#125 – Nippes und Tand(berg) – III – tape software

Mann, was war denn das für ein Reinfall beim letzten Mal? Erst ist das blöde Laufwerk defekt und dann zickt die Software… Freunde, ich sag’s euch – IT ist nichts für Weicheier, es ist ermüdend… 🙂

Jetzt aber zurück zum Thema. Heute wollen wir mal eine alternative Software namens „TurboTape“ ausprobieren. Vielleicht lassen sich damit mehr Daten auf das Band schreiben?

Fun Fact: Im Handbuch des Bandlaufwerks werden zwar verschiedene Software-Produkte empfohlen, aber meist sind das recht professionelle (und somit unbezahlbare) Produkte wie z.B. „ARCserveIT“ (heute „Arcserve Backup“) oder „Veritas Backup Exec“ mit einem wesentlich größeren Funktionsumfang. Zudem sind die benötigten Versionen so alt – da sehe ich keine realistische Chance die irgendwo her zu bekommen… 😦

Mal sehen… Auch bei TurboTape muss das Band einmalig initialisiert werden. Leider sind die beiden Tools nicht miteinander kompatibel und so musste ich das Band auch im „Turbo Tape Standard“ nochmals formatieren:

Die Software sieht etwas altertümlich aus, aber immerhin bietet sie laut Changelog Support für Dateien größer als 4 GB! Na, das wollen wir doch gleich mal probieren. Als Testobjekt habe ich das 6,5 GB große retrololo-Verzeichnis hergenommen. Zumindest läuft der Sicherungsvorgang ohne Probleme an:

Und auch bei über 4096 MB scheint es keine Probleme zu geben! 🙂

Fertig! Insgesamt 51 Minuten für 6,5 GB. Nicht gerade schnell, aber wenn es erfolgreich war, ist mir das egal 🙂

Jetzt ist die Frage, ob auch das Wiederherstellen der Sicherung klappt. Angeblich lassen sich mit der Software sogar einzelne Dateien aus einer Bandsicherung wiederherstellen. In jedem Fall muss vor dem Restore der Index vom Band eingelesen werden:

Tatsächlich habe ich es geschafft, einzelne Daten aus der Sicherung wiederherzustellen. Blöd ist nur, dass (egal was man angibt) immer nur die erste Datei oder das erste angegebene Verzeichnis zurückgesichert wird!

Auch scheint die Software nicht wirklich zuverlässig zu arbeiten, denn hin und wieder poppen kryptische Fehlermeldungen auf:

Fun Fact: Angeblich gibt es auch eine inkrementelle Sicherung (bei der nur veränderte oder neu zu sichernde Daten ergänzt werden), doch leider bekommt man auch hier direkt eine Fehlermeldung noch bevor irgendwas aufs Band geschrieben wird…

Was den vollständigen Restore angeht wurden die Daten leider auch nach eineinhalb Stunden Wartezeit nicht ganz vollständig wiederhergestellt. Trotzdem sind 5.880 zurückgesicherte Dateien (von 5.888 gesicherten) keine schlechte Quote und fairerweise muss man sagen, dass das jetzt auch an dem Band oder einem verdreckten Schreib-/Lesekopf liegen könnte.

Fun Fact: Ein Vorteil wäre, dass die Software eine Dateikomprimierung anbietet. Allerdings wird ein recht schwaches ZIP-Kompressionsverfahren verwendet, was nicht viel Platz spart. Und wenn ich ehrlich bin möchte ich eigentlich ganz auf eine Kompression verzichten, um mir nicht noch eine weitere Fehlerquelle einzuhandeln… 😉

Alles in allem nicht wirklich befriedigend. Es hilft alles nichts, wir müssen noch einmal in den Untiefen des Internets graben… Gibt es vielleicht nicht doch die eine Software, die wirklich gut für meinen Anwendungsfall funktioniert? Ich kann euch sagen – ich habe verdammt lang gesucht um was Geeignetes zu finden, aber ich denke ich bin mit „Z-DATdump“ fündig geworden!

Fun Fact: Eigentlich kein Wunder, dass es am Markt fast keine Lösungen (mehr) gibt – wer produziert schon noch Software für alte Bandlaufwerke, die mit einer veralteten Technologie arbeiten und auf einem veralteten Betriebssystem laufen? 😛

Optisch erinnert das gute Stück an Z-TapeDump aus Artikel 124 und ist wohl tatsächlich eine Weiterentwicklung davon. Alleine die Installation war ein „Retro-Abenteuer“ vom feinsten. So mussten z.B. einige DLL-Fehler händisch glattgebügelt werden. Die größte Herausforderung war es, eine alte Version zu finden, welche noch unter Windows 2000 lauffähig ist und trotzdem noch registriert werden kann! 😀

Fun Fact: Um alle Features zu nutzen lohnt sich die Pro-Version definitiv. So können damit auch einzelne Dateien wiederhergestellt und Sicherungen größer als 12GB angelegt werden. Ebenso werden Dateiinformationen (Attribute wie „wann erstellt“, „wann geändert“ oder „letzter Zugriff“) bei der Pro-Version mit übernommen! 🙂

Immerhin startet die Software ohne Probleme und erkennt auch gleich mein Bandlaufwerk!

Zum Testen habe ich ein neues Band verwendet, welches natürlich wieder formatiert werden muss.

Hierfür muss über den Menüpunkt „Laufwerk“ die Option „einrichten“ ausgewählt werden.

Natürlich muss der Software wieder mitgeteilt werden, um welchen Bandtyp es sich handelt:

Anschließend wird die Kassette in mehreren Schritten eingerichtet:

Geschafft! Die Kassette ist startklar und unser neues „retrololo“-Volume wird einwandfrei erkannt! 🙂

Fun Fact: Nach jedem Vorgang (sei es nun eine Formatierung, eine Sicherung oder ein Restore) muss das Band zum Anfang zurückgespult werden. Die Funktion übernimmt die Software automatisch für uns, aber der Vorgang dauert (je nach Volumen der Daten) etwas (bei mir waren es immer ca. 3 Minuten).

Um jetzt auch Daten zu sichern, müssen diese über den Punkt „Einstellungen => Datenauswahl“…

…ausgewählt werden. Für den Test habe ich mir ein großes Verzeichnis mit den bisherigen retrololo-Musikalben (MIDIs, MP3s, Videos, Cover, etc.) erstellt, weil diese Daten mir am wichtigsten sind! 😉

Mit einem Klick auf „Dump“ wird dann die Sicherung gestartet. Natürlich muss zuvor die Dateiliste erstellt werden:

Die Sicherung läuft! 🙂

Fun Fact: Wie schnell die Sicherung läuft hängt davon ab, wie viele Dateien gesichert werden müssen und wie groß diese sind. Generell gilt: Viele kleine Dateien sind schlecht und erzeugen viel Overhead. Je größer die Dateien, desto schneller läuft auch die Sicherung. Das ist nicht nur bei Bandlaufwerken so! 😉

In meinem Fall waren es ca. 42 Minuten für 5.190 Dateien mit einer Gesamtgröße von 6.840MB. Das entspricht einer Übertragungsgeschwindigkeit von ca. 2,65MB/Sekunde. Klar – aus heutiger Sicht ist das nicht die Welt, aber wenn man bedenkt, dass der theoretische Maximalwert für das Laufwerk bei 3MB/Sekunde liegt ist das gar nicht schlecht! 🙂

Über die Menüauswahl „Anzeigen“ lässt sich die Dateiliste mit dem Inhalt der Kassette auslesen:

Fun Fact: Dieser Vorgang dauert nur ca. 15 Sekunden. Kein Wunder, dass das so schnell geht, denn der Index ist am Beginn des Bands gespeichert.

In dem Menü lassen sich auch gleichzeitig einzelne Dateien zurücksichern. Als Test habe ich sieben Dateien aus der Liste ausgewählt und den Restore-Prozess gestartet:

Tatsächlich wurden alle sieben Dateien gefunden und nach insgesamt 22 Minuten wiederhergestellt. Wie lang so etwas dauert, ist natürlich auch davon abhängig, an welcher Stelle die Daten auf dem Band abgelegt sind (je weiter am Anfang, desto besser).

Fun Fact: Immerhin ist die Software so klug und hört auf zu lesen, sobald alle angeforderten Dateien gefunden wurden.

Und siehe da, alles noch heile! 🙂

Abschließend wäre es noch spannend zu prüfen, ob sich die gesamte Sicherung wiederherstellen lässt. Gesagt, getan – mit einem Klick auf Restore (sowie ein paar langweiligen Auswahlmenüs wohin man die Daten zurücksichern möchte) geht’s los:

Puh, ich befürchte das wird was Längeres…

Nach zweieinviertel Stunden war es dann endlich so weit. Laut Programm wurden alle 5.190 Dateien (6.840MB) in einer Geschwindigkeit von ca. 0,85MB/Sekunde zurückgesichert. Zugegeben – nicht gerade schnell, aber verständlich, wenn man bedenkt, dass die Dateien ja wieder einzeln aufgedröselt und auf einen Zieldatenträger geschrieben werden müssen.

