#59 – Pooker

Erinnert sich noch jemand an Artikel 6? Jaja, lang ist es her… 😉

Damals habe ich euch meinen Billardtisch vorgestellt und bin auf ein paar „Varianten“ des klassischen Poolbillards eingegangen. Heute möchte ich euch ein weiteres Spiel vorstellen: „Pooker“.

Pooker ist streng genommen ein erfundenes Kunstwort. Es besteht aus dem Wort „Pool“ (für Pool-Billard) und „Snooker“, da die Regeln für Pooker dem Snooker entnommen sind. Im Gegensatz zum klassischen Pool Billard wird Snooker nicht auf 8- oder 9-Fuß großen Tischen, sondern auf 12-Fuß großen Tischen mit hellgrünem Tuch und kleineren (verschiedenfarbigen) Kugeln gespielt.

Das vollständige Regelwerk von Snooker (und somit auch Pooker) ist wesentlich komplexer und bietet mehr Interpretationsspielraum. Auf alle Facetten kann (und will 🙂 ) ich da gar nicht eingehen, aber vielleicht kann ich euch diese Variante heute doch etwas näherbringen – es macht nämlich Spaß! 🙂

Um Pooker zu spielen benötigt man natürlich nicht nur den Billardtisch, sondern auch passende Kugeln. Allerdings wird hierfür nicht ein Set mit klassischen Kugeln…

…sondern ein Satz Snookerkugeln benötigt.

Fun Fact: So sauber und ordentlich sind die Kugeln sonst nicht in der Schachtel einsortiert… 😉

Allerdings sind es spezielle Snookerkugeln, welche in „Billardtischgröße“ benötigt werden. Zur Erinnerung: Die normalen Billardkugeln haben einen Durchmesser 57,2 mm und wiegen 170 Gramm, während Snookerkugeln mit 52,2 mm deutlich kleiner sind und mit 130-150 Gramm auch weniger wiegen. Mit diesen Kugeln kann man auf einem Billardtisch nicht sinnvoll spielen, da sie nicht mit den Queues und der Höhe der Banden zusammenpassen. Aus diesem Grund wird also ein spezieller Satz an großen Snookerkugeln, quasi „Pookerkugeln“ benötigt!

Hier ein Größenvergleich zwischen den Billard- und den Pookerkugeln – passt! 🙂

Bevor das Spiel starten kann müssen die Kugeln in eine definierte Position aufgebaut werden. Während die roten Kugeln als Pulk (wie beim „normalen“ Billard) aufgebaut werden, werden die farbigen Kugeln (gelb, grün, braun, blau, pink und schwarz) an bestimmten Stellen (Spots) positioniert. Jede Kugel hat dabei einen definierten Spot.

Fun Fact: Bei einem „professionellen Match“ gäbe es natürlich einen Schiedsrichter, welcher sich um den Aufbau und die Überwachung des Spielgeschehens kümmert! 🙂

Das grundlegende Spielprinzip ist einfach. Es müssen abwechselnd immer eine rote und anschließend eine andersfarbige Kugel eingelocht werden. Während die roten Kugeln in den Taschen bleiben, werden die farbigen Bälle immer wieder auf ihre Spots zurückgelegt. Versenkt man keine Kugel ist der Gegner dran. Kommt man selbst wieder an den Tisch muss man wieder mit einer roten Kugel anfangen. Durch das Einlochen von Kugeln sammelt man Punkte (siehe zu vergebende Punktzahlen im Bild), welche zum Gewinn eines Spiels (wird Frame genannt) benötigt werden.

Fun Fact: Locht ein Spieler also z.B. die Kugeln rot, schwarz, rot, blau und trifft anschließend keine weitere Rote hat er 14 Punkte gesammelt.

Soweit die Theorie – los geht es mit dem Anstoß. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass man mit dem Anstoß eine rote Kugel versenken kann, sollte man eher versuchen, dem Gegner die weiße Kugel (Spielball) möglichst „blöd“ zu hinterlassen. Das ist mir in diesem Fall eher suboptimal geglückt! 😀

So hätte ein deutlich besserer Anstoß ausgesehen. Der Gegner hat schlechte Karten eine rote Kugel anzuspielen! 🙂

Nach dem Anstoß beginnt das normale Spiel. Hierbei wird abwechselnd zuerst eine rote Kugel…

…und anschließend eine andersfarbige Kugel eingelocht. Wichtig hierbei: Die gewählte Farbe muss „nominiert“ werden. Man kann also nicht blind draufhauen und hoffen, dass irgendeine Kugel versenkt wird (das geht nur bei den roten).

