#97 – GameCube mit schweizer Taschensoftware

Nachdem wir uns beim letzten Mal die GameCube etwas angesehen haben, wird es Zeit die Konsole zu hacken! 🙂

Fun Fact: Eigentlich haben wir mit der Nintendo Wii bereits eine gute Möglichkeit gefunden GameCube-Spiele zu spielen (siehe Artikel 84), warum also nochmal ein dedizierter Bericht zur GameCube? Weil halt! 😛 Mein Blog, meine Regeln! 😉

Ähm, ok. Und das soll mit einem Schweizer Taschenmesser, bzw. „Schweizer Taschensoftware“ gehen? Nicht ganz! 😉 Der Alleskönner unter den GameCube-Hacking-Softwares heißt „swiss“. Um diese (und somit letztendlich Homebrew-Software aller Art) zum Laufen zu bekommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Auf ein paar möchte ich heute eingehen. 🙂

Wenn man seine Konsole überhaupt nicht modifizieren kann (oder will) gibt es die Möglichkeit eine sog. „Action Replay CD“ zu verwenden. Diese CDs sind eigentlich dafür gedacht bei Spielen zu cheaten. Allerdings kann das Action Replay auch Dateien von einer Memory Karte lesen/anzeigen. So kann dann mit Hilfe eines SD-Geckos (quasi ein „Memory Card to SD-Adapter“) swiss von einer SD-Karte gestartet werden. Mit Hilfe von swiss lassen sich dann GameCube-Spielimages von der SD-Karte laden.

Alles in allem ist das vermutlich die schlechteste Lösung. Das Handling ist eher umständlich und es gibt einige technische Einschränkungen (SD-Karte max. 2GB und FAT16 formatiert).

Fun Fact: Tatsächlich kann man (sofern man mit der „kleinen“ SD-Karte swiss gestartet hat) anschließend über das Menü auch eine größere SD-Karte (mit Platz für mehrere Spiele) einlegen. Funktioniert, ist aber alles andere als komfortabel…

Eine weitere Möglichkeit ist es einen „Game Save Exploit“ zu verwenden. Dabei wird ein modifiziertes Savegame von einem regulären Spiel („Super Smash Brothers Melee“ wird hierfür gerne verwendet) gestartet, welches es dann erlaubt Homebrew-Anwendungen (so auch swiss) auszuführen.

Dieser Weg ist – meiner Meinung nach – noch komplizierter und lässt sich nur mit bestimmten Spielen durchführen. Zusätzlich benötigt man neben einer Memory Card, einem zweiten SD-Gecko auch noch eine Wii auf welcher bereits Homebrew ausgeführt werden kann – uff! 😀 Ich denke das sparen wir uns, da will ich gar nicht weiter drauf eingehen…

Die vermeintlich beste Möglichkeit die GameCube zu tunen, ist diese mit einem „GC-Loader“ auszustatten. Der GC-Loader ist ein Laufwerksemulator, welcher das Mini-DVD-Laufwerk durch einen SD-Kartenleser ersetzt. Vorteil einer GC-Loader-Lösung ist, dass die Ladezeiten auf ein absolutes Minimum verringert werden und das emulierte Laufwerk eine nahezu perfekte Kompatibilität zu allen Spielen bietet. Allerdings muss man auch sagen, dass alleine die benötigte Platine samt Flachbandkabel schon 85€ kostet und man für den Einbau löten muss.

An sich ist das Teil eine tolle Sache aber mir persönlich gefällt der GC-Loader nicht so gut, weil man letztendlich seinen GameCube damit der Möglichkeit beraubt, Discs abzuspielen. Wenn man so weit geht, dann könnte man meiner Meinung nach gleich die GameCube-Spiele auf einer gehackten Wii oder über einen Emulator auf dem PC spielen.

