#130 – switched upper

Beim letzten Mal haben wir ja der Nintendo-Switch dank Jailbreak (mit Homebrew-Anwendungen) ein paar neue Tricks beigebracht. Heute wollen wir noch einen draufsetzen und das Thema Switch abschließen, sodass wir uns endlich wieder den Retro-Konsolen zuwenden können. 😉

Einer der größten Schwachpunkte des RCM-Jailbreaks ist, dass dieser nur temporär ist und somit bei jedem Start der Switch erneut die Pins überbrückt und der Payload über USB-C (z.B. via Smartphone oder PC) zur Switch gesendet werden muss. Das ist in der Handhabung alles andere als praktikabel! 😦

Zugegeben, zum Überbrücken der Pins könnte man sich einen sog. „RCM-Jig“ kaufen, welcher etwas robuster in der Führung des Joy-Con-Controllers sitzt. Die Dinger sehen so aus:

Fun Fact: Alternativ könnte man auch den rechten Joy-Con-Controller so modifizieren, dass dieser für uns die Aufgabe übernimmt in den RCM einzusteigen.

Doch auch so ein RCM-Jig ist leider nur die halbe Miete, denn dann bräuchten wir immer noch ein Gerät, welches uns den Payload zum Starten der CFW einspielt. Auch sowas gibt es tatsächlich in kompakterer Form als Dongle für den USB-C-Port. Das Ding schimpft sich „RCM Loader“ und ist definitiv leichter handhabbar als ein Smartphone oder ein Computer. Mit dem Dongle können unterschiedliche Arten von Payloads eingespielt werden. Kleines Manko: Er besitzt einen Akku und muss hin und wieder aufgeladen werden.

Alles in allem keine schlechte Lösung, trotzdem irgendwie nichts Ganzes und nichts Halbes. Ich sehe schon, wenn wir die Hundertprozentlösung haben wollen, muss ein Modchip her. 😉 Findige Bastler haben auf Basis des Adafruit Trinket M0 Mikrocontrollers eine „RCM-Pusher“-Lösung erstellt. Dieser kleine Chip übernimmt beide Funktionalitäten, also das Eintreten in den RCM und das Senden des Payloads an die Switch!

An sich ist der Einbau nichts wildes, aber die benötigten Drähte und gerade die Lötstellen (gerade auf dem Switch-Mainboard) sind verdammt klein – definitiv nichts für meine alten, zittrigen Hände. 😀 Aus diesem Grund habe ich den Chip von einem Fachmann einbauen lassen.

Fun Fact: Sollte man die Software auf dem Chip updaten wollen, lässt sich dieser sogar über den USB-C-Port der Switch flashen. Sehr schön! 🙂

Dieser war so nett und hat mir auch gleich die „AUTORCM“-Funktion aktiviert. Dabei wird letztendlich ein Byte im Boot-Rom modifiziert, sodass die Switch jedes Mal automatisch in den Recovery-Modus bootet, wenn man sie anschaltet. Würde man das nicht machen, müsste man die Switch (damit der Chip aktiv wird) über eine spezielle Tastenkombination starten. Drückt man nun den Power-Knopf wird automatisch in Atmosphere gebootet und man kann sofort im Systemmenü sehen, dass die Switch unter CFW läuft – cool! 🙂

Fun Fact: Möchte man die originale Switch-Firmware booten, so muss man beim Einschalten (wenn das erste Logo erscheint) „Volume-Up“ und „Volume-Down“ gleichzeitig drücken um von einem Menü des Chips die „Stock-Firmware“ starten.

Da wir jetzt den Boot-Prozess vereinfacht haben, können wir noch ein paar weitere Spiele installieren – die Anwendung hierfür (tinfoil) kennen wir ja bereits. Allerdings hat es mich beim letzten Mal gestört, dass der Installationsvorgang so umständlich ist. Zur Erinnerung: Man muss zuerst Spiele-Daten auf die SD-Karte packen, um diese dann auf der Switch nochmal auf die SD-Karte zu installieren. Nicht nur kostet das Zeit, auch wird bei dieser Methode der doppelte Platz auf der Speicherkarte verbraten – unschön! Das muss doch irgendwie einfacher gehen…

Und das geht es auch – mit Hilfe einer PC-Anwendung mit dem schlichten Namen „nut“:

