#120 – DEPONIA

Nachdem ich euch mit „The Curse of Monkey Island“ bereits einen absoluten Adventure-Klassiker aus vergangenen Tagen vorgestellt habe, wird es Zeit einen Blick auf ein paar Werke aus jüngeren Tagen zu werfen: Ich spreche von der „Deponia“-Reihe! 🙂

Deponia ist ein Adventure vom Hamburger Entwicklerstudio Daedalic Entertainment aus dem Jahre 2012. Das Spiel handelt von einem narzisstischen, chaotischen Protagonisten namens Rufus, welcher die Schnauze von seinem Leben auf „Deponia“ (einem riesigen Müllplaneten) gestrichen voll hat und schleunigst ein neues Leben auf „Elysium“ anfangen möchte.

Elysium ist eine – über Deponia schwebende – Stadt, in der die High Society lebt. Für „normalsterbliche“ Deponianer ist die sagenhafte Stadt leider weit entfernt. Nicht nur wegen dem sozialen Klassenunterschied, auch gibt es keine Möglichkeit Elysium über ein gängiges Transportmittel zu erreichen.

Die meisten Bewohner des Müllplaneten, wie z.B. Rufus zynische Ex-Freundin Toni (bei der er noch wohnt), stört das wenig. Rufus dagegen – als Erdenker verrückter Pläne und Tollpatsch erster Stunde bekannt – möchte einfach nur weg. Er hat schon zahlreiche Versuche unternommen Deponia zu verlassen – bisher sind alle kläglich gescheitert. Diesmal ist er sich sicher, dass es klappt. In einer selbstgebauten Raumkapsel möchte sich Rufus selbst in die Luft schießen und an einen „Organon-Kreuzer“ (eine Art Schiff welches auf einer Einschienenbahn fährt) anheften, welcher ihn als blinden Passagier mit nach Elysium transportieren soll.

Erstaunlicherweise klappt sein Plan diesmal tatsächlich und er schafft es auf den Organon-Kreuzer. Die Freude ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn beim Versuch die schöne „Goal“ (eine waschechte Elysianerin) aus den Händen des Organon (eine verhasste Militärorganisation) zu retten, stürzen beide wieder zu Boden auf Deponia.

Zurück auf Deponia angekommen sind alle Bürger Kuvaqs (Rufus Heimatstadt) in Aufruhr, weil eine schöne Frau vom Himmel gefallen ist und jeder, vor allem natürlich die männlichen Bewohner Kuvaqs, ihr jetzt Asyl bieten möchten.

Durch den Aufprall ist Goal bewusstlos und Rufus muss erst mal einen Weg finden sie aufzuwecken. Ebenso wurde Goals „Hirnimplantat“ (eine Art Datenträger, auf der das vollständige Bewusstsein eines Menschen gespeichert ist) durch den Sturz beschädigt und muss repariert werden!

Fun Fact: Wie könnte man eine vom Himmel gestürzte Orbit-Elfe am besten aufwecken? Na klar, mit einem ultrastarken, aus Schwarzpulver und Batteriesäure hergestellten Espresso – logisch! 😀

Offenbar planen die Elysianer Deponia zu sprengen! Auf Goals Rat hin soll Rufus ihren Verlobten namens Cletus aufsuchen, um eine Rückkehr nach Elysium zu ermöglichen. Eigentlich soll dieser eine Aufklärungsmission auf Deponia durchführen, um zu prüfen, ob der Planet unbewohnt ist. Erst später stellt sich heraus, dass Cletus sich mit dem Organon verschworen hat, aber ich möchte an der Stelle nicht zu viel von der Story verraten… 😉

Im Verlauf des Spiels trifft Rufus auf viele lustige Charaktere wie z.B. den Bastler und Wissenschaftler „Doc“, ein echter DIY-Fachmann! Gut für Rufus – neben Elektronik kennt Doc sich auch mit beschädigten Hirnimplantaten aus und trägt so maßgeblich zur Rettung von Goal bei.

Des Weiteren zählt „Bozo“, ein Kutter-Kapitän und Schrotthändler, zu Rufus sporadischen Begleitern. Bozo ist ein friedfertiger, genügsamer Mensch, der eigentlich nur in Ruhe seiner Arbeit nachgehen möchte. Eins ist klar – damit ist er bei Rufus an den falschen geraten! 😀

Auch im Hirn festgebrannt hat sich „Goon“, ein glückloser Akademiker, welchen Rufus am Hafen von Porta Fisco kennenlernt. Unser lässiger Protagonist stempelt Goon sofort als Penner ab, was zu einer Vielzahl an witzigen Dialogoptionen führt! 😉

Fun Fact: Ich wusste doch die Stimme kommt mir sofort bekannt vor! Goon wird von keinem geringeren gesprochen als Erik Range, vielen von euch vermutlich besser bekannt als Gronkh – kein Witz! Tatsächlich pflegen der Serienschöpfer Jan Müller-Michaelis (besser als „Poki“ bekannt) und Gronkh seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis und haben in der Vergangenheit auch schon zusammen Videos aufgenommen! 😀

Ich finde es äußerst gelungen, wie sich die Nebencharaktere in das Gesamtbild einfügen. Jeder von ihnen erfüllt eine Rolle, ohne zu aufdringlich zu wirken. Den meisten NPCs („non-player character“) wird man im Lauf des Abenteuers immer wieder begegnen und einige von ihnen sind sogar für den Spielfortschritt essentiell.