Fun Fact: Ich denke, der Restore könnte auch etwas schneller laufen, aber mir ist erst im Nachhinein aufgefallen, dass ich für den Test als Ziellaufwerk leider einen sehr alten und extrem langsamen USB-Stick verwendet hatte. 😀

Und tatsächlich – auch laut Windows sind alle Dateien zurückgesichert worden. Ich bin begeistert, dass das echt funktioniert hat! 🙂

Fun Fact: Lasst euch von den merkwürdigen Datums- und Zeitangaben nicht verwirren – die Uhr des alten Shuttle-PCs ist falsch eingestellt… 😀

Neben den Standardfunktionalitäten bietet die Software noch zahlreiche weitere Möglichkeiten. So gäbe es z.B. zahlreiche Kommandozeilenparameter, mit denen man automatisierte Backupskripte erstellen könnte. Auch lässt sich ein Report über die auf dem Band gesicherten Dateien erstellen und ausdrucken:

Beim Auswurf der Kassette (durch Drücken des Eject-Knopfes) spult das Laufwerk das Band selbstständig auf die Anfangsposition zurück – das nenne ich mal Komfort! 😀

Tja, was bleibt abschließend über das Tandberg-Laufwerk, bzw. die Sicherung von Dateien auf Band zu sagen? Ich denke aus heutiger Sicht hat sich das Thema „Band“ erledigt. Musikkassetten hört schon lange keiner mehr, VHS ist auch schon Geschichte und selbst im professionellen Umfeld kommen Bandlaufwerke immer seltener zum Einsatz. Mir persönlich gefällt so Zeug einfach (welch ein Wunder :P)! Klar, diese Art der Speicherung ist eher als „Langzeitarchiv“ zu sehen und nicht als temporärer Speicher, auf den permanent zugegriffen wird. Ich finde, dafür erfüllt es seinen Zweck sehr gut.

So, jetzt ist aber Feierabend. Bleibt abschließend eigentlich nur noch eine Sache zu tun… 😉

In diesem Sinne – bis die Tage! 🙂

#124 – Nippes und Tand(berg) – II – tape trouble

Nachdem wir das Tandberg Laufwerk beim letzten Mal startklar gemacht haben, wird es jetzt endlich Zeit das Teil im Einsatz zu sehen! 🙂

Also, als erstes sollten wir das Laufwerk mal anschalten…

Damit wir Daten „auf Band“ speichern können, brauchen wir eine geeignete Software. Eine große Auswahl hat man hier nicht, da es mittlerweile wohl ein ziemliches Nischenvorhaben ist, im privaten Umfeld Daten auf Bänder zu sichern! 😉 Ich habe mich für „Z-TapeDump“ entschieden, weil es für Privatanwender kostenlos ist und noch unter Windows 2000 läuft! 🙂

Die Software ist so clever und erkennt, dass noch kein Band eingelegt ist:

Da wollen wir gerne nachhelfen und einen Datenträger einlegen…

Fun Fact: Ich habe einen der neuen Datenträger verwendet, um eventuelle Fehler zu vermeiden. Ich könnte mir vorstellen, dass die gebrauchten vielleicht nicht mehr (reibungslos) funktionieren könnten.

Nach dem Einlegen dauert es eine ganze Weile (ich würde fast ca. sieben Minuten schätzen), bis der Laufwerksmechanismus aufgehört hat auf die Kassette zuzugreifen.

Fun Fact: Tatsächlich hängt es wohl davon ab, ob das Band bereits eingerichtet wurde und wenn ja wie umfassend es bereits beschrieben ist. Bei einem bereits formatierten/beschriebenen Band dauerte der Einlesevorgang nur noch knapp eine Minute.

Bevor die Kassette verwendet werden kann, muss das Band „formatiert“ werden. Dafür nennen wir der Software um welchen Typ es sich bei der eingelegten Kassette handelt.

Der Formatierungsvorgang wird in mehreren Schritten durchgeführt und dauert ca. zwei Minuten:

Kaum ist die Formatierung beendet, wird das Band von der Software erkannt und kann beschrieben werden:

Hierfür müssen über den Menüpunkt „Setup“ Daten für eine Sicherung ausgewählt werden. In der kostenlosen (Privatanwender-) Version können leider nur bis zu max. 5 Verzeichnisse angegeben werden. Für uns prinzipiell egal, da wir ja ein großes Hauptverzeichnis mit vielen Unterordnern haben! 🙂

Anschließend kann die Sicherung auf Band über die Auswahl „Dump“ gestartet werden. Der Sicherungsvorgang erfolgt in mehreren Schritten. Als erstes wird eine Dateiliste der zu sichernden Daten erstellt.

Fun Fact: Je nachdem von welchem Medium (Festplatte, USB-Stick, etc.) man Daten sichert, kann das einige Minuten Zeit in Anspruch nehmen.

Wurden die Dateien gesammelt, beginnt der eigentliche Sicherungsvorgang auf die Kassette:

Fun Fact: Wer sich erinnert – in Artikel 121 haben wir ja bereits Daten auf „Band“ gesichert. Letztendlich machen wir heute nichts Anderes, nur in einer ganz anderen Dimension… 😉

Ich bin erstaunt – bis jetzt hat doch tatsächlich alles einwandfrei funktioniert. Doch was ist das? Mitten während des Sicherungsvorgangs poppt eine merkwürdige Fehlermeldung auf:

Und auch aus dem Laufwerk kommen einige laute Geräusche? Das hört sich nicht gesund an! 😦 Zusätzlich leuchten die LEDs auf der Vorderseite wie wild auf:

Puh – erst mal alles ausschalten und untersuchen. Nachdem ich mühevoll das Band rausoperiert hatte, wurde mir auch schnell klar, dass das so nichts werden kann. Oben im Bild sieht man ein intaktes Band, unten im Bild eines, welches vom Laufwerk zerstört wurde:

Fun Fact: Hatte ich nicht beim letzten Mal erwähnt, dass die Laufwerke meist recht robust aufgebaut sind? Sieht so aus als hätte ich ein Montagsmodell erwischt… 😀

Ich habe erst vermutet, dass es nur eine Einstellung des Schreib-/Lesekopfes ist, aber tatsächlich scheint an der Mechanik mehr defekt zu sein. Zumindest kam mir ein kleines Plastikteil entgegen und einige Komponenten wirken etwas verbogen…

Echt schade, aber das Laufwerk ist wohl reif für die Tonne (oder maximal noch als Ersatzteillager zu gebrauchen). Zumindest gibt uns das die Möglichkeit die zerstörte Kassette mal aufzuschrauben und uns den Mechanismus anzusehen. Es funktioniert tatsächlich so, wie in Artikel 123 beschrieben – echt cool gemacht! 🙂

Aber wie kommen wir jetzt bei der eigentlichen Baustelle weiter? Es hilft nichts, ich muss nach einem Ersatzlaufwerk suchen. Wieder war es nicht einfach, aber schlussendlich habe ich dann doch noch so ein Teil auftreiben können:

Fun Fact: So „kleine Rückschläge“ sind immer frustrierend – gerade wenn es um schwer zu beschaffende Retro-Hardware geht! Aber hey – so ist das Leben. Es kann nicht immer alles glatt laufen, shit happens! 🙂

Es sieht so aus als wäre es ein zwei Jahre später (in China) hergestelltes Modell. Zumindest ist schon die aktuellste Firmware drauf, also spare ich mir den mühsamen Update-Prozess! 😉

Jetzt muss ich eigentlich nur noch schnell das neue Laufwerk einbauen bzw. austauschen…

…einen neuen Datenträger einlegen, diesen formatieren und die Sicherung erneut aufsetzten. Ob wir diesmal mehr Glück haben?

Es scheint fast so, denn der Vorgang läuft ohne Probleme durch! Nach Abschluss der Sicherung wird das Band wieder auf Anfang zurückgesetzt (also zurückgespult)…

… und die Daten werden wieder erneut eingelesen und validiert (CRC-Check).

Ist das auch erledigt, ist die Sicherung beendet und man kann sich den Inhalt des Bands anzeigen lassen. Das geht relativ schnell, da hierfür nur der Index zu Beginn des Bandes gelesen werden muss.

Fun Fact: Hm, zumindest sind alle Dateien noch da, aber deren Größenangaben macht mich etwas stutzig! 😀

Ob das jetzt wirklich alles geklappt hat, lässt sich wohl nur durch eine Rücksicherung („Restore“) der Daten feststellen. Dabei kann ausgewählt werden, ob die Daten an ihren ursprünglichen Ort zurückgespeichert oder in ein neues Verzeichnis geladen werden sollen.

Fun Fact: Ebenso kann ausgewählt werden, ob man die Verzeichnisstruktur beibehalten möchte, oder alle Daten in einen Ordner zurücksichern möchte. Gerade letztere Option ist meiner Meinung nach nicht sehr sinnvoll! 😉

Der Restore läuft – jetzt heißt es Daumen drücken!

