#140 – In Memoria of Satinav

Hm, was soll denn das für ein merkwürdiger Beitrag heute sein? Der Titel hört sich ja fast so an wie der Name einer schwedischen Death-Metal-Band! 😀

Ich befürchte ich muss euch enttäuschen, denn tatsächlich geht es heute nur um zwei Videospiele – welch eine Überraschung! 😛

Nachdem wir uns in Artikel 120 schon mit einem PC-Adventure aus der Feder von Daedalic Entertainment beschäftigt haben, wird es heute Zeit einen Blick auf die Adventures der „Das Schwarze Auge“-Reihe zu werfen.

Fans von Pen-&-Paper-Rollenspielen (ich bin es nicht) wird „Das schwarze Auge“ vielleicht ein Begriff sein. In seiner ursprünglichen Form gibt es das Spielprinzip seit 1984 aber mittlerweile wurde das Regelwerk mehrfach überarbeitet. Wie in jedem Rollenspiel gibt es die üblichen Elemente, wie eine Spielwelt, verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Attributen und natürlich irgendwelche Herausforderungen, die gemeistert werden wollen.

Fun Fact: Irgendwie erinnern mich so Rollenspiele immer an die Spieleabende von Dr. Sheldon Cooper und seinen freakigen Nerdkollegen aus „The Big Bang Theory“. 😀

Ich bin mit so „analogen“ Rollenspielen irgendwie nie richtig warm geworden. Alleine die Tatsache, dass sich der Spielleiter alles selbst ausdenken muss und man mehr oder weniger nur dasitzt und würfelt hat mich irgendwie nie so richtig gefesselt. Ich habe immer den Eindruck, dass es viel bequemer und einfacher wäre ein Buch zu lesen, oder noch besser sich einen Film anzusehen anstatt das ganze Abenteuer „nur“ mit Hilfe der Erzählungen des Spielleiters sowie der eigenen Vorstellungskraft im Kopf abspielen zu lassen. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu ungeduldig für solche Dinge! 😀

Moment mal – sollte es heute nicht um PC-Adventures gehen? Was haben die denn mit einem Rollenspiel gemeinsam?

Gute Frage – grundsätzlich erst mal nichts! 😀 Da das „DSA“-Franchise aber mittlerweile recht populär ist, hat das Hamburger Entwicklerstudio Daedalic Entertainment sich 2012 dazu entschieden ein Point-and-Click-Adventure mit dem Namen „Satinavs Ketten“ zu erschaffen, welches im DSA-Universum angesiedelt ist. Na das trifft schon eher meinen Geschmack! 😉

Fun Fact: Wie bei vielen dieser älteren PC-Adventures üblich gibt es in der „Limitierten Erstauflage“ nicht nur das Spiel, sondern auch ein Handbuch, ein Poster und eine Soundtrack-CD – sehr geil! 🙂

In „Satinavs Ketten“ begleiten wir den jungen Vogelfänger Geron auf einem märchenhaften Abenteuer seine Welt zu retten. Die Handlung spielt in einem Königreich namens Andergast, welches auf dem Kontinent Aventurien liegt.

Nach dem üblichen Tutorial (in Form einer „Eichenblattqueste“, bei welcher vier gleiche Eichenblätter gefunden werden müssen) wird unser Protagonist vom König höchstpersönlich angewiesen die Krähenplage in der Burg zu beseitigen. Doch schnell wird klar, dass hinter den wild gewordenen Vögeln mehr steckt.

Die Story webt sich um einen düsteren Seher, welcher die Zukunft verändern und somit seinen eigenen Tod verhindern möchte. Dazu benutzt er eine magische Harfe, welche allerdings nur von Feen gespielt werden kann, für normale Menschen wäre der Kontakt mit dem Instrument tödlich. Der Seher selbst taucht immer wieder als zwielichtige Rabengestalt auf und versucht das Geschehen der Geschichte nach seinem Willen zu beeinflussen.

Um sein Abenteuer nicht alleine bestreiten zu müssen bekommt Geron nach wenigen Stunden Spielzeit eine Begleiterin namens „Nuridarinellavanda“ (kurz „Nuri“) an die Hand geben. Nuri ist eine Fee aus dem Rech Neirutneva, aus welchem sie geflohen ist um ihr Glück in einer anderen Welt zu finden. Im Vergleich zum überwiegend zynisch und deprimiert wirkenden Geron dient Nuri als unterhaltsame Auflockerung, weil sie mit kindlicher Naivität und einer gehörigen Portion Sorglosigkeit durch die Welt wandelt.