Selbstverständlich gibt es auch eine „Bestrafung“, wenn man schlecht spielt. Versenkt man die weiße Kugel, trifft gar keine Kugel oder trifft nicht die aktuell anzuspielende Kugel (je nach Situation rot oder andersfarbig) ist das ein Foul. In diesem Fall ist der Gegner dran und bekommt Punkte gutgeschrieben (min. 4, max. 7 Punkte, je nachdem, welche Kugel angespielt werden muss).

Hier im Bild hätte ich z.B. die rote Kugel anspielen müssen, habe es aber (auch über Bande) nicht geschafft, weil der Weg durch die gelbe Kugel blockiert war. Das bedeutet vier Foulpunkte für meinen Gegner.

Manchmal gibt es auch Situationen in denen die Bälle so blöd liegen, dass man keine realistische Chance sieht einen einzulochen. Hier hat man die Möglichkeit eine Sicherheit (genannt „Safe“ oder „Safety“) zu spielen. Dabei versucht man es dem Gegner möglichst schwer zu machen und ihn im Idealfall zu einem Foul zu zwingen (um Foulpunkte zu ergattern). Ist dieses Safe sehr gut gelungen und der Gegner hat keine Möglichkeit einen Ball auf direktem Wege anzuspielen nennt man diese Situation einen „Snooker“ (im Bild ein sehr „knackiger“ Snooker, aus dem es schwierig wird herauszukommen).

Fun Fact: Genau darin liegt auch der größte Unterschied zwischen Pool und Snooker. Snooker – und somit auch Pooker – ist ein sehr taktisches Spiel, bei welchem viel häufiger Safetys gespielt werden. Man könnte quasi sagen, dass beim Billard der Gegner „schneller erledigt“ wird, während er beim Snooker gequält und zu eigenen Fehlern gezwungen wird! 😀

Bei jedem gescheiterten Versuch aus einem Snooker herauszukommen wird vom Schiedsrichter auch meistens ein „Miss“ ausgesprochen. Das bedeutet der Gegner bekommt nicht nur Foulpunkte gutgeschrieben, sondern er hat auch Möglichkeit den Spielball zurücklegen zu lassen, sodass man es nochmal probieren muss. Das kann so weit gehen, bis der Gegner genügend Punkte gesammelt hat um den Frame zu gewinnen – ein guter Snooker ist somit viel wert! 🙂

Fun Fact: Selbstverständlich gibt es auch Situationen, die so vertrackt sind, sodass keine realistische Chance besteht aus dem Snooker zu entkommen. In diesem Fall ist Fingerspitzengefühl vom Schiedsrichter gefragt, sodass er kein Miss ausspricht und das Spiel nach dem ersten begangenen Foul normal weiterläuft. Hier im Bild ist so eine Situation. Das Anspielen der roten Kugel ist unmöglich.

Geübte Spieler versuchen manchmal die roten Kugeln etwas auseinander zu drücken um eine Fortsetzung der Serie (auch „Break“ genannt), also die Erzielung möglichst vieler Punkte am Stück) zu ermöglichen. Dieser Versuch des Aufteilens der Kugeln wird „Split“ genannt. Hier im Beispiel wird die schwarze Kugel versenkt…

…und dabei der Haufen (Pulk) an roten Kugeln auseinandergedrückt.

Ok, und wie endet so ein Frame? Das ganze Spiel geht so lange, bis keine der 15 roten Kugeln mehr auf dem Tisch sind. Als Abschluss des Frames beginnt das „Spiel auf die Farben“. Hierbei müssen die restlichen sechs Kugeln in der Reihenfolge ihrer Wertigkeit (zuerst gelb, zuletzt schwarz) gelocht werden. Jede versenkte Kugel wird natürlich auch auf dem Punktestand berücksichtigt.

Fun Fact: Selbstverständlich kann ein Frame aber auch vorher vorbei sein, wenn ein Spieler genügend Punkte gesammelt hat. „Genügend“ ist dann erreicht, wenn der Spieler mit der noch maximal verbleibenden möglichen Restanzahl an zu erzielenden Punkten auf dem Tisch (8*<Anzahl der restlichen roten Kugeln> + 27) den Punktestand des Gegners nicht mehr aufholen kann.

Spätestens, wenn die letzte schwarze Kugel versenkt wurde ist der Frame vorbei und die Kugeln werden wieder vollständig aufgebaut. Ein Spiel besteht meist aus mehreren Frames. Bei ungeübten Teilnehmern kann sich sowas dann schon mal über mehrere Stunden hinziehen! 😉

Ich denke damit sollten wir es bei dem kurzen Einblick in die Snooker-Welt belassen. Es gibt noch zahlreiche Ausnahmesituationen und Extra-Regeln auf die ich an dieser Stelle verzichte, es war so schon verwirrend genug.

In diesem Sinne, bis die Tage und „gut Stoß“, wie man im Billardjargon zu sagen pflegt! 🙂

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