Fun Fact: Theoretisch müssten sich auch einzelne Dateien wiederherstellen lassen, doch leider ist das in der kostenlosen Version nicht möglich. Ein Kauf der Software ist leider auch nicht mehr möglich, da der Support nicht mehr auf Anfragen reagiert. Typische Retro-Probleme… 😉

Und tatsächlich – es scheint so als hätte alles funktioniert, denn ich kann die auf Band gesicherten und wieder geladenen MP3-Dateien noch anhören – ich bin begeistert! 😀

Zugegeben, das war jetzt auch keine Große Datenmenge (122 MB). Und eigentlich wollten wir ja auch nicht irgendwelche MP3-Dateien, sondern ein paar Blogartikel sichern! Na, dann wollen wir doch gleich mal ein etwas größeres „retrololo“-Verzeichnis (ca. 6,5 GB) sichern! 🙂

Doch leider kommt diesmal schon beim Erstellen der Dateiliste für die Sicherung ein Fehler. Bei ca. 4096 MB ist Schluss – das klingt für mich nach einer typischen FAT32-Beschränkung. Das ist merkwürdig, denn das Tool läuft auf einer NTFS-Partition und die zu sichernden Daten befinden sich auch auf einem mit NTFS formatierten Laufwerk. Vielleicht kann die Software das einfach nicht?

So ein Mist, so nah am Ziel und doch noch so weit entfernt! 😦

Ich befürchte es hilft nichts – wir müssen eine Sonderschicht einlegen und beim nächsten Mal nach einer alternativen Software suchen…

Ok, einer geht noch…

Bis zum nächsten Mal… ^^

#123 – Nippes und Tand(berg) – I – basics

Vorwort: Eigentlich wollte ich das Thema des heutigen Blogartikels in „einem Aufwasch“ behandeln, aber wie es (fast) immer so ist, wenn Retro-Technik ins Spiel kommt, ging einiges schief! 😀

Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden einen Dreiteiler draus zu stricken. Manchmal ist es echt schwer eine geeignete Balance zwischen „interessant & informativ“ und „unnötiges Gelaber & Wiederholungen“ zu finden…

Ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht übel und könnt trotzdem über die ein oder andere Stelle schmunzeln… 🙂

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Erinnert ihr euch? In Artikel 119 haben wir ja dem alten RAID-System ein Upgrade verpasst und die bisherigen Blogartikel darauf gesichert. Eigentlich könnte ich damit zufrieden sein, doch leider ist mir beim Aufschrauben des RAIDs aufgefallen, dass mehrere Pins an den Sockeln direkt am Mainboard verbogen, bzw. mittlerweile abgebrochen sind. Tatsächlich ist das nur nicht früher aufgefallen, weil die Platten recht stark in das Gehäuse gequetscht wurden und die Pins nur noch „durch Glück/Zufall“ Kontakt hatten!

Nicht schön! Und definitiv keine leichte Reparatur… Hm, da hilft alles nichts – wir brauchen eine Alternative um den Blog zu sichern. Aber was? Einfach eine USB-Festplatte anstöpseln? Oder die Daten in die Cloud hochladen? Niemals! 😛 Zum einen wäre das ja viel zu einfach und zum anderen definitiv nicht „retro“ genug! 😉

Ich glaub ich habe da die perfekte Lösung. Nachdem wir in Artikel 121 bereits mit Daten auf Band (wenn auch nur auf einer einfachen Musikkassette) rumgespielt haben, ist mir eine Idee gekommen…

Dieses Monstrum ist ein externes SCSI-Gehäuse der Firma Varix – Modell 301. Es bietet Platz für ein 5,25“-Laufwerk und ermöglicht so den Anschluss eines internen SCSI-Geräts an einen Rechner mit SCSI-Controller. Lediglich die Front ist aus Plastik, der Rest des Gehäuses ist aus Metall und wirkt dementsprechend sehr massiv (und schwer)! 🙂

Darin verbaut ist ein kleines 65W-Netzteil mit zwei Molex und einem Berg Stecker. Die Hauptattraktion ist aber natürlich das eingebaute Gerät! 🙂

Hierbei handelt es sich um ein Tandberg SLR7, ein altes Bandlaufwerk mit einem 68-poligen Ultra2 Wide SCSI-Anschluss – cool!

Fun Fact: SLR steht hierbei für „Scalable Linear Recording“, dem Aufzeichnungsverfahren, welches das Tandberg-Laufwerk verwendet. Aus diesem Grund werden diese Bandlaufwerke auch gerne „Streamer“ genannt.

Das gute Stückt stammt aus dem Jahre 2002 und wurde angeblich in Norwegen gefertigt. Das kann gut sein, denn die Ursprünge der Firma liegen tatsächlich in Skandinavien. 1979 wurde das Unternehmen aber umstrukturiert und ist mittlerweile in Deutschland unter dem Namen „Tandberg Data GmbH“ ansässig.

Mann, bin ich froh, dass das Teil schon verbaut und verkabelt ist, so muss ich mich nicht mit dem Setzen der Jumper für SCSI-Laufwerke auseinandersetzen! 😉

So viel zur Theorie. Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage zu klären, ob wir das gute Stück tatsächlich zum Laufen bekommen? Challenge accepted! 😀

Als PC-System möchte ich wieder den alten Shuttle verwenden, denn der hat ja bereits einen SCSI-Controller verbaut. Zum Anschluss des Laufwerks wird natürlich ein spezielles Kabel benötigt. Gut, dass ich hierfür das SCSI- und Stromkabel des RAID-Systems verwenden kann! 🙂

Fun Fact: Ein weiterer Vorteil der Nutzung der Adaptec-Karte im Shuttle-PC ist es, dass wir keinen SCSI-Terminator mit an das Gerät stecken müssen, da die PCI-Karte die Funktion für uns automatisch übernimmt! 🙂

Dann wird es spannend… Bevor der PC eingeschaltet wird, muss natürlich das Bandlaufwerk gestartet werden. Mal sehen, zumindest wird die Power-LED grün und es blinkt eine Status-LED auf:

Fun Fact: Ebenso gibt das Teil ein paar laute Geräusche von sich. Ich würde mal vermuten, der Laufwerksmechanismus versucht auf ein – nicht eingelegtes – Band zuzugreifen. Klingt fast so, als würde jemand an einer Nähmaschine arbeiten! 😀

Jetzt wird es Zeit den PC hochzufahren. Zumindest die Adaptec-SCSI-Karte scheint das Tandberg-Laufwerk grundlegend zu kennen und nennt es gleich mal beim Namen:

Windows selbst hat zwar verstanden, dass es um ein Tandberg-Gerät geht, aber so richtig viel kann das System mit dem Bandlaufwerk nicht anfangen. Im Gerätemanager wird das SLR7 als „anderes Gerät“ erkannt, es scheint ein entsprechender Treiber zu fehlen.

Alles kein Problem, denn tatsächlich bekommt man passende Software bis heute problemlos auf der Herstellerseite – das nenne ich mal lobenswert!

Fun Fact: Selbstverständlich habe ich die benötigten Treiberdateien auf eine Diskette kopiert und damit zum Shuttle übertragen – wenn „retro“, dann richtig! 😉

Die Installation des Treibers kann direkt von Laufwerk A:\ (Diskettenlaufwerk) durchgeführt werden:

Und siehe da, mit etwas Überredungskunst…

… erkennt auch Windows das Bandlaufwerk korrekt – nice! 🙂

Zur Überprüfung der Laufwerksdaten gibt es eine Software namens „tdviewer“. Mit dieser lassen sich z.B. Informationen wie die Seriennummer oder die Version der Firmware ablesen.

Apropos Firmware – so wie es aussieht gibt es für das Laufwerk eine neue Firmware-Version. Ich denke ich sollte erst mal versuchen das Laufwerk auf den aktuellsten Stand (2004 anstatt 2002) zu bringen, bevor ich weiter damit experimentiere. 😉

Die Anleitungs-PDF für das Firmware-Upgrade habe ich mit „Adobe Acrobat Reader“ geöffnet. Auf dem System läuft Version 4.0 der Software – Mann das waren noch Zeiten! 🙂

Das Firmware-Upgrade startet man mit einem Tool namens „FlashIt“. Je nach Betriebssystemversion (DOS, Win95/98/Me oder WinNT4/W2000/XP) wird eine unterschiedliche Version benötigt.

Leider schmeißt mir das Firmware-Update-Programm einen Fehler frei nach dem Motto „kein kompatibles Gerät gefunden“ entgegen – seltsam!

Glücklicherweise habe ich in der Anleitung die Lösung gefunden. Das Gerät muss im Gerätemanager deaktiviert werden, da sonst Windows den Zugriff auf das Teil blockiert. Das muss man wissen… 😀

Immerhin wird das Laufwerk jetzt vom Update-Programm erkannt:

Bevor wir nun updaten können, muss nur noch eine geeignete Firmware für das Laufwerk ausgewählt werden. Das Programm ist so clever und sucht automatisch die passende Version heraus, sofern sich die Binärdateien im gleichen Verzeichnis befinden.

Fun Fact: Es gab wohl zwei unterschiedliche Revisionen des SLR7-Modells und je nachdem welche man besitzt, muss eine andere Firmware aufgespielt werden.

