#94 – SNES Tristar

In den Artikeln 29, 30 und 31 haben wir uns ja schon mit der „Super Wild Card“ beschäftigt, einem merkwürdigen Zubehör für den Supernintendo, welches es ermöglicht Sicherheitskopien auf Diskette zu erstellen und abzuspielen.

Für unseren heutigen Ausflug in die Vergangenheit habe ich ein weiteres kurioses AddOn für das SNES mitgebracht – den „Tristar“.

Fun Fact: In amerikanischen Gefilden wurde der Tristar-Adapter „Super 8“ genannt.

Merkwürdiges Teil – wofür das wohl gut ist? Nirgendwo finden sich Daten über einen Hersteller und auch das Auftreiben einer halbwegs brauchbaren Anleitung gestaltet sich sehr schwierig. Auf der Rückseite findet sich eine Buchse zum Anschluss des Geräts an den TV. Ebenso führt ein Kabel mit einem „Nintendo-Stecker“ aus dem Inneren des Geräts nach draußen. Die Buchse zum Anschluss eines Antennenkabels können wir hoffentlich getrost ignorieren… 🙂

Fun Fact: Tatsächlich benötigt der Tristar im Vergleich zur Super Wild Card keine externe Stromversorgung – nice! 🙂

Auf der Unterseite befindet sich der Port, mit welchem das Teil in den Supernintendo gesteckt wird.

Fun Fact: Ich musste das Gerät (vor allem die Modulports) erst mal gut eine halbe Stunde mit Wattestäbchen und Isopropanol überreden, dass es ein paar Module frisst. Kein Vorwurf, immerhin ist das Gerät von 1993 und hat somit schon knapp drei Jahrzehnte auf dem Buckel! 😀

Die grundsätzliche Idee des Tristars ist es, dem Spieler die Möglichkeit zu geben NES-Spiele auf dem SNES zu spielen. Aus diesem Grund besitzt das Gerät auch drei Modulslots auf der Oberseite:

Fun Fact: Nintendo hat das gleiche Prinzip mit dem Super Game Boy umgesetzt. Damit lassen sich Game Boy Spiele auf dem SNES spielen, doch dazu vielleicht mehr in einem weiteren Blogartikel! 😉

Hä? Aber wieso drei, wenn der Adapter doch nur für NES- und SNES-Spiele gedacht ist? Im Endeffekt gibt es einen Port für Supernintendo-Spiele (der untere) sowie zwei weitere für NES-Spiele (oben und in der Mitte). Und warum gibt es für NES-Spiele unterschiedliche Ports? Das liegt an den unterschiedlichen Formen von europäischen/amerikanischen NES-Modulen im Vergleich zu den japanischen NES-Modulen (auch Famicom-Module genannt). Da ich keine Famicom-Modul besitze, ist es praktisch, dass einer der beiden NES-Slots (der obere) über eine Klappe abgedeckt werden kann.

Fun Fact: Die unterschiedlichen Modulformen von SNES-Spielen aus aller Welt (und die dazugehörigen „Herausforderungen“) haben wir ja bereits in Artikel 31 kennengelernt.

Puh, klingt das alles langweilig. Keine Angst, bevor der Artikel in eine langweilige Theoriestunde ausartet, wird es Zeit für die Praxis. Um den Tristar anzuschließen, benötigen wir natürlich erstmal einen Supernintendo.

Fun Fact: Das ist tatsächlich noch die gleiche alte (und vor allem vergilbte) Konsole aus Artikel 29! 😀

Der Tristar wird einfach in den Modulslot des SNES gesteckt…

… und auf der Rückseite über das AV-Kabel nochmals mit der Konsole verbunden. Aus technischer Sicht erklärbar, aber aus „Kunden-Sicht“ absolut unverständlich, wieso man den Adapter mit einem weiteren Kabel mit der Konsole verbinden muss, obwohl doch dieser schon in der Konsole drinsteckt! 😉

Jetzt müssen wir nur noch ein Spiel einstecken und schauen, ob das Teil auch funktioniert. Fangen wir einfach an – mit einem SNES-Spiel. Testweise habe ich mich für „Starwing“ entschieden.

