#35 – Doctor V64 – I – the basics

Vorwort: Wie es manchmal so ist im Leben, ist mir erst „beim Basteln“, bzw. bei der Erstellung des Artikels aufgefallen, dass der Beitrag (dank zahlreicher Stolpersteine) doch recht umfangreich sein wird. Aus diesem Grund habe ich das Thema gleich in mehrere Parts aufgeteilt. Seht es mir nach, keiner hat Lust mehr als vier Seiten Text am Stück zu lesen (oder zu schreiben)! 😉

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Wer nicht weiß was das ist, hat wohl die letzten Jahre der 90er verpennt…

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Richtig – ein Nintendo 64! Und er läuft noch einwandfrei:

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Dank USB-Video-Grabber können wir das Geschehen sogar am PC verfolgen und brauchen keine Fernseher durch die Gegend schleppen (hier testweise ein Screenshot, bei dem ich Mario in „Super Mario 64“ bei der Rettung von Prinzessin Peach begleite):

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Heute möchte ich euch ein kurioses Add-on für den N64 vorstellen, den „Doctor V64“ von Bung Enterprises. Zusammenfassend gesagt ermöglicht der „Chefarzt“ neben dem Abspielen von ROM-Dateien über ein CD-Laufwerk auch das Übertragen und Auslesen von ROM-Dateien vom bzw. zum PC über den Parallelport.

Fun Fact: Ich bin ganz froh, das Gerät mein Eigen nennen zu dürfen, denn die Teile gelten mittlerweile als obskure Sammlerstücke und wechseln üblicherweise nur für mehrere hunderte Euros den Besitzer.

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Schauen wir uns erst mal das Teil etwas genauer an. Neben dem CD-ROM-Laufwerk besitzt es auf der Vorderseite die typischen Bedienelemente, welche üblicherweise an einem CD-Player zu finden sind.

 Fun Fact: Im Gegensatz zur „Super Wild Card“ hat man beim „Doctor V64“ auf CDs als Speichermedium gesetzt. Die Spieledateien wären schlicht und einfach viel zu groß für Disketten gewesen! 🙂

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Ebenso findet sich auf der Oberseite der sehr wacklig wirkende Modulport um den Doctor V64 mit dem N64 zu verbinden. Ich bin skeptisch! 😀

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Die Seiten des Geräts sind eher einfach (ohne Knöpfe, Buchsen, etc.) gestaltet. Die Rückseite ist dagegen schon etwas spannender. Hier finden sich neben dem ungewöhnlich geformten Stromanschluss auch ein kleiner Schalter zur Auswahl der Fernsehnorm, Cinchbuchsen für Videoein- und -ausgang (Composite) und – wer hätte es gedacht – ein Parallelport! 🙂

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Das Gerät unterstützt ROM-Dateien bis zu 32MB, somit lassen sich nahezu alle offiziell erschienenen Spiele bis auf vier Ausnahmen (Conker’s Bad Fur Day, Paper Mario, Pokemon Stadium 2 und Resident Evil 2) abspielen.

Fun Fact: Auf der Unterseite des Geräts gibt es einen Schacht in dem die RAM-Module verbaut sind. Den Doctor V64 gibt es in einer 128Mbit (16MB) oder einer 256Mbit (32MB) Variante. Glücklicherweise besitze ich die 265Mbit-Variante. Theoretisch lässt sich das Gerät auch von 128Mbit auf 256Mbit aufrüsten, hierfür muss man aber erst mal einen entsprechenden (passenden) RAM-Riegel finden und diesen vermutlich aus Fernost importieren.

Doch genug geschwafelt, es wird Zeit das Ding in Aktion zu sehen. Doch wie schließt man das gute Stück an? Wenn man keine Ahnung hat, ist man aufgeschmissen. Gut, dass es auch hierfür im Netz noch einige Anleitungen (hier und hier) sowie ein gut gemachtes Videotutorial gibt.

Letztendlich wird das Ding unten an den N64 „angebaut“. Wie das gehen soll? Nun, vielen von euch ist bestimmt entgangen, dass der Nintendo 64 auf der Unterseite einen weiteren Peripheriegeräteanschluss bietet.

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Entfernt man dessen Klappe kommt der „Expansion Port“ (eigentlich nur ein durchgereichter Modulport) zum Vorschein. Offiziell wurde der Anschluss seitens Nintendo nie (z.B. für irgendwelche Add-ons) verwendet, aber der Doctor V64 von Bung macht davon Gebrauch.

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So sieht der Wahnsinn dann im Endeffekt aus – man könnte meinen der N64 steht auf einer Art Sockel, als sei er eine Trophäe! 😀

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Auf der Rückseite wird neben dem Stromanschluss auch das Videosignal abgegriffen. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten. Wird das Videosignal des N64 mit Hilfe eines zusätzlichen Kompositkabels durch den Doctor V64 durchgeschleift hat das den Vorteil, dass man nur ein Kabel hin zum Fernseher (oder wie in meinem Fall zum USB Video Grabber) hat. Primär wird dann immer das Menü des Doctor V64 (Menü) angezeigt. Sobald ein Spiel dann geladen wird, schaltet der Doctor V64 das Bild automatisch auf den N64 um – cool.