Anschließend läuft das Update ohne Probleme durch…

… und im tdviewer wird die aktuelle Firmwareversion angezeigt – sehr schön! 🙂

So weit so gut, oder? Ich denke jetzt könnten wir mal versuchen, ein paar Daten zu sichern. Neben dem eigentlichen Laufwerk benötigten wir natürlich auch noch ein paar Datenträger. Hierfür werden spezielle Magnetbandkassetten vom Typ „SLRtape7“ benötigt. Pro Band können bis zu 20GB an Daten gesichert werden – gar nicht mal so übel! Jetzt ist nur die Frage, wo man solche Medien noch herbekommen soll? Mit etwas Geduld konnte ich einen ganzen Haufen gebrauchter Kassetten für 3€ ersteigern – sehr schön! 🙂

Fun Fact: Das Laufwerk war leider etwas teurer, aber was tut man nicht alles für ein nettes Retro-Abenteuer! 😉

Ich muss zugeben, dass ich ziemlich erstaunt war, als das Paket mit den Bändern angekommen ist. So groß und schwer hatte ich mir die Kassetten nicht vorgestellt! Hier mal ein Größenvergleich zwischen einer Audiokassette und einem SLRtape7:

Fun Fact: Mit 224 Gramm ist das Band auch fast sieben Mal so schwer wie eine Musikkassette – heftig! 😀

Schaut man sich so eine Kassette genau an, erinnert sie optisch fast etwas an eine VHS-Videokassette (schwarzes Plastikgehäuse, Schreibschutz, Aufbewahrungsbox). Allerdings sind äußerlich keine Spulen erkennbar und die Rückseite der Kassette ist aus Metall gefertigt.

Technisch gesehen wird das Band – anders als bei einer Videokassette – über eine kleine Rolle auf der Seite, welche die Energie über ein Gummiband auf die intern verbauten Spulen überträgt angetrieben. Das hat den Vorteil, dass die Laufwerke meistens robust funktionieren und eine lange Lebenserwartung haben, weil die Verschleißteile in die Kassetten eingebaut sind. Das Band selbst besteht aus einem 8 mm breiten Magnetfilmstreifen.

Fun Fact: Würde man das Band dieser Kassette ausrollen, würde man knapp 471 Meter weit kommen! Spätestens jetzt wundert mich das hohe Gewicht nicht mehr! 🙂

Für mich sieht es fast so aus, als wären die Bänder mal in einem kleinen Unternehmen (oder bei einem ambitionierten Privatanwender) zum Einsatz gekommen. So gibt es für jeden Wochentag ein Band für eine inkrementelle Sicherung und für den Freitag ein weiteres Band für eine vollständige Sicherung. Samstag und Sonntag arbeitet keiner, da braucht man keine Backups! 😉

Ich hatte Glück und konnte sogar ein paar neue (noch original verschweißte) Kassetten für einen fairen Kurs (3€/Stück) ergattern. Keine Selbstverständlichkeit, denn noch neu verpackte Bänder können mittlerweile auch locker mal bis zu 40€ das Stück kosten, weil sie schon lange nicht mehr produziert werden!

Die Daten selbst werden mit einer Technologie namens „MLR“ auf die Magnetbandkassetten geschrieben. Die Aufzeichnung erfolgt dabei linear in einem seriellen Bitstrom auf parallel nebeneinanderliegenden Spuren. Im Datenblatt wird für das Laufwerk eine Übertragungsgeschwindigkeit von 3MB/Sekunde angegeben. Letztendlich ist das vermutlich nur ein theoretischer Wert – ich vermute, dass es in der Praxis eher langsamer sein wird… 😉

Fun Fact: Weitere populäre Formate zur Speicherung von Daten auf Magnetbänder waren bzw. sind z.B. DAT, DLT, LTO, QIC oder Travan.

Puh, jetzt reicht es aber wirklich mit der vielen Theorie… Eigentlich hatte ich heute vor auch die Funktion des Laufwerks noch zu testen, doch das müssen wir wohl aufs nächste Mal verschieben – sonst wird der Beitrag wieder viel zu lang! 🙂

Sorry! 😀

#122 – sauna on köyhän apteekki – I

„Sauna ist die Apotheke des armen Mannes“. Ungefähr so lässt sich der Titel des heutigen Blogartikels aus dem Finnischen übersetzen! 🙂

Na, wenn die Finnen das so sagen, dann wird wohl was dran sein (?)… Wenn ich genauer drüber nachdenke, wäre so eine eigene Sauna im Keller schon eine feine Sache. Immerhin haben ja die ganzen Thermen aufgrund der Corona-Situation geschlossen und vielleicht könnte man sich so zumindest etwas „Wellness“ in den eigenen vier Wänden gönnen…

Auf der Recherche nach einem geeigneten Modell gibt es zahlreiche Entscheidungen zu treffen und Optionen zu beachten. Wie viel Geld kann/möchte man für eine Sauna ausgeben? Welchen Ofen-Typ (finnischer Ofen, Bio-Ofen mit Verdampfer) möchte man haben? Welche Leistung (und somit welche Stromversorgung) wird für den Ofen benötigt (230V oder 400V)? Wie soll die Sauna aufgebaut sein (Massivholz, bzw. Blockbohlen oder Elementbauweise)? Wie groß muss, bzw. darf die Sauna sein, sodass sie einerseits in einen Raum reinpasst und andererseits nicht zu viel Energie verheizt? Alles Fragen, die man im Idealfall klären sollte, bevor man so eine Investition tätigt…

Was die Angebote von Saunen angeht, findet man im Internet einen Dschungel an Anbietern und unterschiedlichen Modellen (teils in Form von Sets samt Ofen) vor. Hier den Durch- bzw. Überblick zu behalten ist meiner Meinung nach unmöglich. Das kommt mir fast so schlimm vor, wie wenn man sich einen neuen Handyvertrag suchen muss und dabei die Konditionen (Tarife) verschiedener Anbieter vergleichen möchte. Mission Impossible! 😦

Ich denke am Ende des Tages muss man auch etwas aus dem Bauch heraus entscheiden, was das richtige ist. Mir persönlich gefallen z.B. Modelle mit Eckeinstieg, bei deinen eine kleine Glasfront mit eingearbeitet ist.

Fun Fact: Hat man endlich alle Rahmenbedingungen abgesteckt und sich für ein Modell sowie einen Anbieter entschieden dann kommt die Ernüchterung: Mehrere Monate Lieferzeit dank Corona. Da hilft nur Abwarten und Tee trinken…

Vielleicht würde sich die Wartezeit anbieten um schon mal den Stellplatz der Sauna vorzubereiten. Hm, mal überlegen – was braucht man eigentlich für den Betrieb einer Sauna? In jedem Fall einen geeigneten Raum! Den gibt es zwar, aber um ehrlich zu sein sieht es hier noch nicht gerade nach „Wohlfühloase“ aus! 😀

Fun Fact: Wer genau hinschaut, kann hier ein paar Relikte vergangener retrololo-Bastelprojekte entdecken… 😉

Bevor hier eine Sauna einziehen kann, muss das Zimmer (Bastelwerkstatt) erst mal leergeräumt werden. Doch wohin mit dem ganzen Kram? Ich wüsste schon den idealen Ort für die Werkstatt (mit praktischem Direktzugriff auf den Bier-Kühlschrank), doch leider muss der Raum natürlich auch erst mal ausgeräumt und die Sachen umgezogen werden…

Wir überspringen mal den langweiligen Teil (ausmisten, putzen, Möbel auseinanderbauen, umziehen, Möbel aufbauen, etc.) und tun so als ob das alles von Geisterhand bereits passiert wäre! 😉

Nanu? Kann ich da etwa das gute alte Autoradio aus Artikel 41 erspähen? 😉

Fertig oder? Noch nicht ganz, denn leider war die bisherige Lichtsituation (mit zwei kleinen Birnen in der Mitte des Raumes) nicht gerade ideal für eine Werkstatt. Damit genügend Licht beim Basteln über den Schreibtischen vorhanden ist, habe ich ein großes LED-Panel an der Decke angebracht. Passend dazu wurden auch einige Kabelkanäle montiert, sonst würden die Stromkabel ja einfach durch die Gegend baumeln! 😉

Fun Fact: Moment mal, eigentlich ging es doch um eine Sauna oder? Irgendwie entwickelt sich das schon wieder zu einem dieser Projekte, die so harmlos anfangen und dann ganz schön ausarten… 😀

Es werde Licht! 🙂

So, genug zur Werkstatt. Ich denke nun wird es endlich Zeit uns dem Raum für die Sauna zu widmen…

Nachdem das Zimmer jetzt schon so schön leergeräumt ist, macht es Sinn dieses erst mal komplett weiß zu streichen. Um ehrlich zu sein kann ich verstehen, wenn Leute es hassen zu streichen. An manchen Stellen klappt das mit der Farbe so gut und an anderen muss man mehrfach drüber pinseln um überhaupt einen Effekt zu sehen. Seufz – es hilft ja nichts – let’s get ready to rumble! 😉

Und siehe da, ein paar Stunden später (und mit einer Menge weiblicher Unterstützung) schaut die Welt schon besser aus. Rückblickend betrachtet war das Streichen gar nicht so schlimm, viel nerviger ist das Abkleben von Fenster, Tür & Fliesen – da geht die meiste Zeit drauf. Trotzdem bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Die leicht sichtbaren dunklen Flecken sind glücklicherweise nicht an der Wand, sondern auf der Fotolinse! 😉

Nachdem das erledigt war, mussten „nur noch“ die Silikonfugen erneuert werden, denn im Laufe der Jahre haben sich einige Fliesen so sehr abgesetzt, dass große Risse und Löcher zwischen der Wand und dem Fliesenboden entstanden sind.