Fun Fact: Die Hintergrundgeschichte einiger Charaktere (wie z.B. im Falle von „Lotti“) klärt sich erst zu einem viel späteren Zeitpunkt im Spiel. Wirklich schön zu sehen, dass die Entwickler nicht nur dem Protagonisten eine eigene Story gewidmet haben – jede Figur entwickelt sich auf ihre Art und Weise weiter. So wirkt die Spielwelt lebendiger und es ist immer wieder schön auf einen „alten Bekannten“ zu treffen! 🙂

Zu einem gelungenen Adventure gehören natürlich auch ein paar saftige Rätsel. So müssen auch in Deponia ein paar harte Nüsse geknackt werden, um Goal wieder nach Elysium zu bringen. Hier muss zum Beispiel ein „Stromumkehrer“ aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt werden um eine elektrische Lore wieder flott zu machen.

Fun Fact: Die Tipps wie das geht, müssen wir dabei dem verrückten Doc entlocken, indem wir mit ihm „über Frauen“ reden. Selbstverständlich gibt er uns die Lösung nur in kryptischer Form – da ist knobeln angesagt! 😉

Viele der Rätsel sind dabei sehr kreativ konzipiert und man muss schon ganz schön um die Ecke denken. An einer Stelle müssen wir z.B. ein bestimmtes Klopfzeichen geben, aber unser Protagonist lässt sich immer von der Hintergrundmusik ablenken und vermasselt es in einer Tour. Des Rätsels Lösung? Schaltet einfach die Musik in den Optionen des Spiels aus (kein Witz). Schon kann sich Rufus ohne Probleme an die korrekte Reihenfolge erinnern und wird nicht mehr abgelenkt. Cleveres Rätseldesign ist eine der größten Stärken Deponias! 🙂

Technisch gesehen gibt es an Deponia nichts zu meckern. Das Spiel läuft nativ mit einer FullHD-Auflösung und lässt sich sehr bequem ausschließlich mit der Maus steuern. Ähnlich wie bei Monkey Island 3 zeigt sich, dass der Zahn der Zeit gut animierter Zeichentrick-Optik nicht viel anhaben kann. Das Spiel wird definitiv auch in vielen Jahren noch toll aussehen! 🙂

Ich denke das Steampunk-Setting von Deponia trägt einen großen Teil zu der hübschen Optik bei. Man kann förmlich fühlen wie man in altem Metall- und Elektroschrott auf Deponia erstickt. Selbst die Häuser sind aus Schrott gebaut!

Unabhängig von der ansprechenden Optik lässt die „Schrottplatz-Umgebung“ viel Spielraum für wahnwitzige Technik-Kombinationsrätsel – ein cleverer Schachzug der Entwickler! 😉

Zur Auflockerung des standardmäßigen „Point-and-Click“-Gameplays gibt es hin und wieder kleine Minispiele. So muss Rufus z.B. geschickten Umgang beim Manövrieren von Torpedo-Delfinen auf ein U-Boot beweisen. Wer es etwas actionlastiger mag, kann „Krawall-Goal“ beim „Schnabeltier-Bataka“ einige Hiebe verpassen! 😀

Fun Fact: Wer keine Lust auf die Abwechslung hat, kann jedes Minispiel einfach mit einem Knopfdruck überspringen – lobenswert! 🙂

Besonders hervorzuheben ist auch die Vertonung des Spiels. Selten habe ich Zeichentrickfiguren so sehr geglaubt, dass wirklich sie es sind, die da sprechen. Generell ist das Sounddesign mehr als gelungen. Die einzelnen Stücke passen zu jeder Situation und tragen viel zum allgemeinen Erlebnis bei.

Fun Fact: In einem Interview haben die Entwickler preisgegeben, dass der Sound für das Spiel teils auf aus Müll gebastelten Instrumenten erstellt wurde – krass! 😀

Als Einleitung werden die einzelnen Kapitel dabei von einem schrottigen Musiker in Reimform besungen. Eine tolle und vor allem gut umgesetzte Idee, welche den Spieler motiviert, den nächsten Abschnitt zu erreichen! 🙂

Fun Fact: Jan Müller-Michaelis selbst singt diese Erzählungen ein. Er hat auch ein paar kleine Sprechrollen im Spiel – das nenne ich mal einen engagierten Teamleiter!

Der meiner Meinung nach alles entscheidende springende Punkt bei Deponia ist aber der Humor. Rufus hat in jeder Situation einen lässigen Spruch auf den Lippen und viele der Witze kommen so unerwartet, dass sie einem förmlich ein breites Grinsen ins Gesicht katapultieren! 😀

Fun Fact: So etwas ist leider immer schwer zu beschreiben, aber wenn ich es versuchen müsste würde ich es als Situationskomik mit hohem Cringe-Faktor bezeichnen! 😉

Wie jedes Adventure ist Deponia nichts für Leute, die „schnell schnell“ durch ein Spiel durchrennen. Das „Hängenbleiben“ und Knobeln an einigen Rätseln gehört einfach dazu und macht einen großen Teil des Spielspaßes aus.

