#8 – B.E.E.S

Vorwort: Wer zwischen den Zeilen liest wird bemerken, dass der folgende Beitrag im Vergleich zu meinen bisherigen Einträgen etwas aus der Reihe tanzt. Diesen Artikel habe ich bereits vor einiger Zeit geschrieben. Hiermit möchte ich ihn „digitalisieren“, damit er nicht auf meiner Festplatte verstaubt und in Vergessenheit gerät. Viel Spaß beim Lesen 😉

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Herzlichen Glückwunsch zum Erwerb Ihres nagelneuen B.E.E.S (BOSCH electronic Entertainment System’s ™).

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Spaß beiseite… Dieses Projekt ist quasi der Resteeintopf aus den übergebliebenen Teilen meiner Bastelkiste!

Aufgabenstellung:
Das Motto war eindeutig „Low-Budget-Upcycling“, d.h. ohne möglichst zusätzlich Geld auszugeben einen einfachen „Nintoaster“, welcher die guten alten NES-Spiele abspielen kann zu bauen.

So ein „Nintoaster“ (Nintendo + Toaster) ist keineswegs eine neue Idee. Es gibt zahlreiche Versionen in allen Farben und Formen davon (NES, Supernintendo, N64). Viele Leute bringen da deutlich mehr Zeit, Geld, Arbeit und nicht zuletzt ein höheres Maß an Bastel-Skills mit ein, aber all diese Dinge habe ich zurzeit leider nicht in ausgeprägter Form, darum ist es bei einem relativ schlichten Casemod geblieben.

Wie immer habe ich einfach drauf los gewerkelt, es gibt also keine Skizze oder einen Plan wie Teile angeordnet werden sollen – das sieht man auch an einigen Stellen. Im Nachhinein gibt es natürlich ein paar Kleinigkeiten die ich mit genauerer Planung vorab wohl anders gelöst hätte, aber das ist für mich in Ordnung.

Hier noch eine kleine Zusammenfassung der verwendeten Teile und Werkzeuge:

Teile:

– Ein alter Toaster (Defekt)
– Eine NES-Clone-Console (Gehäuse defekt)
– Ein paar Schrauben, Muttern u. Beilagscheiben
– Ein Stück Holz
– Drähte aus einem alten LAN-Kabel

Werkzeug:

– Proxxon Schleifer mit diversen Aufsätzen
– Bosch Akkuschrauber mit Bitsatz
– Lötkolben (Zinn, Entlötpumpe, …)
– Ein paar Schraubenzieher
– Eine Zange

Hinweis zum Toaster:
Wichtig war mir ein „Langschlitz“-Modell zu finden (also nur ein Schlitz, die meisten Toaster haben ja zwei). Darum fiel die Wahl auf einen alten BOSCH Toaster (Modell TAT3600 FD 7201). Das Baujahr ist mir leider nicht bekannt, es lässt sich kaum etwas darüber finden, aber ich bin mir fast sicher, dass das gute Stück schon einige Jahre älter ist wie ich 🙂

Fun Fact: BOSCH stellt heutzutage immer noch diese Modelle mit nur einem Schlitz her. Optisch noch etwas ansprechender, aber ich wollte kein neues Modell opfern (zudem wäre das nicht mit dem Ziel möglichst kein, bzw. kaum Geld auszugeben vereinbar gewesen).

Hinweise zur NES-Konsole:
Ursprünglicher Plan war es eine originale NES-Konsole zu verbauen. Allerdings wäre dies nicht nur deutlich schwieriger gewesen, ebenso gibt es diese originalen Retro-NES-Konsolen (Baujahr 1985 🙂 ) leider nicht mehr wie Sand am Meer. Eine Konsole mit Kabeln wird schon für ca. 50€ gehandelt, das hätte den Rahmen gesprengt. Weiterhin bringe ich es nicht über’s Herz ein noch funktionierendes so kultiges Gerät für ein – vielleicht nicht oder nur teilweise erfolgreiches – Bastelprojekt zu schlachten.
Daher habe ich mir eine NES-Klon-Konsole in meinem Bastelforum ertauscht (gegen drei alte PS2-Spiele, die hier sowieso nur rumlagen). Diese Klon-Konsole hat praktisch die exakt gleiche Funktionalität wie ein originales NES, jedoch sind das Mainboard und alle Verbindungen deutlich kleiner sowie – das musste ich später schmerzhaft – feststellen – deutlich billiger gefertigt. Optisch erinnert das Teil eher an eine SONY PS1, das liegt wohl daran, dass die Firma Geld von verwirrten Kunden für veraltete Hardware abgreifen wollte – ach ja, China… 😉

