#81 – Sega Mega Drive

„Sega does what Nintendon’t“ – das war der ikonische Werbeslogan mit dem Sega Anfang der Neunziger einen Angriff auf Marktführer Nintendo startete. Das „Sega Mega Drive“ (in USA „Sega Genesis“) sollte der Konkurrent zum Supernintendo (SNES) werden. Was ist das Mega Drive? Ist es sein Geld wert? Und warum liegt hier eigentlich Stroh rum? ( 😀 ) All diese Fragen werden wir versuchen heute zu beantworten!

Im Vergleich zum Master System aus Artikel 78 ist die Geschichte diesmal eine andere. Das Mega Drive mit folgendem Zubehör habe ich für wenige Euros auf eBay erstanden:

Der Verkäufer hat das gute Stück als defekt verkauft, weil er es (dank fehlendem Anschlusskabel für den PC sowie Controller) nicht testen konnte. Na, da wollen wir mal sehen, ob wir den alten Mega Drive wieder etwas Leben einhauchen können! 🙂

Bevor es losgeht, möchte ich einen kurzen Blick auf die Konsole werfen. Diesmal fällt unsere „Inspektion“ jedoch eher kurz aus, denn das Mega Drive ist im Vergleich zum Master System relativ ähnlich aufgebaut. Als Besonderheit ist vielleicht der Kopfhöreranschluss und dessen Lautstärkeregler auf der Oberseite der Konsole zu erwähnen.

Auch auf der Rückseite finden sich die gängigen Anschlussmöglichkeiten. Schön ist, dass das Mega Drive von Haus aus ein RGB-Signal über A/V-Out bietet. Ich selbst besitze die erste Version der Konsole, später folgten weitere Revisionen welche technisch und optisch aus Kostengründen etwas überarbeitet wurden.

Auf der Unterseite der Konsole finden sich einige Angaben zum Modell. So kann man anhand der Seriennummer z.B. das Herstellungsjahr ablesen – meine Konsole ist von 1992! 🙂

Im Vergleich zum Master System hat das europäische Mega Drive leider kein Spiel fest verbaut.

Fun Fact: Unter der Klappe rechts befindet sich ein ExpansionPort welcher für Peripheriegeräte wie z.B. das Sega Mega-CD Add-on verwendet wurde.

Damit wir die Sega auch tatsächlich zum Fliegen bekommen, habe ich mir ein RGB-Kabel sowie zwei Controller (hier ist nur einer abgebildet) gegönnt. Im Vergleich zu den Controllern des Master Systems waren diese einfacher (und günstiger) aufzutreiben – scheint einfach noch mehr davon zu geben… 🙂

Nachdem ich alles angestöpselt habe…

 …wollen wir doch mal sehen, ob die Konsole läuft. Hm, leider bleibt die Power-LED nach Betätigen des Einschaltknopfes dunkel – kein gutes Zeichen! 😦

Allerdings wirkt der Knopf auch zugegeben sehr wackelig. Wenn wir Glück haben ist es „nur“ ein mechanisches Problem…

Ich denke, wir kommen nicht drum herum die Konsole mal aufzuschrauben um nach dem Rechten zu sehen. Das geht glücklicherweise sehr einfach, denn das Gehäuse wird nur durch sechs Schrauben auf der Unterseite gehalten.

Tatsächlich scheint es so zu sein als wäre die Platte, welche den Plastik-Knopf in seiner Position hält, etwas verbogen. Dadurch bekommt man keinen Kontakt mit dem darunterliegenden Schalter, egal wie oft man den Knopf hin- und herschiebt. 😀

Nichts, was sich nicht mit etwas Sekundenkleber lösen lässt! 😉

Nachdem ich das Mega Drive wieder zusammengeschraubt habe sollten wir jetzt aber hoffentlich mehr Erfolg haben, oder?

Sieht gut aus – nun ja, der Bildschirm bleibt schwarz aber zumindest leuchtet schon mal die Power-LED! 🙂

Ich denke, damit was passiert benötigen wir Spiele. Auch beim Mega Drive kommen ROM-Cartridges mit bis zu 4 MB (üblicherweise irgendwas zwischen 512 kB – 2048 kB) Speicherplatz zum Einsatz.

Gut, dass in dem Paket zwei Spiele dabei waren:

Fun Fact: Die meisten Module wurden von Sega hergestellt und waren somit in ihrer Größe und Form genormt, aber einige wenige wurden extern – mit unterschiedlichen Modulformen – gefertigt. Ein gutes Beispiel ist „Micro Machines“ von Codemasters.

Und siehe da – sobald wir ein Spiel einstecken bekommen wir auch das ikonische Sega-Logo (wenn auch ohne Sound) zu Gesicht!

Wenige Augenblicke später wird dann auch der Titelbildschirm von „Mr. Nutz“ angezeigt:

Der Controller funktioniert auch einwandfrei und wir können Mr. Nutz auf seiner Mission, den bösen Yeti Mr. Blizzard daran zu hindern die Weltherrschaft zu übernehmen, begleiten. 😀

Grafisch nehmen sich die Spiele im Vergleich zu ihren Gegenstücken auf dem Supernintendo kaum etwas. Was den Sound angeht, gibt es definitiv Unterschiede. Ein klar besseres Gerät hier zu definieren ist meiner Meinung nach nicht möglich, denn jede Konsole hat ihren eigenen Charme. Während die Musik auf dem Mega Drive bei elektronischen oder rockigen Themes punktet setzt das SNES mehr auf orchestrale Samples und spielt hier ganz klar seine Stärken aus.

