#11 – Spielautomaten Timekeeper EPROMs

SpielautomatEN!? Nanu? Das impliziert doch eine Mehrzahl oder? Sehr gut aufgepasst, als Belohnung gibt es ein Bild der beiden Schmuckstücke:

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Und was ist jetzt ein Timekeeper EPROM? Auch dieses Rätsel wird im Lauf des Artikels gelöst, dazu später mehr… 😉

Keine Angst – ich verkneife mir an dieser Stelle ewige Ausführungen der ach so grauen Theorie und technischen Details, aber ein paar Grundlagen können ja bekanntlich nie schaden 😉

Die Automaten habe ich vor einigen Jahren für einen schmalen Taler bei einer Kneipenauflösung erstanden. Selbstverständlich haben die Automaten auch Modellbezeichnungen, einer von beiden wird „Goldfinger“ (NSM-Löwen) genannt, und der andere hört auf den Namen „Super Take Off E“ (Panther).

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Beide Modelle stammen aus dem Jahre 2001 und fallen somit in eine Zeit in der neben der anstehenden Einführung des €uro als Bargeld (2002) auch noch die gute alte D-Mark als Zahlungsmittel gängig war. Dieser Zwiespalt erzeugt logischerweise Probleme bei der Geldannahme. Sollen DM- oder Euro-Stücke angenommen werden? Und welche Währung soll angezeigt sowie ausgezahlt werden? Mit welcher Währung rechnet der Automat? Fragen über Fragen… 🙂

Glücklicherweise sind meine beiden Modelle bereits mit €-Münzprüfern ausgestattet:

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Neben der Geldannahme schafft der Herstellungszeitraum „zwischen zwei Währungen“ natürlich auch einige technische Herausforderungen, so wird z.B. beim STO (Super Take Off) der eingeworfene €-Münzbetrag grundsätzlich in DM umgerechnet, obwohl alle sich auf der (bedruckten) Glasscheibe befindlichen Anzeigen schon Cent-Beträge ausweisen.

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Trotz des nahezu identischen Baujahrs arbeiten die beiden Automaten mit unterschiedlichen Mechaniken. Beim GF wird z.B. für die Auswahl der Gewinnbeträge eine Walze eingesetzt, welche in drei horizontalen Positionen Geldbeträge und Symbole (Joker, 7er) anzeigt.

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Fun Fact: Beide Geräte sind über ein Schloss an der vorderen Glasplatte gesichert. Ebenfalls wird über einen Türkontakt geprüft, ob die Tür geschlossen ist. Ist dies nicht der Fall gibt der Automat einen lauten Warnton (um einen „Manipulationsversuch“ zu signalisieren) von sich. Obwohl ich die Schlüssel für beide Geräte besitze, brauchte gerade der GF etwas „Überredungskunst“ um sich öffnen zu lassen. Der Türmechanismus hat sich im der Laufe der Jahre etwas abgesenkt und so ließ sich die Tür einfach mechanisch nicht mehr öffnen. Manchmal hilft einfach nur noch die „Hardware-Lösung“ (Schraubenzieher und/oder Flex). Glücklicherweise ließ sich das Schloss reparieren und jetzt lässt sich auch der GF wieder einwandfrei öffnen! 🙂

Beim STO dagegen erfolgt die Gewinnanzeige über drei sich drehende Scheiben mit Geldbeträgen und Symbolen (Joker und Panther).

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Das jeweils auf der Frontscheibe abgedruckte Regelwerk ist selbstverständlich bei jedem Automaten unterschiedlich. Ähnlich bei beiden Automaten ist jedoch der „prinzipielle Weg“ tatsächlich Geld zu gewinnen. Den Grundstein legen drei gleiche Symbole/Geldbeträge oder alternativ spezielle Symbole in der Mitte („Joker“). Durch diese wird die „Risikoleiter“ (jeweils links und rechts auf der Glasscheibe) aktiviert. Mit ihr können die erspielten Beträge durch Drücken der Risiko-Tasten ggf. noch erhöht werden (oder man geht leer aus :)).