Fun Fact: An einer Stelle muss man eine alte, aufgespießte Sardelle mit einer Taschenlampe illuminieren und an einen Haken hängen um einen Wal anzulocken! 😀

Gerade in kniffligen Situationen, in denen man wie wild herumprobiert und versucht wahllos Gegenstände miteinander zu kombinieren, springen die lustigsten Kommentare und Sprüche raus! 😀

Fun Fact: Ernsthaft Leute – die Detailverliebtheit der Entwickler ist hier nur zu bewundern. Für jeden noch so abstrusen Versuch zufällig ausgewählte Gegenstände aus dem Inventar mit der Spielwelt zu kombinieren gibt es eigens eingesprochenen Kommentare von Rufus!

Das einzige, was Kritiker an „Deponia“ bemängeln könnten. ist die Tatsache, dass die Geschichte etwas abrupt mit einem fiesen Cliffhanger endet. Das ist allerdings so gewollt, denn Deponia ist eine Trilogie! Neben dem ersten Teil (Deponia) gibt es noch „Chaos auf Deponia“ und „Goodbye Deponia“.

Fun Fact: Ich besitze natürlich alle drei Teile, jeweils in der limitierten Edition (mit Soundtrack und Poster) sowie eine Sammlung namens „Deponia The Complete Journey“ mit allen Soundtracks und einigem weiteren Bonusmaterial wie einem Poster, Aufklebern, eingebauten Entwicklerkommentaren sowie einer DVD mit Artworks und Making-Ofs. So viel Zeug – und das alles für wenige Euros – ich liebe PC-Adventures! 🙂

In den weiteren Teilen wird die Story immer abgedrehter. Multiple, bzw. gespaltene Persönlichkeiten, geklonte Protagonisten und Zeitreisen sind an der Tagesordnung. Die Erzählung bleibt dabei stets erfrischend und beinhaltet den ein oder anderen die Gesichtszüge entgleisen lassenden Handlungswechsel. Selten habe ich eine mehrteilige Spielereihe mit konstanter Qualität gesehen!

Wie bereits gesagt war Deponia als Trilogie geplant, aber nachdem die ersten drei Teile so gut bei den Fans angekommen sind, sollte ein vierter Teil her. Mit „Deponia Doomsday“ hat Serienschöpfer Jan Müller-Michaelis („Poki“) das Kunststück vollbracht ein komplett neues Abenteuer zu erschaffen, ohne jedoch am eigentlichen Ende der Trilogie etwas zu verändern! 🙂

Um ehrlich zu sein plagen mich kleine Gewissensbisse, weil ich mich dagegen entschieden habe die einzelnen Teile der Serie in jeweils eigenen Blogartikeln vorzustellen – die Spiele hätten es definitiv verdient! Gerade der letzte Teil (Deponia Doomsday) ist ein grandioses Spiel, welches alle Stärken der Vorgänger übernimmt, dabei die Formel durch sinnvolle Neuerungen ergänzt und trotzdem den „lässigen“ Charme beibehält.

Aber was soll man machen? Man kann sich nicht zerreißen und letztendlich muss man auch irgendwann das Buch zuschlagen und sich mit anderen Themen beschäftigen können – so ist es einfach im Leben. 🙂

Fun Fact: Natürlich besitze ich auch dieses Spiel, sowie eine Sammleredition mit allen vier Teilen. Normalerweise vermeide ich solche „doppelten“ Käufe (da ich die Spiele ja bereits einzeln besitze), aber in diesem Fall habe ich kein Problem damit. Es ist massig Bonusmaterial dabei und ich unterstütze die Entwickler gerne – in der Hoffnung, dass sie auch zukünftig so großartige Spiele produzieren! 🙂

So, ich denke es wird Zeit Deponia wieder zu verlassen und ins „real life“ zurückzukehren…

Wer es bis jetzt noch nicht kapiert hat – ich liebe Deponia! 🙂 Die Geschichte rund um den Müllplaneten bietet so viel mehr als auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Liebe zum Detail, der Humor der Entwickler und natürlich die überragende akustische Untermalung erinnern mich an die legendären Titel aus der glorreichen LucasArts-Zeit und machen aus Deponia ein ganz besonderes Adventure! Ich kann den Artikel nur mit einem Appell beenden: Spielt Deponia! 🙂

Fun Fact: Wer kein Laufwerk mehr besitzt oder keine Lust auf physische Datenträger hat, kann die Spiele selbstverständlich auch digital (z.B. bei Steam oder GOG) erwerben. Neben dem PC erschien die Reihe auch für zahlreiche (neuere) Plattformen wie z.B. iOS, Nintendo Switch, PS4 oder Xbox One – es gibt also keine Ausrede für euch es nicht zu spielen! 😉

In diesem Sinne – bis die Tage und immer dran denken: Lässig bleiben! 😉

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