#39 – Doctor V64 – V – multimedia

So, heute wollen wir uns ein letztes Mal mit dem Doctor V64 beschäftigen und das Thema ein für alle Mal hinter uns lassen. Durchhalten – ihr habt es fast geschafft! 😉

Was gibt es überhaupt noch zu sagen? Wir haben uns angesehen wie Spiele gestartet, gespeichert und gedumpt werden können. Gibt es etwa noch versteckte Funktionen, die uns der Doctor V64 bisher vorenthalten hat? Die gibt es in der Tat! So besteht z.B. die Möglichkeit neben einem Systemtest auch die beiden RAM-Module auf Fehler prüfen zu lassen. Ebenso können bereits in den RAM geladene Spiele zum PC übertragen werden.

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Allerdings möchte ich heute weniger auf die noch nicht erklärten Menüpunkte eingehen, sondern vielmehr zwei „Multimedia-Funktionen“ des Doctor V64 vorstellen. Denn neben dem Abspielen von N64-Spielen lassen sich angeblich auch Audio- und Video-CDs abspielen. Na das sollten wir schleunigst überprüfen! 😉

Fun Fact: Offiziell wurde das Gerät sogar als VCD-Player vertrieben, weil Nintendo einen Vertrieb als „Backup-Device“ für N64-Spiele in den USA der Firma Bung gerichtlich untersagt hat! Durch die Deklarierung als „Multimediagerät“ konnten nebenbei noch amerikanische Zollbestimmungen umgangen werden – krasse Taktik! 😀

Beginnen wir mit der Audio-CD. Hier habe ich zum Testen ein ganz schönes Exemplar – direkt aus den Neunzigern! 😉

Fun Fact: Kein Scherz – die CD riecht tatsächlich nach „Jungel“ wenn man an ihr reibt – krass! 😀

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Und siehe da, der Doctor V64 „schluckt“ die CD einwandfrei und spielt „Tarzan and Jane“ ohne Probleme ab. Mann das waren noch Zeiten! 😉

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Was das Audiosignal angeht, wird das Gerät im Übrigen mit sogenannten „surround sound modes“ Angeboten. Zur Auswahl stehen Mono (auf beide Kanäle gedoppelt), By Pass (einfaches Durchschleifen von L- und R-Kanal) sowie ein „angereichertes“ Stereo-Signal. Der Hersteller verspricht bei letzterem „the addition of an stereophonic surround-sound effect“. Für mich hört es sich fast so an als würden einige Kanäle verstärkt, bzw. überlagert werden. Ebenso ist etwas Hall dazugekommen. Das passt zu einigen Liedern besser als zu anderen, definitiv ein lustiges Gimmick. 😀

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Und wie sieht es mit Video-CDs aus? Um das zu testen, bräuchten wir jetzt erst mal eine Video-CD. Leider besitze ich noch keine originale VCD, also werde ich für diesen Test wohl erst eine erstellen müssen. Doch wie brennt man überhaupt Video-CDs? Nun, zuerst Mal benötigt man eine Videodatei, welche nicht länger als knapp 80 Minuten ist. Das ist gar nicht so einfach, denn jeder normale Spielfilm liegt in der Regel schon bei mindestens 90 Minuten. Zum Testen habe ich mich für einen Klassiker entschieden: „Dinner for One“:

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Doch zuerst muss die Datei in das VCD-kompatible MPEG1-Format umgewandelt werden. Das ist – heutzutage – gar nicht mehr so einfach, da die meisten Brenn- und Konvertierungsprogramme diese Option gar nicht mehr anbieten! 😀

Ich habe es letztendlich mit einer Verkettung von zahlreichen alten Tools hinbekommen. Als Einstieg dient die Software „DVD2SVCD“. Mit ihr werden alle benötigten Vorbereitungen rund um den Konvertierungsvorgang (Auflösung, Framerate, Dateinamen, …) festgelegt.

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Anschließend extrahiert „DVD2SVCD“ mit Hilfe weiterer Commandline-Tools die Audiospur und konvertiert diese in das benötigte WAVE-Format.

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Die gesammelten Informationen werden dann an den MPEG-Encoder TMPGEnc weitergegeben.

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TMPGEnc konvertiert letztendlich die Videodatei (Quellformat AVI mit Xvid-Codec) in das Zielformat (MPEG1, Auflösung 352×288, 25 FPS, Bitrate 1150 kbps).

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Anschließend fasst „DVD2SVCD“ alles zusammen und erstellt ein brennbares binäres Image (*.BIN und *.CUE).

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Das Image kann man dann mit einem beliebigen Brennprogramm auf CD verfrachten. Ich verwende hierfür immer recht gerne „Imgburn“. Das ist einfach und funktioniert gut.

Fun Fact: Das Video-CD-Format war gerade in Asien sehr populär. Geringe Preise für Abspielgeräte und Medien und der nicht vorhandene Kopierschutz war ein klares Verkaufsargument für VCDs. Nicht zuletzt spielte auch die viel geringere Empfindlichkeit gegenüber hoher Luftfeuchtigkeit im Vergleich zu VHS-Bändern gerade in Südostasien eine hohe Rolle. Dort waren VHS-Kassetten, bzw. deren Bänder nämlich häufig von Schimmel befallen! 🙂

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So, jetzt wollen wir aber mal probieren, ob der gute Doctor V64 die VCD tatsächlich abspielt. Es sieht gut aus! 🙂

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Während der Wiedergabe der VCD kann man mit dem „Menü“-Button sogar Screenshots erstellen. Insgesamt können bis zu 100 Screenshots erstellt und im RAM abgelegt werden.