Damit lassen sich jedoch nur kleinere Beträge gewinnen. Möchte man richtig abräumen führt der Weg im Idealfall immer über die Superspiele (auch Sonder- oder Cashspiele genannt). Diese kann man entweder durch viel Glück auf der Risikoleiter oder sehr viel Glück bei den Walzen/Scheiben (beim GF sind mehrere 7er, beim STO mehrere Panther-Symbole das Ziel) erreichen. Eine Reihe von Superspielen in Folge wird „Serie“ genannt.

Fun Fact: Die Chance tatsächlich etwas zu gewinnen (also letztendlich möglichst häufig drei gleiche Geldbeträge/Symbole zu erzielen) kann bei beiden Automaten über einen Schalter gesteuert werden. Neben der klassischen Einstellung „G“ (steht für Gaststätte), können die Automaten auch auf einen Modus „S“ (Spielhalle) gestellt werden. Im Spielhallen-Modus ist die Erfolgsquote deutlich höher. Wer also vor vielen Jahren an einem Automaten in einer Gaststätte gespielt und immer verloren hat, hat jetzt eine Erklärung dafür 🙂 Der GF bietet sogar noch einen „H“-Modus (erhöhte Gewinnquote) an, dieser ist aber schon fast zu gnädig und wurde wohl in der Praxis eher selten von Automatenaufstellern eingestellt. 😉

Die eigentliche Kennzeichnung wo man sich gerade befindet entsteht durch die Beleuchtung bestimmter Bereiche auf der Glasplatte mit Glühbirnen. So sollte das dann im Idealfall aussehen:

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Neben der unterschiedlichen Peripherie (Walzen, Scheiben) arbeiten jedoch beide Geräte auf der gleichen technischen Basis. Die eingesetzte Technologie wird „ST25“ (Steuertechnik 25) genannt. Die ST25-Einheit bildet „das Gehirn“ des Automaten und befindet sich unten im Spielautomaten.

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Öffnet man die Schutzklappe kommt die Hauptplatine mit dem Spielmodul („Spiel- und System-Modul“) zum Vorschein. Auf dieser Platine befinden sich alle für den Automaten relevanten Informationen (Uhrzeit, Einstellungsdaten, Spielprogramm, …).

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Nun wollen wir aber die ganze Theorie gut sein lassen und endlich spielen, oder? Fast, denn noch müssen die Automaten aufgestellt werden. Selbstverständlich kann man so einen Spielautomaten einfach auf den Boden oder einen Tisch stellen, oder wenn man ganz viel Elan an den Tag legt auch mit Hilfe eines Aufhängekreuzes (auch „Wandkreuz“ genannt) an der Wand aufhängen. Optisch ansprechender finde ich persönlich die Holzregale, welche man aus den Kneipen von früher kennt…

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Fun Fact: Das auf eBay erstandene Regal wurde extra von einer Spedition durch halb Deutschland zu mir gefahren. Während der Transport der beiden Automaten einfacher vonstattenging (nicht falsch verstehen, ein Zuckerschlecken war es nicht, denn die Geräte sind doch ganz schön schwer und selbst zu zweit nur schwierig zu manövrieren), mussten für das Regal einige Klimmzüge vollzogen werden. Gerade die engen Wände und der nicht für solche „Möbelstücke“ ausgelegte Türrahmen wurden mir da beinahe zum Verhängnis. 😉

Ok, Zeit die beiden Geräte mal einzuschalten… Hm, da tut sich leider relativ wenig. Keine Geräusche und auch keine visuellen Anzeigen erscheinen, lediglich der Ausgabeschacht leuchtet etwas:

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Nach einiger (zeitlich doch relativ intensiver) Recherche im Internet, bzw. in diversen Foren zum Thema Automaten und Geldspielgeräte) bin ich auf das eigentliche Problem gestoßen. Die Batterien des Automaten sind leer (wohl auch kein Wunder, denn die Geräte standen lange Zeit unbenutzt im Keller).

Leider ist der Wechsel nicht ganz trivial, denn dafür wurden die Geräte nicht ausgelegt. Nach einigen Jahren (Ablauf der Zulassung) sollten die Geräte aus dem Verkehr gezogen und durch neue ersetzt werden. Aus diesem Grund ist die Batterie (Knopfzelle) tatsächlich in den EPROM (beschreibbarer Chip) mit dem eigentlichen Programm des Spielautomaten mit eingebaut! Wer macht denn sowas?!