Fun Fact: Das Spiel ist nur in Europa unter dem Namen „Starwing“ erschienen. Im Rest der Welt kennt man den Titel als „Star Fox“. Nintendo hat sich zu dem Schritt entschieden, weil es in Deutschland eine Firma namens StarVox gibt und man Verwechslungen (und einen Markenrechtsstreit, welcher die Veröffentlichung des Spiels hätte gefährden, bzw. nach hinten schieben können) vermeiden wollte.

Nach dem Einschalten der Konsole erscheint das Auswahlmenü des Tristar. Man kann nicht sagen, dass man mit Optionen überhäuft wird, denn tatsächlich kann man sich hier nur zwischen 8-BIT (NES) oder 16-BIT (SNES) entscheiden. Wir entscheiden uns logischerweise für „16-BIT“:

Fun Fact: Pro Tipp 1 – Hält man beim Starten der Konsole den „Y“-Knopf auf dem SNES-Controller gedrückt, wird direkt das eingesteckte SNES-Spiel gestartet.

Merkwürdig – es ertönt zwar der Sound, aber es ist kein Bildsignal sichtbar. 😦 Um sicherzugehen, dass es nicht ggf. an dem Spiel selbst liegt, habe ich ein weiteres „World League Basketball“ eingesteckt:

Und tatsächlich, das eingesteckte SNES-Spiel wird abgespielt. Gut, im Endeffekt ist das noch kein Hexenwerk, denn es wird lediglich das Composite-Signal von der Konsole durch das Gerät durchgeschliffen und an einen angeschlossenen TV ausgegeben.

Fun Fact: Keine Angst, wir kommen im Lauf des Artikels noch drauf, wieso „Starwing“ nicht funktioniert hat! 😉

Viel spannender ist doch die Frage, ob man mit dem Teil tatsächlich NES-Spiele auf dem Supernintendo abspielen kann. Also, schnell das SNES-Modul aus- und ein NES-Modul einstecken. Als Testobjekt habe ich mich für den Klassiker „Mega Man 2“ entschieden! 😉

Doch was ist das? Leider bleibt nach dem Einschalten der Konsole der Bildschirm schwarz. Ich vermute mal es liegt daran, dass der Lockout-Chip der SNES-Konsole nur überlistet werden kann, wenn auch ein Lockout-Chip eines SNES-Spiels als Gegenstück im Modulschacht erkannt wird. Durch das eingesteckte NES-Modul alleine kann die Konsole das nicht verifizieren und verweigert den Dienst. Immer diese nervigen Sicherheitsmechanismen… 😉

Mit zusätzlich eingestecktem SNES-Modul startet die Konsole tatsächlich wieder und man kann dementsprechend die Auswahl „8-BIT“ (für das NES-Spiel) treffen:

Fun Fact: Pro Tipp 2 – Hält man beim Starten der Konsole den „B“-Knopf auf dem SNES-Controller gedrückt, wird direkt das eingesteckte NES-Spiel gestartet.

Tja, kaum macht man es richtig, geht’s auch! 😛 Spätestens als die ikonische Titelmelodie ertönt, bin ich überzeugt – das Spiel läuft ohne Probleme! 🙂

Soweit so gut. Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob der Tristar auch mit einem amerikanischen NTSC-Modul klarkommt. Um das zu testen, habe ich eine amerikanische Version von „Contra“ in den Modulschacht gepackt:

Fun Fact: Tatsächlich gibt es ausschließlich amerikanische (NTSC) Versionen von Contra. In Europa ist das Spiel erst drei Jahre später unter dem Namen „Probotector“ erschienen. Bei der Gelegenheit wurden alle menschlichen Gegner durch Roboter ersetzt – Zensur und so… 😉