Fun Fact: Alleine das herauskratzen des alten Silikons und das Reinigen der Fugen war schon eine sehr zeitintensive und anstrengende Arbeit. Gott sei Dank hatte ich tatkräftige Unterstützung von meiner Frau, alleine hätte ich schon längst aufgegeben! 😀

Um nicht ganz so viel Silikon in den Ecken zu benötigen, habe ich die größeren Spalte mit etwas Hinterfüllschnur aus Schaumstoff abgedichtet.

Dann kam die Stunde der Wahrheit – das Silikonieren! Vielleicht war ich zu naiv und hatte es mir einfach leichter vorgestellt, aber diese verdammten Fugen hätten mich beinahe in den Wahnsinn getrieben. Ernsthaft Leute – selten war ich so in Rage wie bei dieser Arbeit. Wem das Spaß macht, der ist ein Masochist! Gott, wie ich es hasse… 😀

An den Stellen, wo nur ein kleiner Spalt ist, dürfte das ja eigentlich kein Problem sein – dachte ich. Leider musste ich feststellen, dass der Fliesenboden teils uneben ist und spätestens bei den Fugen hat man immer einen kleinen Versatz drin, sobald man das überschüssige Silikon mit einem Fugenspachtel abzieht. Und von den Ecken möchte ich gar nicht erst Reden. Trotz Hinterfüllschnur waren drei Kartuschen Silikon nötig um die Bodenfugen in dem Raum neu zu silikonieren – was für ein Mist!

Fun Fact: Auch hier hat mir meine bessere Hälfte den Silikonabzieher nach ca. einer Wand aus der Hand gerissen (und mir lediglich die Obhut über die Silikonpistole überlassen), weil ich sonst wohl vollkommen durchgedreht wäre. 😀 Ernsthaft – ich habe selten in meinem Leben so eine frustrierende Arbeit gemacht. Danke Baby! :*

Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich war, als das geschafft war… 🙂

Genug gejammert, schnell zurück zum eigentlich Thema. Nun müsste der Raum doch gut vorbereitet sein, oder? Nicht ganz, denn um eine Sauna mit halbwegs brauchbarem Ofen anschließen zu können wird eine Starkstromzuleitung (400V) benötigt. Hm, wo soll ich die denn jetzt herbekommen? Erst mal die bestehende Infrastruktur analysieren: Es sieht so aus als kämen direkt vom Sicherungskasten ein paar Leitungen durch den Kabelkanal an der Decke in den Raum!

Fun Fact: Es gibt auch 230V-Saunaöfen, aber diese bringen meinst nicht die gewünschte Leistung und heizen dementsprechend extrem langsam oder einfach nicht stark genug.

Tatsächlich haben schlaue Köpfe bereits vorsorglich eine entsprechende Leitung samt Absicherung im Sicherungskasten (war wohl eigentlich mal zur Stromversorgung eines Gartenhauses durch ein Rohr in der Hauswand gedacht) in den Raum gelegt. Sehr gut, das erspart mir einiges an Arbeit! 🙂

Um herauszufinden welcher Leiter (L1-L3) an welcher Sicherung hängt, habe ich eine einfache Glühbirne samt Fassung an die einzelnen Klemmschrauben der Schraubkupplung geklemmt und die Sicherungen nach und nach durchgetestet. Ein paar Kurzschlüsse später konnte ich die Adern dann zuordnen. Kids – don’t try this at home! 😛

Anschließend musste die Leitung eigentlich nur noch verlängert…

…und über ein weiteres Stück Kabelkanal um die Ecke zu einer Abzweigdose geführt werden. An diesem Punkt wird später der Saunaofen angeklemmt.

Fun Fact: Keine Sorge wegen der großzügigen Spaltmaße zwischen den einzelnen Plastikteilen. Diese werden – sobald die Sauna mal steht – noch etwas abgedichtet um jegliches Eindringen von Feuchtigkeit in die Kanäle zu verhindern.

Als letzte Amtshandlung musste ich dann noch die Lampe in dem Raum…

… um ca. einen Meter nach links versetzen, da sie sonst zu niedrig hängen und die Sauna nicht in den Raum passen würde… 😀

Fun Fact: Normalerweise ist das keine große Sache, aber da keine Baumärkte offen hatten, musste ich einiges an Zeit investieren die ganzen Teile (Baldachin, Kabelkanal, Wago-Klemmen, etc.) aufzutreiben.

So, ich denke damit wäre der Raum fürs erste soweit vorbereitet.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Sauna, doch ich befürchte, da müssen wir uns noch etwas gedulden! 🙂

In diesem Sinne – bis die Tage! 🙂

#121 – Welcome to Kansas City

Kansas City? Da war ich ja noch nie… Generell habe ich mir bisher die Reise über den großen Teich erspart und kann dementsprechend wenig darüber berichten. Keine Angst – entgegen dem irreführenden Titel geht es heute nicht um einen Reisebericht über eine amerikanische Großstadt in Missouri, sondern vielmehr um „KCS“, den „Kansas City Standard“! 😉

Der Kansas City Standard ist ein digitales Datenformat für Audiokassetten, das mit einem einfachen Kassettenrekorder geschrieben und gelesen werden kann. Einfach gesagt werden die digitalen 0 und 1 in Töne umgewandelt, um diese auf Musikkassetten zu speichern! 🙂

Fun Fact: Der Standard entstand im November 1975 auf einem Symposium in Kansas City, daher der Name! 🙂

Ich denke viel mehr muss ich eigentlich nicht sagen, oder? Spätestens jetzt ist die Challenge des heutigen Artikels klar: Wir werden versuchen ein paar digitale Daten auf einer gewöhnlichen Musikkassette zu speichern („Data on Tape“). Ob uns das gelingt? 😉

Einige Hersteller (z.B. Acorn, Heathkit oder Triumph-Adler) haben den Kansas City Standard in ihren Computersystemen implementiert. Das alles bringt uns aber leider nichts, weil wir so einen alten Computer (samt Betriebssystem) nicht zur Verfügung haben. Stattdessen möchte ich auf ein (auch schon in die Jahre gekommenes) Tool namens „KCS“ zurückgreifen:

KCS bietet die Möglichkeit Daten in ein Audioformat umzuwandeln (und umgekehrt). Dabei wird eine „0“ durch vier vollständige Wellen einer 1200 Hz Sinus Kurve und eine „1“ durch acht vollständige Wellen mit 2400 Hz abgebildet. Leider ist die Software nicht mit 64-Bit-Betriebssystem kompatibel, da sie aus DOS-Zeiten stammt. Aus diesem Grund verwende ich DosBox für die Emulation! 🙂

Um nicht jedes Mal händisch beim Starten der DosBox die entsprechenden Verzeichnisse mounten zu müssen habe ich die dosbox.conf mit entsprechenden Autostart-Befehlen angepasst. So wird mit dem Start der Software automatisch das KCS-Programm geladen:

Und da läuft es auch schon. Darf ich vorstellen? KCS! Ach ja, eine gute alte Konsolenanwendung. Keine grafische Oberfläche oder ähnlicher Schnickschnack – sehr schön! 😉

Jetzt bräuchten wir eigentlich nur noch eine Datei, die wir mal testweise in ein Audiosignal umwandeln. Ich glaube ich hätte da was Geeignetes! 😉

Fun Fact: Um die Datenmenge möglichst gering zu halten, habe ich das Bild etwas verkleinert auf 500×500 Pixel bei 96dpi (JPG-Format). Somit belegt das Bild nur noch 69kB auf der Festplatte! 🙂

Über den etwas kryptischen Befehl „KCS –M –Y –U –L5 re_img.jpg re_img.wav“ lässt sich unser retrololo-Album-Cover in eine WAVE-Datei umwandeln. Das Programm bestätigt den erfolgreichen Konvertierungsvorgang mit einem recht kargen „done“! 😀

Fun Fact: Der Konvertierungsvorgang dauert insgesamt zwei Minuten und vierzig Sekunden. Nicht gerade schnell für ein paar Kilobyte, aber erklärbar, wenn man bedenkt, dass das Programm in einer emulierten (und was die Ressourcen angeht recht eingeschränkten) DOS-Umgebung läuft! 😉

Das Ergebnis ist eine knapp 14MB große WAV-Datei (Mono, 22050 Hz, PCM U8).