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Dieser Chip wird „Timekeeper“ genannt. Auf ihm sind sämtliche Daten wie z.B. das Spielprogramm und die Zeiteinstellungen des Automaten gespeichert. Doch was macht man nun, wenn die Batterie leer ist und der Automat quasi „alles vergessen“ hat?

Die meisten Forenbeiträge empfehlen hierzu den Timekeeper zu fräsen um die Knopfzelle auszutauschen. Leider bringt selbst der Wechsel der Knopfzelle erst mal überhaupt nichts, denn anschließend müssen noch die originalen Daten des Spielautomaten (Programm) wieder auf den EPROM-Chip aufgespielt werden (und die muss man erst mal irgendwoher bekommen)!

In jedem Fall muss erst mal das Spielmodul ausgebaut werden, denn auf diesem befindet sich u.a. der Timekeeper. Der Ausbau des Moduls geht problemlos, denn es ist nur über Steckverbindungen in mit der ST25-Einheit verbunden.

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Der Softwarestand vom 04.02.02 deutet darauf hin, dass die Geräte – zumindest einmal – gewartet wurden. Für den Automatentechniker war ein „Softwareupdate“ eine leichte Übung, denn die Chips sind nur gesockelt und können somit einfach ausgetauscht oder alternativ neu beschrieben werden.

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Doch jetzt zum eigentlichen Problem – dem Timekeeper. Das Fräsen würde ich mir noch zutrauen, aber spätestens bei der Beschaffung der Programmdaten sind mir die Hände gebunden. Hierzu gibt es zwar Vereine in Deutschland, welche es sich als Ziel gesetzt haben alle Programmdateien der älteren Geldspielautomaten für die Nachwelt zu sichern, jedoch erhalten erst langjährige Mitglieder Zugriff auf die Datenbank…

Und selbst wenn ich die Daten hätte, müsste ich diese noch auf den Chip aufspielen, wofür mir das entsprechende Werkzeug (EPROM-Brenner) fehlt. Glücklicherweise bin ich über einen Kontakt im Flipperforum an einen netten, automatenverrückten Kollegen (Eigenbesitz 300 (!) Spielautomaten) gelangt. Dieser konnte mir gegen ein paar Euros die beiden Timekeeper fräsen und mit der jeweiligen „Grundkonfiguration“ bespielen. Hierfür sollte ich ihm nur die beiden Spielmodule zusenden. Gesagt – getan.

Fun Fact: So etwas geht natürlich nicht von heute auf morgen… Das ewige Hin und Her sowie die ausschweifenden Telefonate mit Tipps und Tricks erspare ich euch an dieser Stelle einfach mal 😉

Wir drehen die Uhr einfach um ein paar Monate weiter und tun so als ob die Spielmodule gerade eben aus der Reparatur zurück gekommen wären 🙂

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Der Kollege hat saubere Arbeit geleistet und sinnvollerweise gleich die Knopfzelle in einen Batteriehalter ausgelagert. Auch der gefräste Timekeeper kann sich sehen lassen!

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Jetzt nur schnell die Spielmodule wieder einbauen, dann müsste doch alles funktionieren, oder?

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Leider nicht – der Automat macht immer noch keinen Mucks. Zur Fehleranalyse habe ich mal während des Startvorgangs die Klappe der ST25-Einheit offengelassen. Neben den beiden Status-LEDs (links) sollte die LED auf dem Spielmodul nach erfolgreichem Initialisierungsvorgang eigentlich ausgehen, aber das tut sie nicht!

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Der Automaten-Spezialist hat mir den Tipp gegeben, den Jumper (kleiner Plastikstift mit zwei Kontakten) auf dem Spielmodul umzusetzen. Die Position des Jumpers muss nämlich im Abhängigkeit zur Position bzw. Anzahl der Chips auf der Hauptplatine korrekt gesetzt werden. Wer in einer Zeit von IDE-Geräten (Jumper für Master/Slave) aufgewachsen ist, hat damit natürlich keine Probleme 😉

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Aber jetzt sollte doch alles funktionieren, richtig?

Leider ist es mit dem Austausch der Batterie und der Bespielung des Chips mit dem Programm immer noch nicht getan. Zwar lassen sich beide Geräte anschalten, aber auf dem Display werden nur irgendwelche kryptischen Fehlercodes angezeigt – Mist!