Auch das andere Spiel, welches bei der Konsole mit dabei war läuft einwandfrei. „Micro Machines“ kenne ich tatsächlich noch aus meiner Kindheit (damals allerdings auf dem PC) – gerade im Zweispieler-Modus macht der Fun-Racer richtig Laune. 😀

Fairerweise möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass Micro Machines etwas „Überredungskunst“ in Form einer Kontaktreinigung mit Isopropanol und Wattestäbchen gebraucht hat. 😉

Fun Fact: Auch heute noch wird die Serie rund um die kleinen Spielzeugfahrzeuge fortgesetzt. So erschien z.B. 2017 ein neuer Titel namens „Micro Machines World Series“.

So, was gibt es über das Mega Drive noch zu sagen? Achja – Add-ons! 😉

Sega war sehr kreativ und versuchte mit Add-ons die Marktposition ihres Mega Drives zu festigen, bzw. neuere Technologien mit dem Mega Drive kompatibel zu machen. Da die CD-Technologie der aufstrebende Stern am Datenträger-Himmel war erfand man kurzerhand das „Sega Mega-CD“, ein Stück Hardware, welches in den Expansionport des Mega Drives gesteckt wurde und das Abspielen CD-basierter Titel (Sega CD Spiele) ermöglichte.

Fun Fact: Das Sega Mega-CD Add-on gab es in unterschiedlichen Formen. Neben je einer Version für das erste sowie das zweite Mega Drive gab es auch das „Sega Multi-Mega“ (im Bild rechts), welches die Funktionen des Mega Drive und des Mega-CD in einem Gerät vereinte. Alle drei Versionen sind leider technisch sehr fragil und heutzutage unbezahlbar.

Ein klarer Vorteil der CD-Technologie war, dass Spiele nun nahezu 320-fach so groß wie auf einer Cartridge sein konnten. Als Resultat entstanden viele Spiele welche auf „FMV“ (full motion video) Technologie mit speicherfressenden Videosequenzen setzten.

Einige Titel wie z.B. „Snatcher“ oder „Night Trap“ konnten mit dem neuartigen Gameplay (mehr „Film gucken“ als tatsächlich spielen) punkten, jedoch wurde ein Großteil der Spiele auf Grund von fehlender Spieltiefe von Kritikern zerrissen. Meist zurecht, denn in einigen Fällen wurde lediglich die Mega Drive hergenommen und um ein paar Videosequenzen ergänzt. Ebenso waren die gefühlt nie enden wollenden Ladezeiten absolut inakzeptabel.

Besser dagegen wurden traditionellere Spiele, welche FMVs nur als Zugabe und den zusätzlichen Speicherplatz für Gameplayelemente und Leveldesign einsetzten, wie z.B. „Sonic CD“ oder „Lunar: Eternal Blue“, angenommen.

1994 brachte Sega dann noch ein weiteres Add-on für das Mega Drive, das „Sega 32X“ heraus. Ziel war es, das alte Mega Drive damit von einer 16- in eine 32-Bit-Konsole umzuwandeln. Die pilzförmige Hardware wurde in den Modulslot des Mega Drive gesteckt und bot einen größeren Farbraum und zwei weitere Soundkanäle. Laut Sega ist der Prozessor 40 Mal schneller als beim Mega Drive. Das Sega 32X verwendete eigene Module mit einer Größe von ca. 2MB – 4MB, konnte aber auch die alten Mega Drive Module abspielen.

Technisch gesehen war das 32X der parallel erschienenen Sony Playstation unterlegen und selbst aus dem eigenen Hause gab es in Form des „Sega Saturn“ Konkurrenz. Die mageren ca. 30 erschienenen „32X-Spiele“ waren einfallslos und trugen nicht gerade zum Erfolg bei. So waren die Verkaufszahlen gering und das 32X wird von vielen Seiten als Segas größter (finanzieller und technischer) Flop bezeichnet.

Aus welchem Grund auch immer entschied man sich bei Sega sogar ein paar „CD 32X“-Spiele zu veröffentlichen, welche beide Add-ons (Sega Mega-CD und 32X) benötigen. Der Sinn dahinter erschließt sich mir nicht – wozu Zeit und Geld in die Produktentwicklung stecken, wenn es kaum Kunden gibt, welche die Konsole samt beider Add-ons besitzen?

Fun Fact: Als Krönung des Ganzen besitzt auch noch jedes Add-on sein eigenes Netzteil. Zusätzlich muss das 32X mit einem Kabel mit dem Mega Drive verbunden werden (obwohl es ja schon eigentlich in dessen Modulschacht steckt) – kein Witz! Ich kann an dieser Stelle nur den Angry Video Game Nerd zitieren: „What were they thinking?“ 😀

Doch genug gelästert, es wird Zeit für ein kleines Fazit. Insgesamt betrachtet war das Mega Drive ein würdiger Konkurrent für Nintendos SNES. Gerade in Europa hat sich die Konsole gut etabliert. Durch Segas sehr offene Politik gegenüber Third-Party-Entwicklern konnten sie in kürzester Zeit einige bekannte Franchises (Streets of Rage, Golden Axe, Outrun, Mortal Kombat, Shinobi) etablieren, voran natürlich Spiele rund um das Maskottchen Sonic. Ich persönlich finde „die Sega“ eine gelungene Konsole, auch wenn es die lächerlichen Add-ons nicht gebraucht hätte. Es gibt einige coole Spiele und auch das Design der Controller ist lobenswert! 🙂

In diesem Sinne – stay retro! 😉

Ein Kommentar zu „#81 – Sega Mega Drive

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