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Die Bilder können anschließend als automatische oder manuelle Slideshow abgespielt werden. Theoretisch könnten diese nun auch als ROM-Datei an den PC übertragen werden. Das ist aber relativ sinnlos, denn die Bilder lassen sich nicht exportieren.

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Ein weiteres Feature des Doctor V64 ist die Unterstützung des MP3-Formats. Wer jetzt aber denkt, dass man einfach MP3s abspielen kann hat sich geschnitten. Leider wurde vom Hersteller selbst nie ein MP3-Player entwickelt, das Gerät erkennt nur prinzipiell MP3-Dateien und kann diese in den RAM laden. Findige Bastler haben einen proprietären MP3-Player namens Namp64 für den N64 portiert.

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Dieser funktioniert grundsätzlich, hat aber einige Einschränkungen und ist in der Handhabung alles andere als einfach. So kann z.B. nur eine einzige MP3-Datei abgespielt werden, außer man „verkettet“ (copy /b) diese vorab am PC. Auch kann der Player nicht alle MP3-Dateien abspielen, sondern lediglich welche, die den Formaten MPEG1 oder MPEG2-Format vorliegen (MPEG2.5 wird nicht unterstützt). Ebenso kommt die Software nur dann mit den Musikdateien klar, wenn diese vorab mit einem speziellen Tool auf bestimmte Bytegrößen angepasst werden (for /r %%a in (*.mp3) do sizefix %%~nxa)!

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Auch mit ID3-Tags kommt der Doctor V64 nicht klar und die achtstelligen Dateinamen tragen auch nicht gerade zur Transparenz bei. Nach zahlreichen Versuchen habe ich es geschafft, eine MP3 abspielen zu lassen. Zuerst muss Namp64 in den RAM geladen werden, anschließend kann eine MP3-Datei (im Idealfall von CD) ebenfalls in den RAM an eine höhere Speicheradresse geladen werden.

Fun Fact: Bedenkt man alle diese Einschränkungen stellt man fest, dass es keine gute MP3s auf dem N64 abspielen zu lassen. Das wirkt alles mehr wie ein „proof of concept“ als eine seriöse Lösung. 😀

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Als letztes Feature möchte ich euch den „JPEG Slideshow Viewer“ vorstellen. Dieser ermöglicht es Bilder zu einer Slideshow hinzuzufügen und als ROM-Datei z.B. über den Doctor V64 abspielen zu lassen. Hierfür muss erst eine ROM-Datei mit den Bildern gebaut und anschließend für den Doctor V64 „bytegeswapped“ werden. Zur Abwechslung habe ich das mal alles über die Konsole gemacht. 😉

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Anschließend kann die ROM-Datei auf den Doctor V64 geladen werden. Ob unsere Slideshow läuft? Zumindest der Übertragungsvorgang scheint erfolgreich zu sein:

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Und siehe da – die Slideshow läuft. Erkennt jemand das Bild wieder? 😉

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So, nun ist aber endgültig Schluss, es wird wohl Zeit für ein kleines Fazit! 🙂

Der Doctor V64 war ein Gerät seiner Zeit. Er bot einer breiten Zielgruppe eine bisher nie dagewesene Möglichkeit N64-Spiele zu spielen, zu sichern und nicht zuletzt selbst entwickelte Spiele zu testen. Bung versuchte auch die „Nicht-Spieler“ mit Funktionen wie Audio- oder Video-CD-Wiedergabe ins Boot zu holen.

Fun Fact: Selbstverständlich gab es auch solche Geräte sowie weitere Add-ons für das N64 von diversen Herstellern. Das folgende Ensemble würde in der Praxis nicht laufen, allerdings wollte ich euch den N64-„Transformer“ nicht vorenthalten! 😀

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Braucht man den Doctor V64 heute noch? Ein klares NEIN! 😀

Mittlerweile gibt es deutlich bessere Alternativen wie z.B. das Ed64 Plus oder das Everdrive64 welche mit SD-Karten funktionieren. Backupdevices aus dieser Zeit gelten mittlerweile als veraltet. Ein entscheidender Vorteil war/ist jedoch die Möglichkeit, Sicherheitskopien von Spielen (legale ROMs) anzulegen und diese dann ggf. mit entsprechenden Tools zu modifizieren („Hacks“, bzw. „Mods“).

Fun Fact: Damals (1997) wurde der Doctor V64 vor allem von Spieleentwicklern gekauft und verwendet. Mit 350-450 USD kostete das Gerät im Vergleich zu offizieller Nintendo Development Hardware nur knapp ein Zehntel. Nintendo sah das natürlich nicht gerne und verklagte die Firma Bung, welche letztendlich ihre Geschäfte noch eine ganze Zeit lang unter anderer Flagge weiterführte, bevor sie letztendlich irgendwann Ende 2000 aufgelöst wurde.

In diesem Sinne, kramt eure N64 raus und lasst die Controller glühen! Ich bin euch, bzw. dem schnellen Koopa schon einen Schritt voraus:

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Bis bald! 🙂

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