Und siehe da, auch „Contra“ läuft ohne Probleme. Allerdings fällt auf, dass die Geschwindigkeit in der das Spiel läuft leider nicht ganz korrekt ist. Dieses Verhalten ist tatsächlich normal und hat nichts mit dem Tristar zu tun. Der Geschwindigkeitsunterschied hängt mit der jeweils für das Spiel verwendeten Fernsehnorm, also PAL in Europa mit 50HZ und NTSC in Amerika und Japan mit 60HZ zusammen. Nicht ideal, aber um aus der Nummer herauszukommen bräuchte man ein amerikanisches SNES und ein amerikanisches Tristar-Modell – nein danke! 😉

Fun Fact: Einige PAL-Spiele wurden extra angepasst, um auch auf PAL-Konsolen in der ursprünglich programmierten Geschwindigkeit zu laufen. Andere nicht. So ist die Welt! 😀

Eigentlich könnte man jetzt echt zufrieden sein, aber es gibt ein paar Kleinigkeiten die mich stören. Zum einen würde mich interessieren, warum das Spiel „Starwing“ nicht funktioniert hat? Nach langer Recherche bin ich auf einer sehr alten Webseite tatsächlich fündig geworden. Ich erspare euch die technischen Details, aber im Endeffekt liegt es daran, dass ein offener Kontakt auf der Modul-Connector-Platine überbrückt werden muss. Um da was dran zu ändern müssen wir das gute Stück erst mal aufschrauben.

Die Platine sitzt recht eng in dem dunkelgrauen Unterteil und man muss aufpassen, dass man ja nicht aus Versehen etwas abbricht. Hat man das gute Stück erst mal aus dem Gehäuse entfernt, kann man sich der Unterseite samt Modul-Connector widmen.

Dort fällt sofort der offene Kontakt am Pin ganz links auf – den gilt es zu überbrücken. Alles kein Problem, mit einem kleinen Stück Draht und etwas Lötzinn lässt sich die Lücke leicht schließen. Zuvor habe ich noch die grüne Schutzbeschichtung etwas angekratzt um leichter auf die Metallpunkte zu löten.

Ob unsere erste Modifikation bereits zum gewünschten Ergebnis führt? Probieren wir es gleich nochmal mit „Starwing“.

Das sieht schon viel besser aus. Jetzt läuft auch das Spiel ohne Probleme! 🙂 Und warum ging jetzt nur Starwing nicht? Die meisten SNES-Spiele verwenden nur die inneren Pins, aber es gibt einige wenige Titel mit speziellen Chips (z.B. der Super FX-Chip für erweiterte Möglichkeiten 3D-Grafiken darzustellen) welche auch auf die Pins ganz außen zurückgreifen. Werden diese nicht durchgängig zur Konsole geführt, kommt es zu Fehlern (wie einem schwarzen Bild in unserem Fall).

Na, das hat ja gut geklappt. Mal überlegen, was gibt es noch an dem Teil zu optimieren. Achja, da wären natürlich noch die störenden vertikalen weißen Streifen, welche man gerade bei einem dunklen Hintergrund gut erkennen kann. Diese sind nur im „NES-Modus“, hier am Beispiel von Mega Man 2, sichtbar:

Fun Fact: Ich habe im rechten Teil des Bilds die Helligkeit etwas erhöht, damit man die weißen Streifen besser sieht. „In Echt“ (also auf einem Monitor oder Fernsehbildschirm) kann man die störenden Streifen definitiv erkennen.