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Ein kleiner Hinweis noch:
Leider habe ich es diesmal verpasst permanent Bilder zu machen, somit ist dies kein vollständiges „Build-Log“ oder Tutorial, sondern nur eine Dokumentation von zufällig ausgewählten Arbeitsschritten 😉

Das ganze Öffnen und Entkernen des Toasters sparen wir uns jetzt mal – nur so viel: Es war schwerer als gedacht! Das Teil war für die damalige Zeit schon relativ „integriert“ gebaut und wohl nicht dafür gedacht, jemals auseinander (und vor allem wieder zusammen) gebaut zu werden.
Die Außenwand ließ sich noch ziemlich problemlos entfernen (alles nur geklipst und nicht verschraubt/ verklebt), doch spätestens am Griff zum Herunterdrücken des Toasters sowie dem Drehrad zum Einstellen der Garzeit wäre ich fast verzweifelt. Diese sind mit kleinen Plastiknasen versehen, die natürlich nicht zerstört werden sollten. Allerdings mussten die beiden Teile ja entfernt werden, bevor man das Gehäuse öffnet – uff! Erster Schritt geschafft…

Anschließend musste die Klon-Konsole vom schon angebrochenem Gehäuse befreit werden. Der Anblick war ernüchternd und faszinierend zugleich:

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Prinzipiell nicht die schlechteste Voraussetzung, die Teile gut im Toaster unterzubringen. Allerdings machen mir die kurzen Kabel sowie die sehr billig wirkenden Lötstellen etwas Sorgen – naja – mal abwarten. Ebenso wurde hier viel mit sehr billigem Kleber gearbeitet, dieser musste zuerst aufwändig entfernt werden.

Die Hauptplatine besteht aus dem Mainboard sowie dem Slot für die NES-Module. Da die Module relativ fest im Cartridge-Slot stecken müssen um einen ordentlichen Kontakt herzustellen, musste ich ein eigenes Fundament basteln. Ein paar einfache Schrauben im Blech (oder im Plastikboden) hätten wohl nicht ausgereicht und beim Herausziehen eines Spielmoduls wäre das ganze Gerät zerbrochen.
Befestigt wurde das Holzfundament mit vier Schrauben und Muttern auf der Unterseite des Plastikeinsatzes unter dem Blech. Dafür mussten vom Boden ein paar Plastikteilchen weggefräst werden. Das Blech hatte bereits vorgebohrte Löcher, welche ich für das Fundament nutzen wollte. So musste exakt ausgemessen werden an welchen Stellen das Holz durchbohrt werden musste.

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An dieser Stelle ist mir schnell klargeworden, dass das mit den originalen Kabeln (grau) wohl nichts werden wird. Ich habe leider Recht mit meiner Vermutung behalten, dass die dünnen Kabel sowie die schlechten Lötstellen nichts taugen. Bei einem ersten Test das Mainboard mit Cartridge-Slot auf das Holzfundament zu schrauben, sind gleich die ersten Lötstellen gebrochen, bzw. die Kabel am Ende abgerissen. Das bedeutet: Neu machen.
Maximal die Controllerports können – und sollen wenn möglich – mit originalen Kabeln angeschlossen bleiben, da diese Lötstellen wirklich klein und sehr eng beieinander waren. Das wäre mir zu heiß gewesen, daran etwas zu verändern.

Gott sei Dank sind die Blechwände des Toasters relativ stabil, sodass die Controllerports einigermaßen gut darin Halt finden. Dem aufmerksamen Beobachter wird auffallen, dass die beiden ausgefrästen Blechteile gleich für die Befestigung der Controller-Ports wiederverwendet wurden! Zufällig hatte die halbkreisförmige Aushöhlung ein geeignetes Format um die seitlichen Plastikhalter der Controllerports jeweils mit einer Schraube und Mutter auf der anderen Seite des Blechs zu befestigen.

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Anschließend ging es darum auch dem Gerät Saft zu geben! Der Nintoaster soll sich ja schließlich über Herunterdrücken des Tasters einschalten lassen. Auch hier hatte ich Glück! Die maximale Höhe der Mechanik hat genau ausgereicht, um den Taster zu betätigen. Jetzt musste dieser nur noch fixiert werden.

Fun Fact: Das ist übrigens das einzige Mal, bei dem Ich Kleber (Sekundenkleber) verwendet habe. Mir ist nichts besseres eingefallen, den Taster auch wirklich fest am Plastik zu befestigen.

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Zur Verkabelung habe ich ja bereits einiges gesagt, aber dass es so schlimm aussieht konnte ich erst im Verlauf des Projekts lernen. Immer wieder mussten, bei jeweils verschiedenen Arbeitsschritten, Lötstellen neu gemacht werden, weil sie wieder abgerissen/gebrochen sind. Ebenso mussten die Kabel zum Taster sowie zur Power-LED verlängert und natürlich isoliert werden. Die Schraube(n) – später durch einen Nagel ersetzt – dienen nur dazu, dass die Kabel nicht über den Modulslot rutschen, sonst könnte ggf. kein Spiel mehr eingesteckt werden.