Damit nut funktioniert, müssen ein paar Verzeichnisse angepasst und passende USB-Treiber installiert werden. Das Programm an sich ist recht universell und kann als Netzwerk- oder USB-Server verwendet werden. Ich habe es für meine Installationen im USB-Modus (also mit am PC angeschlossener Switch) verwendet. Es erkennt automatisch Images von Switch-Spielen und kann diese mit Hilfe der tinfoil-Anwendung auf der Switch direkt auf der MicroSD-Karte installieren – sehr praktisch! 🙂

Fun Fact: Während ich den Artikel erstellt habe, kam mir ein Windows-Update in die Quere, welches meine USB-Treiber wieder zurückgesetzt hat – danke dafür! 😀 Gott sei Dank kann man mit Hilfe des Tools „Zadig“ versuchen, den libusbK-Treiber nachträglich erneut für die Switch zu installieren. Anschließend sollte eine Verbindung von tinfoil zu nut wieder möglich sein.

In tinfoil hat man dann einen guten Überblick über installierte Spiele. Auch lassen sich über diesen Weg Updates und DLCs zu den Spielen installieren! 🙂

Fun Fact: An dieser Stelle sei vielleicht noch anzumerken, dass Switch-Images in unterschiedlichen Formaten vorliegen können. Während ein vollständiger Dump einer Switch Game Card meist im „XCI“-Format vorliegt, sind Downloads aus dem eShop im „NSP“-Format anzutreffen. Im Endeffekt ist es egal, denn tinfoil beherrscht beide Varianten. 🙂

Wichtig: Um Spiele von anderen Quellen (z.B. Backups, die nicht mit dieser Konsole gemacht wurden) zu installieren, muss in den Optionen die Installation von unsigniertem Code zugelassen werden.

Was mir besonders gefällt: Beim Aktivieren der Option muss der „Masterschlüssel“ eingegeben werden. Dieser ist nicht etwa ein zuvor vom Benutzer vergebenes Passwort, sondern der Konami-Code (HOCH + HOCH + RUNTER + RUNTER + LINKS + RECHTS + LINKS + RECHTS + B + A + START)! Die Entwickler haben definitiv Humor. 😀

Alle von mir getesteten installierten Spiele liefen einwandfrei. Besonders cool finde ich, dass sich auf der Switch so viele Indie-Studios austoben (so ganz Nintendo-untypisch). Vor allem das RPG „Golf Story“ hat es mir angetan! 🙂

Fun Fact: Tatsächlich ist die Nintendo Switch vollständig „region-free“. So lassen sich Spiele aus sämtlichen Regionen der Erde ohne Einschränkungen installieren und spielen. Ich bin baff, selbst beim guten alten NES war das nicht so! Hat Nintendo tatsächlich dazugelernt?! 🙂

Neben Spielen lässt sich mit der gehackten Switch natürlich auch noch einiges mehr anstellen. Es gibt zahlreiche Homebrew-Anwendungen wie z.B. einen Videoplayer oder Texteditor aber ich möchte mich abschließend noch auf die Königsdisziplin im Homebrew-Bereich konzentrieren: Emulation älterer Systeme! 🙂

Es gibt eine ganze Latte an Emulatoren, die auf der Switch laufen. Um ehrlich zu sein habe ich aber gar keine Lust mich mit jedem einzeln zu beschäftigen, denn es gibt eine weitaus bequemere Lösung um die ganzen Systeme in einem Frontend zusammenzufassen. Das Zauberwort heißt „RetroArch“. Dieses Front-End ist quasi die „rundum sorglos Lösung“. Emulatoren diverser Systeme werden in sog. „cores“ verwaltet.

Um RetroArch zum Fliegen zu bekommen, müssen wir die SD-Karte mit der Switch-Applikation vorbereiten. Ebenso ist es gut zum Testen ein paar Backups von Spiele diverser Systeme mit auf die MicroSD-Karte zu packen! 🙂

Anschließend taucht RetroArch im Homebrew-Menü (Album) auf. Theoretisch kann man über diesen Weg die Anwendung starten, leider läuft RetroArch dann nur im „Applet Mode“ (also direkt über das Homebrew-Menü). Das kann zu diversen Fehlern führen, weil die gestartete Homebrew-Anwendung dann nicht den vollen Speicherzugriff besitzt. Besser ist es, man ruft RetroArch via „Titel Takeover“ (ein alternativer Weg das Homebrew-Menü mit erweiterten Berechtigungen aufzurufen) auf.