Auch hierfür haben clevere Bastler einen einfachen Fix gefunden. Letztendlich benötigen wir lediglich einen 1000uF Elektrolytkondensator, welchen wir an einer bestimmten Stelle (links oben) auf dem Mainboard verlöten. Gesagt, getan! 🙂

Fun Fact: Ich habe keine Ahnung warum der (unbekannte) Hersteller auf diesen Kondensator verzichtet hat (obwohl er ja scheinbar mal vorgesehen war). Vielleicht hängt es wieder mit dem ganzen NTSC- und PAL-Thema zusammen – ich will gar nicht drüber nachdenken… 😀

Und tatsächlich – mit verlötetem Kondensator sind die weißen Streifen weg und das Bild wirkt definitiv klarer – sehr geil! 🙂

Fun Fact: Zum Vergleich oben im Bild der Stand vorher (links normal, rechts mit erhöhter Helligkeit) und darunter das Ergebnis mit Kondensator (links normal, rechts mit erhöhter Helligkeit). Nicht perfekt, aber ich denke es ist doch eine klare Verbesserung! 🙂

So, abschließend sollten wir uns noch um eine Sache kümmern: Es wäre natürlich schön, wenn man den Tristar im Zusammenspiel mit einem NES-Modul nutzen könnte ohne dass ein SNES-Spiel eingesteckt sein muss. Ich habe die Thematik ja bereits beleuchtet und vermute, dass es an dem blöden Lockout-Chip-Verfahren liegt. Tatsächlich haben die Entwickler des Tristars wohl auch hier mal eine Lösung geplant gehabt, denn auf der Platine gibt es einen nicht genutzten Sockel für einen Chip – nur blöd, dass da kein Chip drinsteckt! 😀

Über ein altes Forum habe ich herausgefunden, dass man angeblich einen „PAL-CIC“ (so heißt der europäische Lockout-Chip, welcher in Supernintendo-Spielen verbaut ist) einfach in den Sockel stecken kann. Damit sollte die Konsole den Tristar als offizielles SNES-Modul verifizieren können und NES-Spiele „solo“ abspielen können. Ob das auch klappt? Mit eingebautem Chip sieht das definitiv schon mal viel besser aus… 🙂

Fun Fact: Eins kann ich euch sagen – es war gar nicht so einfach so einen geeigneten Chip aufzutreiben, da ich es zum einen einfach nicht übers Herz gebracht habe ein originales SNES-Modul dafür zu opfern und andererseits auch nicht die richtigen Werkzeuge hätte den alten Chip zu entlöten. Gott sei Dank bin ich in einem Spezialshop für Videospielkram samt diverser Moddingservices fündig geworden. Der Eigentümer (siehe Blog hier) ist sehr nett und hat mir für wenige Euro so einen Chip zugesendet. 🙂

Ein letzter Test ohne eingestecktes SNES-Spiel, dafür aber mit dem NES-Klassiker „Ninja Gaiden“:

Bingo – funktioniert einwandfrei! 🙂 Meine persönliche Vermutung ist, dass die Chinesen genau wussten, was sie taten, als sie den Tristar entwickelt haben. Letztendlich haben sie durch das Design dem Nutzer alle Möglichkeiten gelassen. Auch der nicht verbaute CIC macht Sinn, denn sie konnten ja schlecht einen offiziell exklusiv für Nintendo entwickelten „Kopierschutz-Chip“ verbauen! 😀 Generell hat das Gerät etwas „Dubioses“ an sich, da auch alle anderen verbauten Chips abgefeilt/abgeschliffen wurden, um die technischen Schaltungen des Zubehörs zu verbergen – mysteriös! 🙂

Tja, was gibt es abschließend über das Teil zu sagen? Ich mag es! 🙂 Definitiv ein Gerät seiner Zeit mit vielen Modifikationsmöglichkeiten. Heutzutage gibt es sowas einfach nicht mehr. Stellt euch mal vor, ein unbekannter Hersteller (nicht Sony) würde ein AddOn für die PS5 rausbringen, welches es euch ermöglicht PS1-PS3-Spiele auf der Konsole abzuspielen. Die würden in Klagen ersaufen! 😀

So, bitte entschuldigt mich, ich muss mich jetzt wieder Ryu Hayabusa widmen und ihn auf seiner epischen Suche nach Rache für den Tod seines Vaters begleiten… 😉

In diesem Sinne – stay retro! 😉

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