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Lange war mir nicht klar, wie ich die externe Platine (für Audio/Video-Signal und Netzteilanschluss zuständig) im, bzw. am Toaster befestigen soll. Letztendlich habe ich mich für die Seitenwand entschieden, sodass die Buchsen auf der Hinterseite des Toasters (und somit auch die Kabel) hinten aus dem Toaster rausgeführt werden können.

Auch hier spielte mir die Verkabelung einen üblen Streich. Die Kabel sind jeweils am Mainboard sowie an der AV/Power-Platine so oft abgerissen, dass ich mich entschieden habe, diese neu zu verlöten. Bei dieser Gelegenheit habe ich gleich „die Abkürzung“ durch eine Spalte im Blech genommen.

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Zwischendurch habe ich die Elektronik immer wieder getestet, ob noch alles funktioniert. Während eines Testvorgangs am TV verschwand das Bild auf einmal und die LED ging aus – P.A.N.I.K !
Das sind die Momente in denen Bastelprojekte wie dieses drohen zu scheitern, in der Mülltonne landen und/oder als Lehrgeld verbucht werden. Gott sei Dank habe ich mich diesmal dagegen entschieden und nach einiger Zeit die kalten Lötstellen gefunden, neu gelötet und siehe da: Läuft! 🙂

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Damit der Toaster auch authentisch aussieht, dürfen natürlich die klassischen Drahtgitter nicht fehlen. Leider waren diese in meinem neuen Design (u.a. auf Grund des neuen Fundaments) nun zu lang und mussten abgeschnitten werden. Ebenso waren die Teile zuvor nur sehr lose im Toaster eingehängt, was zu Abstandsproblemen bei einem eingesteckten Modul führen könnte. Darum habe ich Plastikteile des defekten Gehäuses Klon-Konsole als Halterungen verwendet – wieder etwas recycelt – cool!

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Sehr zufrieden bin ich mit der Power-LED. Diese wurden im Drehregler befestigt. Dafür musste natürlich ein passendes Loch gebohrt/gefräst werden. Die Schwierigkeit lag hier nicht beim ausmessen oder ausfräsen, sondern definitiv beim Einbau der LED von Hinten in den Drehregler. Dies konnte nämlich erst nach Zusammenbau des kompletten Gehäuses geschehen!

Fun Fact: Der Regler ist durch eine kleine Nase (+ dazugehöriger Bohrung) fest verankert, so dass er sich nicht mehr drehen lässt. Damit würde man nur riskieren die LED-Verkabelung zu zerstören.

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Anschließend wurden die Außenbleche wieder angeschraubt um zu prüfen ob alles noch rein passt.

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Um zu verhindern, dass das Modul falsch (zu weit seitlich) eingesteckt wird, wurden aus einem übrig gebliebenen Seitenwandblech zwei kleine Platten ausgeschnitten und einfach zwischen Rahmen und Oberteil eingeklemmt. Es wurde absichtlich etwas Abstand zum Modul gelassen, damit man es einfacher aus dem Schacht herziehen kann.

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Endlich – der technische Teil war größtenteils geschafft. Nun ging es darum das Gehäuse zu bearbeiten. Es mussten Löcher auf der Rückseite für AV/Strom und auf der Vorderseite für die Controllerports gebohrt werden.
Extrem schwierig war hier auszumessen, wo die entsprechenden Löcher letztendlich sein müssen, weil man dafür das Gehäuse immer komplett zusammenbauen musste. Mit reinem Ausmessen bin ich nicht weit gekommen – die Messungen wichen jedes Mal voneinander ab…

Fun Fact: Mit Sicherheit nicht die beste Arbeit, aber ich bin für damit zufrieden. Mehr war in der Kürze der Zeit und mit dem zur Verfügung stehenden Werkzeug (und nicht zuletzt meiner Geduld) einfach nicht drin.

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Endlich geschafft – insgesamt hat das dann doch etwas länger gedauert als erwartet, aber ich denke das Ergebnis kann sich sehen lassen. Einige Punkte hätte man mit Sicherheit besser machen können oder nachträglich noch etwas aufwerten, aber ich finde das passt ganz gut zu dem eigentlichen „Low-Budget-Upcycling“–Thema!

Fun Fact: Bei der Verwirklichung dieses Projektes sind keine Tiere oder noch funktionierende Elektrogeräte zu Schaden gekommen!

Hier noch ein abschließender Eindruck von Rück- und Vorderseite:

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Jetzt kann endlich gezockt werden!!!! 🙂

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