Als besonderes Merkmal ist Geron leicht „magiebegabt“ und kann so einige Gegenstände wie Tonkrüge oder Glasflasche per Zauberspruch zerstören. Seine Begleiterin Nuri dagegen kann außerhalb ihrer Feenwelt nur begrenzt ihre Zauberkräfte einsetzen. So kann sie Geron lediglich mit einem „Dinge-wieder-ganz-machen“-Zauber helfen. Nicht nur in dieser Hinsicht ergänzen sich die beiden prima, aber ich will jetzt nicht zu viel von der Story spoilern! 😉

Die bittersüße Geschichte ist spannend und hält einige Wendungen bereit. Auch technisch gesehen gibt es wenig zu meckern. Das Spiel lässt sich ohne Probleme steuern, der Soundtrack ist toll und auch die Vertonung ist gelungen. Was die Grafik angeht gefällt mir der gezeichnete Stil grundsätzlich sehr gut, lediglich mit den 3D-Charakteren kann ich persönlich nicht viel anfangen. Die wirken irgendwie fehl am Platz, aber vielleicht ist das nur Geschmackssache. Auch könnte man über die sehr sperrig und steif wirkenden Bewegungsanimationen meckern, aber dank der schönen Hintergründe fallen diese zum Glück gar nicht zu sehr auf! 😉

Typisch für Daedalic-Spiele sind die unterschwelligen Gewissensbisse, welche unseren Protagonisten plagen. Soll er dem Rat seines Ziehvaters folgen und Nuri töten um das Königreich zu retten? Oder soll er sie zurück in ihre Welt bringen, obwohl er Nuri nur unter falschen Versprechungen (auf ein Leben in einem erfundenen Traumland namens Fanglari) dazu bewegen konnte mit ihm zu reisen. Was ist richtig, was falsch? Satinavs Ketten ist definitiv ein Spiel, welches (zumindest im Rahmen der Story) zum Nachdenken anregt.

Meiner Meinung nach wirkt Satinavs Ketten deutlich düsterer als bisherige Werke von Daedalic. Gruseln muss man sich nicht, aber ein gewisses ernstes, bedrückend wirkendes Gefühl kommt schon an der ein oder anderen Stelle auf. Gut, dass die Entwickler dem Spiel einige lustige Dialoge verpasst haben.

Ein klarer Kritikpunkt sind leider die Rätsel. Diese wirken oft unlogisch und irgendwie „unnötig“. Es gab mehrere Stellen im Spiel an denen ich mich gefragt habe, „was muss ich jetzt eigentlich nochmal schnell tun?“ oder „warum versuchen wir jetzt an diesen oder jenen Gegenstand zu kommen?“. Einige Lösungen habe ich nur durch ewiges Herumprobieren (oder mit viel Glück auf Anhieb) lösen können. Tatsächlich hat man das Gefühl, dass die Rätsel einen irgendwie nur beim Versuch der Story zu folgen aufhalten. Auch das etwas sporadische, ja fast unzureichend wirkende Ende könnte man bemängeln. Doch genug genörgelt, mehr negative Punkte sind mir nicht aufgefallen! 🙂

Fun Fact: Stolz kann ich sagen, dass ich nicht im Internet nach einer Komplettlösung suchen musste – immerhin! 😉

Doch genug von Satinavs Ketten, denn die Story rund um den Vogelfänger Geron und die Fee Nuri ist noch nicht vorbei! Bereits ein Jahr später (2013) erschien mit „Memoria“ ein weiteres Adventure aus der „Das Schwarze Auge“ Reihe.

Fun Fact: Spätestens jetzt erklärt sich der Titel des heutigen Blogeintrags oder? Mann, da war aber wieder jemand kreativ… 😛

Die Story von Memoria knüpft dabei unmittelbar an den Vorgänger an. Zwar hat Geron die Welt gerettet, doch Nuri wurde durch einen mächtigen Seelentauschzauber gegen Ende des letzten Teils in einen Raben verwandelt. Der junge Vogelfänger macht es sich zur Aufgabe, Nuri wieder in einen Feenkörper zu transformieren.

Somit ist klar – auch diesmal begleiten wir den Vogelfänger Geron auf einem Abenteuer. Dabei trifft er auf einen zwielichtiger Händler namens Fahi, welcher Geron einen mächtigen Zauber anbietet, mit dem er Nuri zurückverwandeln kann – allerdings nur im Austausch gegen die Lösung eines antiken Rätsels, für welche er nur drei Tage Zeit hat.