Fun Fact: Bei einem NES würde man ja auch nicht auf die Idee kommen den Modulport durch einen emulierten Port mit USB-Anschluss zu ersetzen. Das Ding gehört einfach zu der Konsole dazu! 🙂

Die wohl verbreitetste Methode die GameCube zu hacken, ist diese mit einem Modchip zu tunen. Das vermutlich populärste Modell ist der „Xeno GC“. Dieser Chip klinkt sich direkt in die Steuerung des DVD-Laufwerks ein und modifiziert dessen Software zur Laufzeit. Auf gut Deutsch: Damit können gebrannte DVDs abgespielt werden. Diese Funktion kann man sich zu Nutze machen, denn durch den Chip kann die GameCube nicht nur gebrannte Spiele sondern auch die Software swiss von Mini-DVD abspielen!

Fun Fact: Wer zu viel Zeit und das richtige Werkzeug hat, kann sich den Chip auch selbst basteln. Das lohnt sich aber meiner Meinung nach bei Preisen rund um fünf Euro für den fertigen Modchip nicht! 😀

Warum reite ich so auf dem Chip herum? Wie es der Zufall will, ist meine indigofarbene GameCube bereits mit einem XenoGC-Chip ausgestattet! Und ich habe doppelt Glück: Der Vorbesitzer hat auch bereits eine DVD mit halbwegs aktueller swiss-Version dazu gelegt. Das trifft sich gut, denn ich hätte gar keinen passenden Rohling parat gehabt! 😀

Damit wir mit Hilfe von swiss auch GameCube-Spiele laden können, benötigen wir natürlich noch eine (Micro-)SD-Karte mit Spielimages. Da die GameCube keinen SD-Kartenslot hat, benötigen wir einen entsprechenden Adapter. Neben dem SD-Gecko gibt es mittlerweile eine weitere Lösung, das SD2SP2. Technisch sind beide Varianten gleich zu sehen, allerdings bietet die SD2SP2-Platine den Vorteil, dass der zweite Memory-Card-Steckplatz nicht belegt wird und für weitere Peripherie verwendet werden kann.

Das SD2SP2 wird auf der Unterseite der Konsole in den zweiten seriellen Port eingesteckt. Hierfür muss die „Serial Port 2“ Abdeckung entfernt werden. Aber keine Sorge, sobald die Platine eingesteckt ist, kann der Deckel wieder aufgeklipst werden – coole Lösung! 🙂

Hat man einen Game Boy Player montiert, muss dieser natürlich zuerst abgenommen werden. Dabei fällt mir ein: Beim letzten Mal habe ich vergessen zu erwähnen, dass der Game Boy Player auf der Vorderseite einen EXT-Port besitzt. Damit lassen sich über ein Link-Kabel weitere Game Boy Advance-Systeme anschließen und z.B. Pokémon tauschen – Nostalgie! 🙂

Fun Fact: Beim Abnehmen des Game Boy Players ist mir aufgefallen, dass das Teil an der Seite einen „Eject-Button“ hat. Damit lassen sich eingesteckte Spiele einfach herauspoppen, fast so wie der Eject-Knopf auf dem Supernintendo – cool! 🙂

Bevor wir die Micro-SD-Karte verwenden können, müssen wir diese erst mit ISO-Images der Spiele bestücken. Glücklicherweise erwartet swiss hier keine Ordnerstruktur und auch keine spezielle Namenskonvention.

Fun Fact: Die Images der Spiele habe ich bereits vor einigen Jahren als Sicherheitskopien meiner originalen GameCube-Spiele erstellt. 1996 war es allerdings nicht, ich bin mir nicht sicher wie das falsche Datum in die Dateien gekommen ist! 😀

Puh, das war eine lange Einführung. Jetzt wollen wir doch mal sehen, was sich mit swiss nun alles anstellen lässt! 🙂

Also GameCube anschalten und swiss DVD einlegen…

Na, das sieht doch schon mal gut aus, die Images werden sofort von swiss erkannt und können (wenn gewünscht sogar noch mit individuellen Parametern) gestartet werden.

