#9 – Pinball Mashup

Wie letztes Jahr angedroht ist es nun an der Zeit einen genaueren Blick auf meinen Flipper zu werfen. 😉

Allerdings möchte ich jetzt nicht auf die zahlreichen Spielmodi eingehen, das Regelwerk ist komplexer als so manches Pen-&-Paper-Rollenspiel…

Vielmehr soll der Artikel als kleine Dokumentation der bereits durchgeführten Reparaturen/Tuningmaßnahmen dienen, ein kleines „Mashup“ eben. 😉

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Ein paar grundlegende Informationen können aber trotzdem nicht schaden…

Das Modell „Indiana Jones: The Pinball Adventure“ wurde 1993 von der Firma Williams gebaut. Mit 12.716 war die Stückzahl relativ hoch, der Hersteller war sich wohl sicher, dass er mit der Indiana Jones Lizenz einen Hit landen würde. Allerdings sind in der Zwischenzeit die meisten Geräte wohl in Einzelteilen auf Schrottplätzen gelandet oder wurden als Ersatzteillager „missbraucht“. Der Flipper gehört neben einer Hand voll anderer Williams-Modelle zur „SuperPin“-Reihe, die neben einem etwas breiteren Spielfeld („Widebody“) auch einige zusätzliche Besonderheiten bieten. Bei diesem Modell wäre das z.B. das über die Flippertasten steuerbare Mini-Spielfeld für besondere Spielsituationen.

„Er“ besitzt insgesamt sechs Bälle, mit welchen in einigen Spielmodi sogar gleichzeitig gespielt werden kann.

Fun Fact: Der „Indy“ ist wohl einer der ersten Flipper die ich jemals gespielt habe. Ich erinnere mich da dunkel an einen Urlaub mit meinen Eltern in Frankreich…  Viele schöne Stunden (und eine nicht unerhebliche Anzahl an Geldstücken) sind damals in das Gerät geflossen – vielleicht fühle ich mich deswegen zu dem Gerät so hingezogen… 🙂

Mein Modell spielt sich an sich ganz gut und ist für sein Alter auch noch in einem recht guten Zustand, aber wie bei jedem Ding, dass schon über 25 Jahre alt ist ( 😀 ) gibt es ein paar Ecken die nicht ganz rund laufen oder denen es einer Überholung bedarf.

Ebenso gibt es ein paar Design-Schwächen, die der Hersteller nicht, oder nur etwas unzureichend bedacht hat – dazu später mehr.

Das Hauptproblem war eigentlich, dass der Flipper sich ab und zu „verschluckt“ und einfach einen Ball „verliert“. Es ist natürlich klar, dass sich dieser nicht in Luft auflösen kann, aber kaum rutscht ein Ball in den Abgrund fing der Flipper an zu spinnen und hat sich über die fehlende Kugel beschwert…

Zu allem Überfluss ist das Problem erst dann aufgetreten, als ich den Flipper etwas steiler gestellt habe (die Höhe der Beine lässt sich variieren) – sehr merkwürdig!

Die Ausrichtung des Spielfelds ändert natürlich einiges an der Spielgeschwindigkeit sowie am Feeling des Geräts, aber dass der ganze Spielfluss gestört ist, nur weil das gute Stück ein paar cm steiler steht?! 😦

Da hilft nur eins – Learning by Doing! Also Schluss mit Theorie und ran an das Gerät! 🙂

Mal sehen… Fällt ein Ball in den Abgrund wird er in der Balltruhe abgelegt. Die Balltruhe ist quasi der Vorratsspeicher für die im Spiel verwendeten Bälle und besitzt neben einer Rinne auch ein paar Löcher für optische Sensoren (Lichtschranken), welche erkennen, ob sich in dieser Position in der Balltruhe gerade ein Ball befindet oder nicht – irgendwie muss der Flipper ja prüfen „was abgeht“, also wie viele Bälle existieren und wo diese sich gerade befinden!