Hierzu muss lediglich ein Spiel (egal welches) mit gedrückter „R-Schultertaste“ gestartet werden (sieht man jetzt auf dem Bild schlecht, aber stellt euch vor, ich drücke „R“)! 😀

Und schon haben wir das Homebrew-Menü mit erweiterten Berechtigungen gestartet. Clever! 😉

Ist man erst mal im RetroArch-Hauptmenü angekommen, hat man zahlreiche Möglichkeiten. So kann man z.B. wählen ob man einen „Core“ (Emulator)…

…oder gezielt ein Spiel aus einem Verzeichnis starten möchte.

Die Switch ist stark genug um die älteren Nintendo-Konsolen (NES, GameBoy (Color/Advance), SNES und sogar N64) zu emulieren. Hier z.B. das Hauptmenü aus „Pokémon Stadium“:

Ebenso können natürlich auch Plattformen anderer Hersteller, wie hier z.B. „Earthworm Jim“ auf dem Sega Mega Drive emuliert werden:

RetroArch ist schon eine tolle Sache. Wer hier viel Zeit und Lust hat, kann sich austoben bis zum geht nicht mehr. Seht es mir nach, wenn ich darauf verzichte und stattdessen als abschließende Challenge noch versuchen möchte, Monkey Island 3 auf der Switch zum Laufen zu bekommen! Fragt mich bitte nicht wieso, aber ich mag das Spiel einfach und hatte schon lange vor es mal wieder komplett durchzuspielen 🙂

Doch wie stellt man das an? Gut, dass es für die Switch einen Port von ScummVM gibt, dem Tool um alte Adventure-Spiele für den PC zu emulieren. Dazu müssen lediglich ein paar entsprechende Dateien auf die SD-Karte gepackt werden:

Natürlich muss auch das Spiel selbst auf die SD-Karte kopiert werden. Welche Dateien genau benötigt werden, ist natürlich bei jedem Spiel unterschiedlich, eine gute Übersicht der unterstützten Spiele (samt Tutorials) findet sich hier.

Fun Fact: Ich habe die benötigten Dateien nicht mal von den Original-CDs kopieren müssen, weil ich sie für eine andere ScummVM-Installation (siehe Artikel 44) bereits auf der Platte hatte! 🙂

Ist alles vorbereiten, kann ScummVM einfach über das Homebrew-Menü gestartet werden.

Beim ersten Start müssen noch die Monkey Island Dateien mit der Software verheiratet werden. Ebenso können ein paar Einstellungen wie Untertitel, Grafikeffekte, etc. vorgenommen werden.

Fun Fact: Anstatt ein Bild von den Einstellungen zu machen, habe ich Depp natürlich nur das ScummVM-Hauptmenü abgelichtet – einmal mit Profis! 😛

Und tatsächlich – das Spiel läuft ohne Probleme. Hm, kommt euch diese Szene nicht auch bekannt vor…? 😉

So, ich denke es wird Zeit, dass wir so langsam zum Ende kommen. Für die Tatsache, dass es in den letzten beiden Artikeln eigentlich um eine Spielekonsole gehen sollte, war leider alles recht technisch. Viel zu viel Theorie – ich weiß. Nehmt es mir nicht übel, ich kann nichts dafür! Wenn es nach mir geht, müsste es nicht so kompliziert sein der Switch ein paar neue Tricks beizubringen… 😉

Fazit: Mit der Nintendo Switch ist scheinbar wirklich ein neues Zeitalter angebrochen. Kein „region-locking“ sowie eine Vielzahl an Indie-Spielen unabhängiger Hersteller? Und das alles auf einer Nintendo-Konsole? Ist die Hölle zugefroren?! Tief durchatmen… Zumindest beim Thema Cartridges (wenn auch in Form kleiner SD-Karten ähnlicher Module) ist Nintendo sich treu geblieben – sehr zu meiner Freude! 🙂

Spaß beiseite, um ehrlich zu sein bin ich von der Switch positiv überrascht. Klar hat sie ihre Macken (spiegelndes Display, Akkulaufzeit, Joy-Con-Controller, etc.) aber gerade für unterwegs (oder auf der Toilette) ist das Teil echt genial.

Bitte entschuldigt mich jetzt – ich muss jetzt mit einer frechen Gans im „Untitled Goose Game“ etwas Schaden anrichten! 😉

Cya!

Ein Kommentar zu „#130 – switched upper

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