Fun Fact: Dank dem Xeno-Chip ist unsere Konsole auch „regionfree“, somit können wir auch Spiele aus Übersee ohne Probleme abspielen – cool! 🙂

Zeit, einen ersten Versuch mit „Luigis Mansion“ zu wagen! Das erste Spiel in dem der Bruder des allseits beliebten rotkappigen Klempners als Protagonist auftritt und auf Geisterjagd geht. Was mir sofort auffällt: Die Ladezeiten sind im Vergleich zum originalen Spiel von DVD wesentlich kürzer. Sehr schön! 🙂

Zur Sicherheit (oder weil ich gerade Lust darauf hatte) habe ich noch ein zweites Spiel getestet: „Super Monkey Ball“. Das vermeintlich einfache Spielprinzip (vergleichbar mit einem Kugellabyrinth) hat einfach etwas und ich befürchte, wenn ich nicht schnell den Controller beiseitelege, verliere ich mich in dem Spiel für ein paar weitere Stunden. 😀

Neben der Möglichkeit (gebrannte) Sicherheitskopien von GameCube Spielen zu spielen, gibt es auch weitere Homebrew-Anwendungen, welche mit swiss gestartet werden können. So wurden zahlreiche bekannte Emulatoren (NES, SNES, Sega Systeme, …) für die GameCube portiert. Um diese zum Laufen zu bringen, müssen die entsprechenden Anwendungen mit auf die Micro-SD-Karte kopiert werden.

Anschließend kann man die DOLs (so heißen die ausführbaren GameCube-Programme) via swiss starten.

Ich habe mir die einzelnen Emulatoren angesehen, leider lassen diese performancetechnisch doch sehr zu wünschen übrig. Vielleicht könnte man mit irgendwelchen Einstellungen noch einiges optimieren, aber hier weiter nach den Ursachen zu forschen macht einfach keinen Sinn. Da gibt es heutzutage wesentlich bessere Alternativen (z.B. auf der Wii, Xbox360, dem PC oder einem Raspberry Pi mit Retropie) um die Klassiker zu spielen…

Fun Fact: Hier im Bild „Mega Man 2“ für den NES. Selbst das lief nicht optimal! 😦

Kommen wir abschließend nochmal zu dem Game Boy Player zurück. Ein riesiges Problem dieses tollen Stück Hardware ist, dass heutzutage meist die beiliegende DVD mit der benötigten Software verloren gegangen ist. Selbst der Player kostet schon um die 50€, aber mit DVD (teils noch ohne Hülle) wird er schon jenseits der 100€ verkauft – Wahnsinn! Da bin ich ja fast froh, dass ich mein Modell (samt DVD) bereits vor einigen Jahren für 35€ gekauft habe (und selbst das kam mir damals schon eher teuer vor) …

Doch auch hierfür gibt es Abhilfe. Dank swiss (im Zusammenspiel mit einer weiteren Homebrew-Anwendung Namens gbi) können wir es uns sparen die originale Startdisc zu verwenden. Die Software „Game Boy Interface“ bietet einen wesentlich erweiterten Funktionsumfang (bei besserer Performance) als die offizielle Lösung von Nintendo. Gerade beim Thema „Input Lag“ (also wenn das Spiel verzögert auf die Eingaben des Spielers am Controller reagiert) hat das Game Boy Interface im Vergleich zur offiziellen Software deutlich nachgebessert.

Damit das klappt, müssen die Anwendungsdateien heruntergeladen und mit auf die Micro-SD-Karte gepackt werden.

Anschließend kann man gbi über swiss starten. Zum Testen habe ich wieder das „Minish Cap“-Modul aus Artikel 96 verwendet.

Fun Fact: Ich habe keine Ahnung wieso die Spielstände so komisch heißen. Ich weiß nur, dass „Lonk“ scheinbar das Spiel am längsten gespielt hat! xD

Auch hier lässt sich das Spiel auf Vollbild zoomen. Das Spiel läuft flüssig ab und auch beim Sound gibt es keine Aussetzer (wie bei originaler Software manchmal der Fall). Geiler Scheiß! 😉

So, ich denke damit haben wir uns lange genug mit dem GameCube beschäftigt. Ich denke es wird Zeit die Konsole hinter sich zu lassen. Hm, oder vielleicht doch noch einen kleiner Abstecher nach „Paper Mario: Die Legende vom Äonentor“ wagen? Immerhin gibt es eine ganze neue Welt rund um die Hafenstadt Rohlingen zu erkunden… 🙂

In diesem Sinne – Ich bin dann mal weg… Cya!

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