Fun Fact: Wusstet ihr, dass .WAV-Files um ein hundertfaches ihrer eigenen Größe komprimiert werden können? Ich habe z.B. die Datei mit „7zip“ auf 130kB schrumpfen können. Das hat zwar überhaupt nichts mit unserem Versuch zu tun, aber ich wollte es trotzdem erwähnen. Ein klassischer Fun Fact eben! 😉

Betrachtet man die Datei mit einem Audioeditor (ich verwende „Audacity“) stellt man fest, dass sie knapp 11 Minuten lang ist und eigentlich nur aus einem Rauschen, versetzt mit ein paar piepsigen/schrillen Tönen besteht.

Fun Fact: Am Anfang und am Ende der Datei befindet sich ein langer Piepton, welcher für die KCS-Software als Erkennungshilfe dient.

Jetzt müssen wir es eigentlich nur noch schaffen, die Audiodatei auf eine Kassette zu überspielen. Dafür brauchen wir zum einen eine (im Idealfall neue) Musikkassette…

…und zum anderen natürlich ein Laufwerk.

Fun Fact: Dem aufmerksamen Leser wird vielleicht das Tapedeck noch aus Artikel 85 bekannt sein! 😉

Als Ausgabegerät habe ich eine USB-Soundkarte mit Kopfhöreranschluss gewählt und diese mit dem Kassettenrekorder verbunden. Natürlich könnte man das auch über den normalen Kopfhörer-Ausgang machen, aber ich wollte die Aufnahme von den Windows-Systemsounds entkoppeln! 😉

Jetzt muss eigentlich nur noch die Aufnahme am Tapedeck gestartet…

…und die Datei über Audacity abgespielt werden:

Es macht Sinn, den Input-Level vorab zu prüfen und ggf. anzupassen. Es ist kein Problem, wenn die Aufnahme etwas zu laut ist und leicht übersteuert, solange die Anzeige nicht voll am Anschlag ist. Das Recording läuft…! 😉

Der Kansas City Standard arbeitet üblicherweise mit einer Datenrate von 300 Baud. Rechnet man das hoch, bedeutet das, dass auf einer Seite einer Kassette (45 Minuten) weniger als 100kB an Daten gesichert werden können – nicht gerade die Welt! 😀

In unserem Fall sind es aber ca. 300kB pro Seite. Woran das liegt? Ganz einfach – anstatt dem „normalen“ KCS verwenden wir CUTS (Computer Users Tape Standard), eine Weiterentwicklung des Standards, welcher mit 1.200 Baud arbeitet. Dabei wird eine „0“ durch eine halbe Welle einer 600 Hz Sinus Kurve und eine „1“ durch eine vollständige Welle mit 1200 Hz abgebildet. Der CUTS-Standard wird mit dem Kommandozeilenparameter „–U“ aktiviert.

Soweit so gut, jetzt müssen wir die Datei nur wieder irgendwie auf den PC bringen…

Also, erst mal die Kassette zurückspulen und den Stecker am Tapedeck von „Eingang“ auf „Ausgang“ umstöpseln. Ist das geschafft, müssen wir das Laufwerk mit einem Eingangskanal des PCs verbinden (z.B. Line-In oder Mikrofoneingang).

Anschließend müssen wir ein neues Projekt in Audacity anlegen, die entsprechende Eingangsquelle wählen und die Aufzeichnung starten. Ich sag nur „Press Play on Tape“!

Fun Fact: Ganz wichtig: Die „Project Rate“ muss exakt auf 22050Hz eingestellt werden, ansonsten kann KCS später nichts mit der Datei anfangen!

Noch ein Hinweis: Es ist sehr wichtig auf den Eingangslevel zu achten. Ich hatte das Tapedeck zuerst am Mikrofon-Eingang der USB-Soundkarte angeschlossen, aber da konnte ich das Signal nicht leise genug regeln, sodass es nicht völlig übersteuert. Letztendlich habe ich mich dann für den Line-In-Eingang meiner PC-Soundkarte entschieden um ein besseres Ergebnis zu bekommen:

Abschließend müssen wir noch die leeren Stellen am Anfang und Ende der Aufnahme entfernen.

Fun Fact: Was mich gleich etwas irritiert hat – die aufgenommene WAV-Datei ist nach Sicherung auf der Festplatte ca. 54MB groß. Das erscheint mir doch recht viel…

Jetzt kommt der spannende Moment: Ob KCS die Aufnahme erkennt und wieder dekodieren kann? Mit einem „KCS –Y –U record.wav record.jpg“-Befehl wollen wir es herausfinden…

Erschreckende 20 (!) Minuten später sieht das Ergebnis nicht gerade erfreulich aus. 651 Fehler – das klingt nicht gut! 😀 Auch die Datei ist mit 56,5kB deutlich kleiner als vorher und lässt sich nicht öffnen! 😦 Was läuft falsch?

Ich habe noch etwas herumprobiert und die Datei mit Audacity mal in einem anderen Format (WAV signed 16-bit PCM) anstatt „32-bit float PCM“ abgespeichert. Schon ist die Datei nur noch halb so groß…

Neuer Versuch – ob es damit jetzt funktioniert? Nicht wirklich aber immerhin sind es ein paar Dekodierungsfehler weniger und die Datei hat mit 63kB auch „nur noch“ 6kB weniger als im Original, lässt sich aber leider trotzdem nicht öffnen…

Fun Fact: Bitte ignoriert den merkwürdigen „file-not-found“-Fehler am Anfang des Outputs. Ich hatte mal wieder vergessen, dass sich DOS mit mehr als achtstelligen Dateinamen schwer tut… 😀

Schon besser als beim ersten Versuch, aber immer noch nicht gut. Irgendetwas stimmt noch nicht, aber was? Tatsächlich habe ich noch einige weitere Anläufe gebraucht, bis ich auf die Lösung gekommen bin. Die Datei muss mit Audacity als „Unsigned 8-bit PCM“ WAV abgespeichert werden. Blöd nur, dass diese Auswahl in der Dropdown-Liste nicht möglich ist und man „Other uncompressed files“ auswählen muss – „IT“ ist kacke! 🙂

Ob es jetzt funktioniert? Tatsächlich kommen diesmal keine Dekodierungsfehler, aber trotzdem lässt sich das Bild nicht öffnen. Ernsthaft – was könnte jetzt noch das Problem sein?

Schlussendlich bin ich dann doch noch dahintergekommen. Die originale und die zurückgesicherte Datei unterscheiden sich in einem Byte! So nah am Ziel und nur exakt ein Byte davon entfernt – da könnte man verrückt werden! 😦

Doch woran liegt das? Ein Lesefehler vom Band? Viel einfacher… 🙂 Erinnert ihr euch noch, wie wir die Datei „beschnitten“ haben? Dabei habe ich einen Fehler gemacht. Ich habe vorne und hinten jeweils ein paar wenige Millisekunden „Nichts“ drangelassen. Richtig wäre es gewesen die Datei (am Anfang und am Ende) vollständig zu beschneiden, sodass die Datei direkt mit dem „Piepton“ beginnt:

Tja, man lernt nie aus. So, aber jetzt sollte es doch hoffentlich endlich funktionieren oder?

Keine Fehler – und die Dateigröße sieht gut aus… Die Spannung steigt… Einen Trommelwirbel bitte!

Fun Fact: Diesmal hat es auch „nur“ zwei Minuten und 20 Sekunden gedauert um die Audiodatei wieder in das Datenformat zu konvertieren.

Tadaaaa!!! Es hat tatsächlich geklappt. Ich bin echt begeistert, dass das funktioniert! Schon verrückt – ich hätte erwartet, dass es Fehler gibt, weil die Daten ggf. nicht mehr sauber vom Band gelesen werden können, aber das hat alles einwandfrei funktioniert! Nur die blöde Software war mal wieder das Problem – typisch! 😛

Wenn man ehrlich ist, dann gibt es heutzutage keine sinnvollen Einsatzszenarien mehr für so eine verrückte Lösung. 300kB an Daten kann man selbst auf einer Diskette einfacher und schneller speichern (von Festplatten, USB-Sticks, Smartphones und Cloudspeicher mal ganz zu schweigen). Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass man z.B. sehr kleine aber dafür sicherheitskritische Daten (z.B. eine Passwort-Liste) prima auf so ein Band speichern könnte. Ein letzter Versuch… 😉

Fun Fact: So eine kleine TXT-Datei mit ein paar Passwörtern (110 Byte groß) belegt z.B. nur knapp eine Sekunde auf dem Band (wenn man die je 5 Sekunden für Anfang- und Enderkennung abzieht).

Schon cool und extrem unauffällig! Da kommt nie einer drauf, dass hier Passwörter versteckt sind! 😀

Puh, das wäre geschafft. Abschließend kann ich sagen, dass das ein Projekt mit vielen „Aha-Effekten“ war. Interessant und nervenaufreibend zugleich – so soll es sein! 😉

Bis die Tage!

#120 – DEPONIA

Nachdem ich euch mit „The Curse of Monkey Island“ bereits einen absoluten Adventure-Klassiker aus vergangenen Tagen vorgestellt habe, wird es Zeit einen Blick auf ein paar Werke aus jüngeren Tagen zu werfen: Ich spreche von der „Deponia“-Reihe! 🙂

Deponia ist ein Adventure vom Hamburger Entwicklerstudio Daedalic Entertainment aus dem Jahre 2012. Das Spiel handelt von einem narzisstischen, chaotischen Protagonisten namens Rufus, welcher die Schnauze von seinem Leben auf „Deponia“ (einem riesigen Müllplaneten) gestrichen voll hat und schleunigst ein neues Leben auf „Elysium“ anfangen möchte.