Für die eigentliche Initialisierung des Automaten wird eine Service-Tastatur vom Hersteller NSM (war auch für Panther-Geräte verantwortlich) benötigt. Wie es der Zufall will habe ich ein solches Gerät! 😀

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Fun Fact: Ich bin froh, dass ich die Servicetastatur bereits vor ca. einem Jahr in weiser Voraussicht von einem Forumskollegen aus Holland für 30€ erworben habe. Möchte man sich zum jetzigen Zeitpunkt so ein Gerät zulegen, zahlt man nicht nur deutlich saftigere Preise (ca. 150€), es fällt schon schwer überhaupt noch Angebote zu finden, da diese Tastaturen ja eigentlich nur den Automatentechnikern für Wartungsarbeiten an die Hand gegeben wurden!

Der Stecker der Servicetastatur wird einfach in der ST25-Einheit angesteckt (schwarzer Stecker links unten).

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Praktisch, dass sich in der Klappe der ST25-Einheit eine Liste aller Serviceprogrammschritte befindet:

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Es ist natürlich etwas umständlich in gebückter Haltung den Kopf in den Automaten zu stecken, nur um ein paar Nummern abzulesen 🙂

Bequemer ist es sich die Handbücher (welche praktischerweise an der Innenwand des Automaten verstaut sind) zu Gemüte zu führen:

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Hier kann man neben Tipps & Tricks zu den Geräten auch detailliertere Informationen zu den einzelnen Serviceprogrammen finden!

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Servicetastatur ist angesteckt, jetzt kann es losgehen! 🙂

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Um die Initialisierung durchzuführen müssen auf der Servicetastatur diverse Befehle und Daten eingegeben werden. So besitzt jeder Automat z.B. eine Zulassungsnummer, ein Datum des Zulassungsbeginns sowie eine Codenummer. Die Informationen lassen sich auf einer kleinen Plakette, welche sich auf der Vorderseite des Automaten hinter einer kleinen Plastikabdeckung versteckt ist finden.

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Rückseite der Plakette:

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Ich erspare euch an dieser Stelle das doch eher aufwändige Prozedere alle für die Initialisierung relevanten Serviceprogramme durchzudrücken und die benötigten Informationen einzugeben. 😉

Stattdessen möchte ich nur kurz zeigen, wie neben der Initialisierung auch weitere Einstellungen des Automaten mit Hilfe der Servicetastatur angepasst werden können. So hat der GF bisher z.B. keine 20-Cent-Stücke angenommen. Diese Einstellung kann man durch Eingabe des Serviceprogramms 595 korrigieren.

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Die meisten Einstellungen können über die Auswahl von 1=Ja oder 0=Nein angepasst werden (# = Bestätigung, * = Abbruch).

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Jetzt aber – Servicetastatur abgesteckt, Klappe der ST25-Einheit geschlossen, Automatentüre verschlossen und abgesperrt. Jetzt muss es doch endlich gehen…

Und tatsächlich – nach all dem Stress scheinen beide Geräte zu laufen!

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Zu Beginn sollte man die Geräte erst mal fleißig mit Münzen füttern, sodass die Münzröhren aufgefüllt werden. Erst wenn ein gewisser Pegelstand erreicht ist, fallen weitere eingeworfene Münzen nicht mehr in die Röhren, sondern direkt in die Automatenkasse – jetzt ist der Automat betriebsbereit!

Auch die ersten Erfolge/Gewinne trudeln so langsam ein 😉

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Ein kleines Manko bleibt allerdings: Durch das Herumbasteln an den Timekeeper-Daten wurde die „Auszahlungs-Funktion“ (roter Schalter rechts oben am Automaten) deaktiviert. Leider ist das ein bekanntes Problem, welches sich auch nicht mit einer Servicetastatur beheben lässt. Gewonnene Geldbeträge am Ende einer Serie (wir erinnern uns: Serie = Reihe von Superspielen) die 25€ übersteigen werden merkwürdigerweise einwandfrei ausgezahlt. Eigentlich ideal um die Automaten als Spardose zu verwenden… 😉

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Halten wir fest – Geldspielautomaten der Jahrtausendwende sind zickige Zeitgenossen! 😉

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