Das Rätsel dreht sich dabei um eine vor fünf Jahrhunderten lebende Prinzessin namens Sadja, welche zur größten Heldin aller Zeiten aufsteigen wollte und dafür einst in die Schlacht gegen die Dämonen in die Gorische Wüste zog. Ihr Plan wurde jedoch aus ungeklärten Gründen vereitelt und nun ist es Gerons Aufgabe das Geheimnis um Sadjas Schicksal zu lösen. Natürlich ahnt unser Protagonist bald, dass viel mehr hinter der Geschichte steckt als es zu Anfang scheint…

Fun Fact: Seht es mir nach, dass ich auch diesmal nicht viel mehr über die Story berichten möchte – das würde einfach allen, die sich selbst in das Abenteuer stürzen wollen, zu viel verraten! 😉

Geron muss das Abenteuer doch nicht alleine bestreiten. So kann ihm an bestimmten Stellen im Spiel Nuri (in ihrer gefiederten Rabenform) unter die Arme greifen und kleinere Aufgaben und Rätsel lösen. Als clevere Beraterin steht Geron die ambitionierte Magieschülerin Bryda zur Seite für welche Satinav (der Wächter der Zeit) ein ganz eigenes Schicksal vorgesehen hat.

Doch das ist nur gut die Hälfte des Spiels, denn neben der Geschichte der Gegenwart lassen sich ebenso die Geschehnisse vor fünf Jahrhunderten aus Sicht der Prinzessin Sadja nachspielen. Mir persönlich gefällt das „Pingpong“ zwischen den beiden Geschichten. So können wir zwei unterschiedliche Handlungsstränge spielen, die irgendwie doch mehr miteinander verwoben sind als man zu Beginn des Spiels annimmt.

Was Grafik und Gameplay angeht, hat sich zum Vorgänger nicht viel geändert – und das ist auch gut so! Geron hat seine magischen Fähigkeiten behalten und kann kleinere Gegenstände per Zauberspruch zerbrechen lassen. Ebenso hat er den „Dinge-wieder-ganz-machen“-Zauber von Nuri gelernt und kann diesen bei Bedarf einsetzen. Hinzu kommt eine mysteriöse Linse, mit welcher magische Spuren gefunden werden können.

Auch Sadja kann mit Hilfe eines mit einem Dämon belegten Stabes einige Zauber durchführen. So kann man z.B. Golems zum Leben erwecken, Licht machen, Dinge versteinern oder sogar Visionen erzeugen und diese bestimmten Leuten telepathisch zukommen lassen. So lassen sich einige Charaktere im Spiel nach eigenem Gusto „fremdsteuern“.

Die liebevoll animierten Charaktere bewegen sich in 120 handgezeichneten Hintergründen durch die Geschichte und erwecken die Spielwelt dadurch zum Leben. Die Steuerung ist sehr intuitiv – auch für Leute die den ersten Teil nicht gespielt haben.

Fun Fact: Ursprünglich erschienen beide Teile der Reihe für den PC, aber für diesen Blogartikel habe ich die Spiele auf der Switch durchgespielt. Da der Nintendo-Konsole im Vergleich zu einem guten PC etwas Power fehlt, gibt es leider hier und da (gerade im zweiten Teil) ein paar Performanceprobleme (ruckeln/stottern), welche sich erst durch einen kurzen Sprung ins Hauptmenü beheben lassen. Tja, eine Portierung ist eben nie so gut wie das Original… 😉

Die meiner Meinung nach größten Schwachpunkte sind – analog wie im ersten Teil – die Rätsel. Zwar hängt alles zusammen und auch die Lösungen der Rätsel sind logisch, aber häufig ist mehr der Weg bzw. die Ausführung der Lösung das Problem. Gerade im Zusammenhang mit den magischen Fähigkeiten gibt es einige Situationen in denen man eher durch Zufall (oder durch blindes Kombinieren von Gegenständen) auf die theoretisch und offensichtlich logische Lösung kommt. Ernsthaft – selten hatte ich bei einem Adventure so viel Glück und habe komplexe und um die Ecke gedachte Rätsel durch willkürliche Versuche gelöst! 😀

Fun Fact: Ich erinnere mich da z.B. dunkel an ein Rätsel gegen Ende des Spiels, bei welchem das Tor eines Turms geöffnet werden muss. Um jedoch den Schlüssel dafür von einem Geistlichen zu erhalten, muss man erst einen Bösewicht mit Steinen bewerfen, um dessen Aufmerksamkeit zu erhalten – alles klar… 😀

Ich denke viel mehr kann (und will) ich zu den beiden Spielen gar nicht erzählen. Abschließend betrachtet kann man Daedalic mal wieder nur loben. Die beiden DSA-Adventures sind wirklich schöne und vor allem sehr stimmungsvolle Spiele. Die interessante Geschichte gepaart mit der malerischen Optik der Hintergründe machen verdammt viel her. Der tolle Soundtrack sowie die hervorragenden Synchronsprecher tragen den Rest zum Erlebnis bei. Man könnte fast meinen man blättert ein Märchenbuch durch!

Lange Rede, kurzer Sinn: Adventure-Freunden sind die Spiele allemal zu empfehlen! 🙂

In diesem Sinne, bis die Tage – ciao!

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