Elysium ist eine – über Deponia schwebende – Stadt, in der die High Society lebt. Für „normalsterbliche“ Deponianer ist die sagenhafte Stadt leider weit entfernt. Nicht nur wegen dem sozialen Klassenunterschied, auch gibt es keine Möglichkeit Elysium über ein gängiges Transportmittel zu erreichen.

Die meisten Bewohner des Müllplaneten, wie z.B. Rufus zynische Ex-Freundin Toni (bei der er noch wohnt), stört das wenig. Rufus dagegen – als Erdenker verrückter Pläne und Tollpatsch erster Stunde bekannt – möchte einfach nur weg. Er hat schon zahlreiche Versuche unternommen Deponia zu verlassen – bisher sind alle kläglich gescheitert. Diesmal ist er sich sicher, dass es klappt. In einer selbstgebauten Raumkapsel möchte sich Rufus selbst in die Luft schießen und an einen „Organon-Kreuzer“ (eine Art Schiff welches auf einer Einschienenbahn fährt) anheften, welcher ihn als blinden Passagier mit nach Elysium transportieren soll.

Erstaunlicherweise klappt sein Plan diesmal tatsächlich und er schafft es auf den Organon-Kreuzer. Die Freude ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn beim Versuch die schöne „Goal“ (eine waschechte Elysianerin) aus den Händen des Organon (eine verhasste Militärorganisation) zu retten, stürzen beide wieder zu Boden auf Deponia.

Zurück auf Deponia angekommen sind alle Bürger Kuvaqs (Rufus Heimatstadt) in Aufruhr, weil eine schöne Frau vom Himmel gefallen ist und jeder, vor allem natürlich die männlichen Bewohner Kuvaqs, ihr jetzt Asyl bieten möchten.

Durch den Aufprall ist Goal bewusstlos und Rufus muss erst mal einen Weg finden sie aufzuwecken. Ebenso wurde Goals „Hirnimplantat“ (eine Art Datenträger, auf der das vollständige Bewusstsein eines Menschen gespeichert ist) durch den Sturz beschädigt und muss repariert werden!

Fun Fact: Wie könnte man eine vom Himmel gestürzte Orbit-Elfe am besten aufwecken? Na klar, mit einem ultrastarken, aus Schwarzpulver und Batteriesäure hergestellten Espresso – logisch! 😀

Offenbar planen die Elysianer Deponia zu sprengen! Auf Goals Rat hin soll Rufus ihren Verlobten namens Cletus aufsuchen, um eine Rückkehr nach Elysium zu ermöglichen. Eigentlich soll dieser eine Aufklärungsmission auf Deponia durchführen, um zu prüfen, ob der Planet unbewohnt ist. Erst später stellt sich heraus, dass Cletus sich mit dem Organon verschworen hat, aber ich möchte an der Stelle nicht zu viel von der Story verraten… 😉

Im Verlauf des Spiels trifft Rufus auf viele lustige Charaktere wie z.B. den Bastler und Wissenschaftler „Doc“, ein echter DIY-Fachmann! Gut für Rufus – neben Elektronik kennt Doc sich auch mit beschädigten Hirnimplantaten aus und trägt so maßgeblich zur Rettung von Goal bei.

Des Weiteren zählt „Bozo“, ein Kutter-Kapitän und Schrotthändler, zu Rufus sporadischen Begleitern. Bozo ist ein friedfertiger, genügsamer Mensch, der eigentlich nur in Ruhe seiner Arbeit nachgehen möchte. Eins ist klar – damit ist er bei Rufus an den falschen geraten! 😀

Auch im Hirn festgebrannt hat sich „Goon“, ein glückloser Akademiker, welchen Rufus am Hafen von Porta Fisco kennenlernt. Unser lässiger Protagonist stempelt Goon sofort als Penner ab, was zu einer Vielzahl an witzigen Dialogoptionen führt! 😉

Fun Fact: Ich wusste doch die Stimme kommt mir sofort bekannt vor! Goon wird von keinem geringeren gesprochen als Erik Range, vielen von euch vermutlich besser bekannt als Gronkh – kein Witz! Tatsächlich pflegen der Serienschöpfer Jan Müller-Michaelis (besser als „Poki“ bekannt) und Gronkh seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis und haben in der Vergangenheit auch schon zusammen Videos aufgenommen! 😀

Ich finde es äußerst gelungen, wie sich die Nebencharaktere in das Gesamtbild einfügen. Jeder von ihnen erfüllt eine Rolle, ohne zu aufdringlich zu wirken. Den meisten NPCs („non-player character“) wird man im Lauf des Abenteuers immer wieder begegnen und einige von ihnen sind sogar für den Spielfortschritt essentiell.

Fun Fact: Die Hintergrundgeschichte einiger Charaktere (wie z.B. im Falle von „Lotti“) klärt sich erst zu einem viel späteren Zeitpunkt im Spiel. Wirklich schön zu sehen, dass die Entwickler nicht nur dem Protagonisten eine eigene Story gewidmet haben – jede Figur entwickelt sich auf ihre Art und Weise weiter. So wirkt die Spielwelt lebendiger und es ist immer wieder schön auf einen „alten Bekannten“ zu treffen! 🙂

Zu einem gelungenen Adventure gehören natürlich auch ein paar saftige Rätsel. So müssen auch in Deponia ein paar harte Nüsse geknackt werden, um Goal wieder nach Elysium zu bringen. Hier muss zum Beispiel ein „Stromumkehrer“ aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt werden um eine elektrische Lore wieder flott zu machen.

Fun Fact: Die Tipps wie das geht, müssen wir dabei dem verrückten Doc entlocken, indem wir mit ihm „über Frauen“ reden. Selbstverständlich gibt er uns die Lösung nur in kryptischer Form – da ist knobeln angesagt! 😉

Viele der Rätsel sind dabei sehr kreativ konzipiert und man muss schon ganz schön um die Ecke denken. An einer Stelle müssen wir z.B. ein bestimmtes Klopfzeichen geben, aber unser Protagonist lässt sich immer von der Hintergrundmusik ablenken und vermasselt es in einer Tour. Des Rätsels Lösung? Schaltet einfach die Musik in den Optionen des Spiels aus (kein Witz). Schon kann sich Rufus ohne Probleme an die korrekte Reihenfolge erinnern und wird nicht mehr abgelenkt. Cleveres Rätseldesign ist eine der größten Stärken Deponias! 🙂

Technisch gesehen gibt es an Deponia nichts zu meckern. Das Spiel läuft nativ mit einer FullHD-Auflösung und lässt sich sehr bequem ausschließlich mit der Maus steuern. Ähnlich wie bei Monkey Island 3 zeigt sich, dass der Zahn der Zeit gut animierter Zeichentrick-Optik nicht viel anhaben kann. Das Spiel wird definitiv auch in vielen Jahren noch toll aussehen! 🙂

Ich denke das Steampunk-Setting von Deponia trägt einen großen Teil zu der hübschen Optik bei. Man kann förmlich fühlen wie man in altem Metall- und Elektroschrott auf Deponia erstickt. Selbst die Häuser sind aus Schrott gebaut!

Unabhängig von der ansprechenden Optik lässt die „Schrottplatz-Umgebung“ viel Spielraum für wahnwitzige Technik-Kombinationsrätsel – ein cleverer Schachzug der Entwickler! 😉

Zur Auflockerung des standardmäßigen „Point-and-Click“-Gameplays gibt es hin und wieder kleine Minispiele. So muss Rufus z.B. geschickten Umgang beim Manövrieren von Torpedo-Delfinen auf ein U-Boot beweisen. Wer es etwas actionlastiger mag, kann „Krawall-Goal“ beim „Schnabeltier-Bataka“ einige Hiebe verpassen! 😀

Fun Fact: Wer keine Lust auf die Abwechslung hat, kann jedes Minispiel einfach mit einem Knopfdruck überspringen – lobenswert! 🙂

Besonders hervorzuheben ist auch die Vertonung des Spiels. Selten habe ich Zeichentrickfiguren so sehr geglaubt, dass wirklich sie es sind, die da sprechen. Generell ist das Sounddesign mehr als gelungen. Die einzelnen Stücke passen zu jeder Situation und tragen viel zum allgemeinen Erlebnis bei.

Fun Fact: In einem Interview haben die Entwickler preisgegeben, dass der Sound für das Spiel teils auf aus Müll gebastelten Instrumenten erstellt wurde – krass! 😀

Als Einleitung werden die einzelnen Kapitel dabei von einem schrottigen Musiker in Reimform besungen. Eine tolle und vor allem gut umgesetzte Idee, welche den Spieler motiviert, den nächsten Abschnitt zu erreichen! 🙂

Fun Fact: Jan Müller-Michaelis selbst singt diese Erzählungen ein. Er hat auch ein paar kleine Sprechrollen im Spiel – das nenne ich mal einen engagierten Teamleiter!