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In meinem Fall fing jedes Mal wenn eine Kugel im Abgrund verschwindet, der Flipper an zu spinnen und hat wie wild alle Spulen betätigt um einen ggf. irgendwo fest steckenden Ball zu befreien (quasi ein simpler Notfall-Mechanismus). Das Problem war also, dass er nicht erkannt hat, dass der Ball in die Balltruhe gefallen ist. Erst hatte ich die optischen Sensoren im Verdacht und hatte schon etwas Sorgen – das mit der Elektronik ist immer so eine Sache… Die Lösung war im Endeffekt viel banaler als ich es erwartet hätte. In der Rinne der Balltruhe hatten sich im Laufe der Jahre einige kleine Mulden gebildet und so konnte die vorderste Kugel nicht bis in die Abschussposition laufen. Der Flipper hat also immer nach einer Kugel gesucht, die sich nur einige cm neben ihrer idealen Position befunden hat – kleine Ursache, große Wirkung. 🙂

Doch wie behebt man dieses Problem nun? Natürlich könnte man jetzt die Balltruhe ausbauen und versuchen die Mulden in der Rinne heraus zu fräsen oder ähnliches, aber es gibt dank aktiver Flipper-Fangemeinde und einigen Flipper-Shops, die sich auf diese Nische spezialisiert haben, auch für solche Fälle das passende Produkt.

Fündig geworden bin ich letztendlich „beim Freddy“ (Freddy’s Pinball Parts). Er hatte tatsächlich einen für den Indy passenden „Balltruheneinleger“. So sieht das im eingebauten Zustand dann aus:

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Und tatsächlich – das Problem ist behoben. Wirklich Wahnsinn, was so ein kleines Stück Edelstahl so ausrichten kann… 😉

Zur leichteren Montage lässt sich das Spielfeld nach oben herausziehen und auf den Rahmen des Gehäuses abstützen. Ebenso kann der gesamte Spielbereich für Arbeiten an den Teilen unter dem Spielfeld sogar ganz nach oben geklappt werden – darauf habe ich diesmal verzichtet. 😉

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Fun Fact: Wie das so mit alter Technik ist, muss man einfach viel Zeit und Geduld mitbringen. Das Internet stellt in jedem Fall eine große (und notwendige) Hilfe dar, aber für manche Probleme muss man sich einfach mit dem Gerät auseinandersetzen und versuchen zu verstehen was passiert. Einige Fehler lassen sich nur auf diese Art und Weise klären, da die Probleme häufig doch sehr individuell sind…

Soweit so gut – mal sehen, was es noch so zu tun gibt…

Zunächst orientieren wir uns mal nach oben zur „Backbox“ – so wird das rechteckige Kopfteil des Flippers genannt.

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Leider habe ich kein Bild mehr, aber bis vor kurzem klaffte hier ein schwarzes Loch – der Vorbesitzer hatte wohl mal – vielleicht weil er den Schlüssel verloren hatte – das „Backbox-Lock“ entfernt. Diesen Zustand musste ich natürlich schleunigst beheben! Teile dazu (Schloss und Montageplatte) lassen sich leicht im Netz finden…

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Das Schloss soll eigentlich die Leute daran hindern, das „Translite“ zu entfernen. So wird die Glasscheibe genannt, welche den ganzen Technik-Kram für den Endverbraucher schön kaschiert.

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Ein Blick dahinter fällt zunächst harmlos aus, lediglich ein Stück Holz mit ein paar Lampen kommt dahinter zum Vorschein!

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Öffnet man jedoch die Holzklappe könnte einem fast schwindlig werden. Hier befindet sich „das Gehirn“ des Flippers (Mainboard, CPU, Boards zum Ansteuern der Schalter, Flipperfinger, Knöpfe, Lampen, etc.).

Fun Fact: Der betagte Archäologe besteht tatsächlich aus 2619 Einzelteilen und ca. 350 Meter Kabel!

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Neben Kabelsalat und einigen Chip‘s (und nicht die Sorte Chips à la Chio oder Funny-frisch) befindet sich hier auch der Batteriehalter mit drei AA-Batterien. Bei vielen Flippermodellen empfiehlt es sich diesen Batteriehalter auszulöten und ggf. an eine andere Stelle im Gehäuse zu verlagern, da sonst beim Auslaufen der Batterien die kostbaren Platinen verätzt und somit zerstört werden könnten. Der Ersatz oder die Aufarbeitung einer dieser Platinen würde mehrere hunderte Euros verschlingen…

Beim Indy haben die Kollegen von Williams gute Arbeit geleistet, der Batteriehalter ist bereits relativ gut abgeschirmt, hier ist kein Handlungsbedarf. Unabhängig davon, sollte man die Batterien von Zeit zu Zeit tauschen, da diese ja nicht nur auslaufen, sondern auch leer werden können. Passiert das, ist nicht nur der Highscore gelöscht (das wäre ja noch verschmerzbar) aber leider auch alle Einstellungen.