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Fun Fact: Theoretisch kann man den N64 auch direkt am Fernseher anschließen (z.B. wenn dieser mit einem RGB- oder HDMI-Mod versehen ist), dann muss man allerdings eine Möglichkeit finden, zwischen den beiden Eingangsquellen umzuschalten, sobald ein Spiel geladen werden soll (z.B. direkt am Fernseher, wenn es unterschiedliche Stecker sind, oder eben mit Hilfe einer Adapterbox). Das ist mir für diesen ersten „Versuch“ zu aufwändig! 🙂

Nun wird es endlich Zeit für einen ersten Test! Einen beherzten Druck auf den Einschaltknopf später: It’s alive! 🙂

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Außer uns an einem minimalistisch gehaltenen Standbild zu erfreuen, können wir jedoch nichts weiter tun. Zumindest reagiert das Gerät auf keinen einzigen Tastendruck. Zu erwähnen sei vielleicht noch, dass beim Start auf das CD-Laufwerk zugegriffen wird (sinnlos, da keine CD eingelegt ist).

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Und was nun? Ich denke, wir sollten erst mal ein Spiel einstecken. Yeah – „Mario Kart 64“ – ein Klassiker!

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Beim Versuch den N64 bei eingeschaltetem Doctor V64 zu starten, kommen zumindest Bild und Ton des Spiels im Aufnahmeprogramm an. Das bedeutet, dass das Signal sauber durchgeschleift wird! 🙂

Fun Fact: Und ja, das ist der alternative Titelbildschirm, der erst mit perfektem Spielstand (goldene Trophäe in allen Cups und allen Motorklassen) freigeschalten wird. Ich glaube ich hatte früher mehr Zeit… 😀

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Und was jetzt? Irgendwie müssten wir das Spiel ja erst mal auf den PC bekommen, oder? Richtig erkannt, jetzt wird es Zeit sich dem Parallelport zu widmen. Hierfür wird ein weiteres Parallelkabel benötigt.

Fun Fact: Erinnert sich noch jemand an das „nicht gelieferte“ Parallelkabel aus Artikel 30? Mittlerweile ist es dann doch noch bei mir eingetrudelt, es hat nur mehrere Wochen gedauert! Das ist auch gut so, denn das extra für die Super Wild Card angepasste Kabel können wir aufgrund der speziellen Pinbelegung nicht für den Doctor V64 verwenden!

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Also, fix das Kabel mit PC und Doctor V64 verbinden. Diesmal machen wir nicht den Fehler und versuchen es mit veralteter (proprietärer) Software, wie damals bei der „Super Wild Card“, sondern verwenden gleich ucon64 (mit uf-FOX-Frontend). Hierfür habe ich die beiden Tools in einen neuen Ordner kopiert, alle entsprechenden Pfade angepasst und den I/O-Porttreiber gestartet. Ein erster Versuch eine ROM-Datei zu empfangen schlägt leider dennoch fehl:

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Der Doctor V64 ist leider auch nicht sehr gesprächig und meldet sich nur mit einem kurzen „STOP“. Immerhin beweist das, dass das Kabel in Ordnung ist und Signale übertragen wurden! 🙂

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Hm, und wieso funktioniert es dann trotzdem nicht? Nach einigen weiteren gescheiterten Versuchen bin ich schlussendlich mit Hilfe eines alten Forenthreads auf die Lösung gekommen. Diese besteht aus zwei Teilen. Damit man das Spiel „dumpen“ und an den PC senden kann, darf natürlich der N64 nicht „im Weg“ sein (dieser ist ja zum Sicherungszeitpunkt stromlos). Klingt logisch, also fix das N64 wieder „vom Sockel stoßen“ und direkt die Cartridge auf den Doctor V64 stecken. Hierfür muss zusätzlich noch ein kleiner Pin-Adapter, welcher die Verbindung zum N64 herstellt, entfernt werden.

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So sieht das schon besser aus:

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Doch leider war das nur die halbe Miete, denn die „Backup-Funktion“ wurde offiziell nie vom Hersteller unterstützt und kam erst in sehr späten (teilweise von Fans erstellten) BIOS-Versionen des Geräts dazu. Ein entsprechendes BIOS im Netz irgendwo aufzutreiben war gelinde gesagt eine „Herausforderung“, aber nichts ist unmöglich in der großen weiten Welt des Internetzes! 😀

Für den Update-Vorgang kann man das BIOS dann auf CD brennen oder über den Parallelport an das Gerät schicken. Da wir aber die Parallelportkommunikation erst durch das BIOS-Upgrade „einbauen“ müssen, müssen wir den Weg über das CD-Laufwerk gehen. Gut, dass ich noch ein paar Rohlinge hier rumliegen habe:

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Die BIOS-Datei (256kb) muss jetzt noch im entsprechenden Format (mit veralteten Parametern wie z.B. ISO9660-Namenskonvention) gebrannt werden, sodass der Doctor V64 sie versteht. Nero hilft uns:

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Nach erfolgreichem Brennvorgang können wir die CD einlegen:

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Leider wird die CD nicht vom Gerät erkannt. Was ist falsch? Nach einer intensiven Diskussion in einem weiteren Gaming/Bastelforum wurde mir die Korrektheit der Brennparameter bestätigt. Mittlerweile habe ich die Vermutung, dass entweder das CD-Laufwerk defekt ist oder das Netzteil zu wenig Spannung liefert. Das ist unschön, aber so ist die Welt. Ich befürchte dieses Problem lösen wir heute nicht mehr. Dazu bedarf es einen neuen Anlauf – stay tuned! 😉

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