! xD

Da keine einzige Taste auf der Tastatur etwas bewirkt hat, habe ich auf gut Glück mal einen Joystick angeschlossen. Darf ich vorstellen? Ein Commodore-Joystick Modell C-1342 – ein Steuerknüppel mit einem roten Knopf auf der Oberseite – viel primitiver geht es nicht mehr! 🙂 Das gute Stück erinnert mich etwas an den Joystick des Atari 2600 aus Artikel 107.

Doch selbst mit angeschlossenem Joystick tut sich immer noch nichts – aber wo ist der Fehler? Guess what – wir haben den Joystick in den falschen Port angeschlossen! 😀 Tatsächlich funktioniert es nur, wenn man ihn am Controller Port 2 anschließt. Oh Mann – das muss man wissen… 🙂

Anschließend kann ich endlich Silicon Syborgs spielen. Besonders viel gibt es aber nicht zu entdecken. Letztendlich ist es eine Art „Fünf-Gewinnt“ im Live-Modus, also man muss permanent auf Plattformen im Weltraum durch die Gegend hopsen um eine Zeile, Reihe oder Diagonale mit fünf Feldern in der eigenen Farbe zu markieren. Immerhin – schön ist, dass man es zu zweit und gegen mehrere Computer-Gegner spielen kann.

Auch wenn das gameplaytechnisch und von der Grafik her nichts Beeindruckendes ist, fallen mir die Soundeffekte sofort positiv auf. Die sind fast auf dem legendären Atari-Niveau und könnten kaum kultiger sein! 🙂

Als letztes Spiel ist „International Football“ auf dem Modul. Ein wahrer Kracher – gebt euch mal diesen Titelbildschirm! 😀

Und das Gameplay erst… Eins steht mal fest – das ist nicht FIFA! 😀

Es ist unfair von mir so zu spotten, denn tatsächlich lassen sich die Figuren mit dem Joystick recht reibungslos durch die Gegend schicken. So ganz klar, wer jetzt zu welcher Mannschaft gehört, ist mir nicht, aber Spaß macht es trotzdem! Hat man es endlich (trotz des überdurchschnittlich motivierten Torwarts) geschafft ein Tor zu erzielen…

… wird man mit einem tosenden Jubelsturm der Fans im Stadion entlohnt. Wieder ein deutlicher Pluspunkt für die Soundeffekte – mit geschlossenen Augen hört es sich fast so wie das Meeresrauschen an… 😉

Soviel zum Thema „Cartridges“. Mehr Module habe ich leider nicht, um weitere Spiele auszuprobieren. Leider hat sich diese Art Software auf den C64 zu bringen nie so richtig durchgesetzt. Aus Herstellersicht waren vor allem die hohen Kosten und der beschränkte Speicherplatz von (meist nur) 16KByte Gründe, wieso eher wenig Software und Spiele (und wenn dann nur recht hochpreisig) für den C64 angeboten wurden.

Fun Fact: Richtige Freaks basteln sich diese Module selbst, aber so weit möchte ich (zumindest in diesem Blogbeitrag) nicht gehen… 😉

Eine weitere – gerade in Anfangszeiten recht verbreitete Methode Software auf den C64 zu bringen war es diese selbst einzutippen (ja, ihr habt richtig gehört)! 😀

Die grundsätzliche Möglichkeit selbst BASIC-Programme in das System einzugeben haben wir ja bereits kennengelernt, doch woher bekommt man den entsprechenden Quellcode? In der „Prä-Internet-Ära“ gab es so merkwürdig analoge Dinge aus Papier. Die heißen glaub ich „Magazine“ oder „Zeitschriften“. 😉

Letztendlich gab es zig verschiedene Verlage und Magazine. Ich selbst besitze lediglich einige Ausgaben des „Input 64“-Magazins vom Heise-Verlag.

Eigentlich wäre jedes dieser Magazine es wert, genauer inspiziert zu werden. Wer Lust auf eine Zeitreise in die 80er hat, ist hier genau richtig! Geballte (und vor allem sehr technische) Informationen in stilsicherem schwarz-weiß – Retro-Herz, was willst du mehr? 😀

Neben Soft- und Hardwaretests…

…Leserfragen…

…nützlichen Tipps…

…Neuigkeiten in der C64-Welt…

…Schulungsangeboten…

…Gewinnspielen…

…und natürlich etwas Werbung…

…gab es so ziemlich alles was das Nerd-Herz begehrt. Auch wurden häufiger Listings von Spielen und Programmen abgedruckt. Diese konnten dann vom C64-Besitzer abgetippt und im laufenden Betrieb ausgeführt werden.

Fun Fact: Mann – die Leute in den 80ern hatten irgendwie mehr Zeit… Stellt euch mal vor ihr kauft euch einen Laptop oder ein Tablet und müsst nach dem Start erst mal selbst eure Apps programmieren – unvorstellbar! 😀

Ernsthaft Leute – würdet ihr dieses Programmlisting abtippen? Bedenkt man die Tatsache, dass die Programme (nachdem man den Computer ausgeschalten hat) wieder weg sind, müsste man schon verrückt sein, so einen langen Block Text abzutippen… 😀

In einem der Magazine habe ich sogar einen Einkaufszettel gefunden! Was hat denn der C64 mit Sahne, Aufschnitt und Marmelade zu tun?!

Fun Fact: Dem aufmerksamen Leser wird bestimmt der Eintrag „Pfefferspray“ aufgefallen sein. Ich würde nur zu gerne wissen, was es damit auf sich hatte! xD

Erst die Rückseite des Zettels offenbart einige (wichtige) C64-Befehle. Na das nenne ich mal Recycling! 😉

In einigen Fällen lagen den Magazinen auch Datenträger wie Disketten oder Kassetten bei. So konnte man die Programme digital einspielen und musste nicht seitenweise Text abtippen. Im Falle meiner Input 64-Magazine sind es zwei Kassetten:

Doch was hat es mit diesen Teilen auf sich? Und wie bringen wir den C64 dazu von einer Musikkassette Daten zu lesen? Mehr dazu im nächsten Beitrag. Bis die Tage! 😉

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