Fun Fact: Der Flipper ist eines der wenigen Geräte, bei dem Batterien im angeschalteten Zustand getauscht werden müssen 🙂

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„Witzig“ ist auch die Dokumentation, welche sich auf der Rückseite der Holzplatte befindet – erinnert mich fast etwas an das Periodensystem der Elemente – da läuft es mir selbst jetzt noch kalt den Rücken herunter, wenn ich an den Chemie-Unterricht denke…

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Gut, dass hier soweit alles in Ordnung scheint und wir nichts tun müssen, also geht es weiter südlich in Richtung „Playfield“.

Zugang zum Spielfeld erhält man über die Kassentür (die kennen wir ja bereits vom Münzprüfertausch 😉 )

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Ist diese geöffnet (bloß den Schlüssel nicht verlieren), kommt neben der Kassenbox und den Münzprüfern ein gelber Hebel zum Vorschein.

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Betätigt man diesen, wird die „Lockbar“ (die silberne Edelstahl-Leiste, welche die Glasscheibe in ihrer Position hält) entriegelt.

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Anschließend kann die Glasscheibe entnommen werden. Sie lässt sich leicht aus den seitlichen „Leitplanken“ herausziehen:

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Ganz schön groß/schwer das Teil! 🙂

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Beim Betrachten des unteren Teils des Spielfelds fällt dem aufmerksamen Beobachter natürlich sofort auf, dass die sog. „Slingshot Plastics“, also die Plastikteile über den „Slingshots“ die den Ball seitlich wegkatapultieren, nicht identisch sind. Beim linken Plastik fehlt die obere Folienschicht, so wirken die Farben etwas blasser.

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Der Verkäufer hat bereits vorgesorgt und mir einen Satz neuer Slingshot Plastics beim Kauf dazugegeben. Meistens ist man auf der Suche nach originalen Ersatzteilen glücklos oder die wenigen verbliebenen Teile sind unbezahlbar. Allerdings werden selbst heute noch Ersatzteile für zahlreiche Flippermodelle von Einzelpersonen oder Drittherstellern produziert – natürlich sind diese dann auch nicht ganz billig (Stichwort: Nischenprodukt).

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An sich sind die beiden Plastikabdeckungen schnell angebracht, es sind ja auch nur eine Hand voll Schrauben, die hierfür entfernt werden müssen. Jedoch muss man beachten, dass alle Schrauben in Zollgrößen sind (der Großteil der Flipper wurde in Amerika gefertigt), das richtige Werkzeug ist also Pflicht!

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Selbstverständlich sind nicht alle Muttern gleich, alleine für die Slingshot-Plastics werden zwei verschiedene Maße (11/32“ und 5/16“) benötigt – Amerikaner… 😉

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Unter der Plastikabdeckung findet sich die eigentliche Slingshot-Mechanik. Diese besteht aus zwei Kontaktschaltern und einem Katapult, welches den Ball bei Berührung „wegstoßen“ soll. Optisch durchaus beeindruckend, da es das Spiel schnell gestaltet, aber für den Spieler nicht immer ein Vorteil. Häufig wird der Ball – nicht zuletzt durch die 45° Anordnung der Slingshots auf die „Outlanes“ (seitliche Bahnen die den Ball in den Abgrund befördern) katapultiert. Böse Zungen behaupten, dass sei ein absichtliches Designelement der Hersteller um mehr Münzen aus den Taschen der Spieler zu ziehen. 😉

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Das Ergebnis kann sich sehen lassen – jetzt ist alles wieder in perfekter Symmetrie 🙂

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Zuletzt galt es noch eine der krassesten Design-Schwächen des Indys zu beheben. Das Stichwort lautet „Drop-Targets“!

Drop-Targets sind Ziele, die bei einem Treffer auf die Unterseite des Spielfelds verschwinden und somit Platz für die Kugel schaffen, sodass diese z.B. in ein Loch oder an ein weiteres Ziel gespielt werden kann. Hier sehen wir zwei Drop-Targets:

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Und hier wurde eines bereits getroffen und ist somit unter das Spielfeld geklappt!

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An sich eine tolle Mechanik, die prinzipiell auch gut funktioniert. Leider wurde nicht bedacht, dass die Kugel durch den „Abpraller“ an den Targets nicht gerade, sondern in einem hohen Bogen zurück katapultiert wird. Im schlimmsten Fall bekommt die Kugel so einen Schwung, dass sie mit voller Kanne gegen die Glasscheibe donnert.

Doch es gibt noch weitere Nachteile: Nicht nur wird das Spielfeld in Mitleidenschaft gezogen (erhöhter Verschleiß), auch für den Spieler ist diese Situation nicht gerade förderlich, denn so kann die Kugel keinesfalls mehr kontrolliert gespielt werden.

Um diesem Effekt etwas entgegenzuwirken wurde ein spezielles Stück Blech entwickelt, welches zumindest verhindern soll, dass die Kugel aus dem Flipper in den nicht bespielbaren Bereich (Anleitungen/Kreditinformationen unterhalb des Spielfelds) herausspringt.

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Ebenso muss man den Kollegen von Williams zu Gute halten, dass ihnen bewusst war welchen Fehler sie mit den Drop-Targets begangen haben. Die Software wurde extra so designt, dass wenn der Spielball direkt von den Drop-Targets in den Abgrund katapultiert wird (ohne einen weiteren Schalter zu berühren) der Ball automatisch von der Maschine wieder ins Spiel geschossen wird. Clever 😉

Trotzdem – dafür muss es doch eine bessere Lösung geben. Die gibt es tatsächlich, doch die Anschaffung war nicht ganz einfach. Erst über ein Flipperforum in Amerika bin ich auf die speziell für diesen Flipper entwickelte Lösung aufmerksam geworden. Nach einem netten Austausch mit Flipperkollegen sowie entspannten drei Wochen Wartezeit, kamen folgende Teilchen per Post:

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Die beiden Stücke sind nicht etwa Karton oder Altpapier, vielmehr stellt das „Sechziger-Braun“ nur eine Schutzfolie dar. Darunter befinden sich zwei Plexiglas-Plättchen, welche oberhalb der Drop-Targets angebracht werden sollen, um so hochspringende Kugeln wieder „auf den Boden der Tatsachen“ ( 😀 ) zu bringen.

Klingt machbar, also ran an den Speck! Zuerst wird das kleinere Teilchen verschraubt. Hierfür müssen zwei Schrauben hinter dem Drop-Target gelöst werden (leider kann man nicht direkt von oben die Schrauben lösen, da sich oberhalb des Targets noch einige Spielfeldteile befinden).

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Fun Fact: Das System, welches einen Ball auf dem Spielfeld „einschließt“ (bei uns ist das der Ball, der hinter dem Drop-Target und zwei „Posts“ eingeschlossen ist) wird „Captive Ball“ genannt. Dieser wird nicht auf dem gesamten Spielfeld (also z.B. durch die Flipperfinger berührt) verwendet, sondern bewegt sich nur in einem kleinen definierten Korridor, meistens um einen Schalter dahinter zu berühren. Im Fall des Indys muss das Drop-Target drei Mal getroffen werden, bevor man Zugang zum Captive Ball erhält. Jeder kräftige Treffer auf den Ball betätigt den oberen Schalter dahinter, das sorgt für massig Extrapunkte! 🙂

Anschließend kann die Plexiglasscheibe oberhalb des Targets mit den Schrauben wieder befestigt werden – oder auch nicht, denn wie ich feststellen musste, geht die Drahtrampe, die der Captive Ball bei einem Treffer bewältigen muss, ein kleines Stück zu weit nach vorne.

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Da hilft nur eins – basteln! 🙂 Schnell eine kleine Mulde in das Plastik fräsen, sodass die Rampe uns nicht weiter blockieren kann.

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Passt perfekt! 🙂

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Nun noch schnell festschrauben – Teil 1/2 geschafft!

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Das zweite Teil gestaltet sich – nicht nur, weil es eine Schraube mehr besitzt – etwas schwieriger, da natürlich neben 5/16“-Schrauben auch noch 1/4″-Schrauben zum Einsatz kommen – ganz toll! 😉

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Aber auch dieses Problem lässt sich mit etwas Geduld und viel Fingerspitzengefühl lösen. Dabei sollte man darauf achten, die Drahtrampen wieder in die korrekte Position zu bringen, da sonst die Kugel nicht sauber die definierten Wege rollt und sich ggf. irgendwo verkantet.

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Anschließend muss man den Flipper eigentlich nur wieder zusammensetzen, d.h. Spielfeld runterklappen, Glasscheibe einführen und mit der Lockbar arretieren.

Leider kann man das jetzt schwer beschreiben, aber es ist ein komplett anderes Spielverhalten. Viel flüssiger und weniger anfällig für unkontrollierte Bälle – sehr schön! Falls mich jemand sucht, ich bin dann mal etwas zocken… 🙂

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