Der meiner Meinung nach alles entscheidende springende Punkt bei Deponia ist aber der Humor. Rufus hat in jeder Situation einen lässigen Spruch auf den Lippen und viele der Witze kommen so unerwartet, dass sie einem förmlich ein breites Grinsen ins Gesicht katapultieren! 😀

Fun Fact: So etwas ist leider immer schwer zu beschreiben, aber wenn ich es versuchen müsste würde ich es als Situationskomik mit hohem Cringe-Faktor bezeichnen! 😉

Wie jedes Adventure ist Deponia nichts für Leute, die „schnell schnell“ durch ein Spiel durchrennen. Das „Hängenbleiben“ und Knobeln an einigen Rätseln gehört einfach dazu und macht einen großen Teil des Spielspaßes aus.

Fun Fact: An einer Stelle muss man eine alte, aufgespießte Sardelle mit einer Taschenlampe illuminieren und an einen Haken hängen um einen Wal anzulocken! 😀

Gerade in kniffligen Situationen, in denen man wie wild herumprobiert und versucht wahllos Gegenstände miteinander zu kombinieren, springen die lustigsten Kommentare und Sprüche raus! 😀

Fun Fact: Ernsthaft Leute – die Detailverliebtheit der Entwickler ist hier nur zu bewundern. Für jeden noch so abstrusen Versuch zufällig ausgewählte Gegenstände aus dem Inventar mit der Spielwelt zu kombinieren gibt es eigens eingesprochenen Kommentare von Rufus!

Das einzige, was Kritiker an „Deponia“ bemängeln könnten. ist die Tatsache, dass die Geschichte etwas abrupt mit einem fiesen Cliffhanger endet. Das ist allerdings so gewollt, denn Deponia ist eine Trilogie! Neben dem ersten Teil (Deponia) gibt es noch „Chaos auf Deponia“ und „Goodbye Deponia“.

Fun Fact: Ich besitze natürlich alle drei Teile, jeweils in der limitierten Edition (mit Soundtrack und Poster) sowie eine Sammlung namens „Deponia The Complete Journey“ mit allen Soundtracks und einigem weiteren Bonusmaterial wie einem Poster, Aufklebern, eingebauten Entwicklerkommentaren sowie einer DVD mit Artworks und Making-Ofs. So viel Zeug – und das alles für wenige Euros – ich liebe PC-Adventures! 🙂

In den weiteren Teilen wird die Story immer abgedrehter. Multiple, bzw. gespaltene Persönlichkeiten, geklonte Protagonisten und Zeitreisen sind an der Tagesordnung. Die Erzählung bleibt dabei stets erfrischend und beinhaltet den ein oder anderen die Gesichtszüge entgleisen lassenden Handlungswechsel. Selten habe ich eine mehrteilige Spielereihe mit konstanter Qualität gesehen!

Wie bereits gesagt war Deponia als Trilogie geplant, aber nachdem die ersten drei Teile so gut bei den Fans angekommen sind, sollte ein vierter Teil her. Mit „Deponia Doomsday“ hat Serienschöpfer Jan Müller-Michaelis („Poki“) das Kunststück vollbracht ein komplett neues Abenteuer zu erschaffen, ohne jedoch am eigentlichen Ende der Trilogie etwas zu verändern! 🙂

Um ehrlich zu sein plagen mich kleine Gewissensbisse, weil ich mich dagegen entschieden habe die einzelnen Teile der Serie in jeweils eigenen Blogartikeln vorzustellen – die Spiele hätten es definitiv verdient! Gerade der letzte Teil (Deponia Doomsday) ist ein grandioses Spiel, welches alle Stärken der Vorgänger übernimmt, dabei die Formel durch sinnvolle Neuerungen ergänzt und trotzdem den „lässigen“ Charme beibehält.

Aber was soll man machen? Man kann sich nicht zerreißen und letztendlich muss man auch irgendwann das Buch zuschlagen und sich mit anderen Themen beschäftigen können – so ist es einfach im Leben. 🙂

Fun Fact: Natürlich besitze ich auch dieses Spiel, sowie eine Sammleredition mit allen vier Teilen. Normalerweise vermeide ich solche „doppelten“ Käufe (da ich die Spiele ja bereits einzeln besitze), aber in diesem Fall habe ich kein Problem damit. Es ist massig Bonusmaterial dabei und ich unterstütze die Entwickler gerne – in der Hoffnung, dass sie auch zukünftig so großartige Spiele produzieren! 🙂

So, ich denke es wird Zeit Deponia wieder zu verlassen und ins „real life“ zurückzukehren…

Wer es bis jetzt noch nicht kapiert hat – ich liebe Deponia! 🙂 Die Geschichte rund um den Müllplaneten bietet so viel mehr als auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Liebe zum Detail, der Humor der Entwickler und natürlich die überragende akustische Untermalung erinnern mich an die legendären Titel aus der glorreichen LucasArts-Zeit und machen aus Deponia ein ganz besonderes Adventure! Ich kann den Artikel nur mit einem Appell beenden: Spielt Deponia! 🙂

Fun Fact: Wer kein Laufwerk mehr besitzt oder keine Lust auf physische Datenträger hat, kann die Spiele selbstverständlich auch digital (z.B. bei Steam oder GOG) erwerben. Neben dem PC erschien die Reihe auch für zahlreiche (neuere) Plattformen wie z.B. iOS, Nintendo Switch, PS4 oder Xbox One – es gibt also keine Ausrede für euch es nicht zu spielen! 😉

In diesem Sinne – bis die Tage und immer dran denken: Lässig bleiben! 😉

#119 – UpgRAID

Nanu?! Gleich ein Rechtschreibfehler in der ersten Zeile (Überschrift) des Blogartikels? Hat die Revision da geschlafen oder was?!

Ich kann euch beruhigen, der Fehler ist ganz allein auf meinen Mist gewachsen. Tatsächlich war das kleine Wortspiel Absicht, denn heute wollen wir versuchen das alte RAID-System aus Artikel 103 etwas upzugraden! 🙂

Wer sich erinnert – gegen Ende des Artikels habe ich erwähnt, dass ich beim Unternehmen, welches das RAID-System vor über 20 Jahren verkauft hat, eine Anfrage bzgl. maximaler Ausbaustufe des RAID-Systems gestellt und selbst nach so vielen Jahren eine kompetente Antwort erhalten habe. Daumen hoch dafür! 🙂

Der Support meinte, das System unterstütze Plattenkapazitäten bis zu 137 GB, allerdings schränkten sie ein, dass es möglicherweise bei dieser Größe nicht gelingen könnte über alle sechs Platten ein RAID-Set anzulegen, da die maximale RAID-Set-Kapazität bei 300 GB läge und somit zur Sicherheit sechs 60 GB HDD verwendet werden sollten…

Blöd nur, dass 60 GB-Platten eine eher „ungewöhnliche“ Größe sind/waren. Ich habe echt lange gesucht, bin aber leider nicht fündig geworden. Dafür konnte ich sechs baugleiche 80 GB Platten (Modell DiamondPlus 9, 7200 U/min) auftreiben! 🙂

Fun Fact: Zumindest bin ich der Marke treu geblieben – die original verbauten Platten (Modell 91303D6, 5400 U/min, 13 GB) sind auch von Maxtor. Mit Baujahren zwischen 2003 und 2004 sind die „neuen“ Platten auch gerade mal knapp vier Jahre neuer als die bisherigen! 😀

Frei nach den Mottos „auf Gut glück“ und „wird schon schief gehen“ wollen wir es mal mit diesen Platten probieren. Immerhin steht ja im Handbuch etwas von 120 GB, aber ob mit „Maximum Fault Tolerant Capacity“ auch gleichzeitig die maximale Kapazität gemeint ist weiß ich nicht…

Fun Fact: Selbst diese sechs baugleichen Platten zu finden war nicht einfach. So alte IDE-Platten wachsen leider nicht auf Bäumen und für so ein „just for fun“-Projekt möchte man natürlich auch möglichst wenig Geld hinblättern…

No risk – no fun! Wie könnte ich bei so einer Challenge widerstehen? 🙂 Also – nichts wie los: Mit selbstgebasteltem Schlüssel werden die Platten schnell entfernt…

…abgeschraubt…

…abgesteckt…

…und gegen „neue“, bzw. größere Platten getauscht:

Das macht man dann insgesamt sechs Mal, schaut auf die Uhr und stellt mit Erschrecken fest, dass schon wieder eine halbe Stunde rum ist! 😀

Jetzt kommt der spannende Augenblick – es wird Zeit das Monstrum einzuschalten… Zumindest leuchtet noch etwas… 😀

Doch leider fliegt uns prompt eine „Configuration Error“-Fehlermeldung entgegen. Na, das hätte mich aber auch gewundert, wenn es auf Anhieb geklappt hätte! 😀 Ich gehe mal schwer davon aus, dass ich das RAID-System neu initialisieren muss, damit es die neuen/größeren Platten frisst. Der Prozess lässt sich über die Enter-Taste auslösen. Dabei müssen einige – aus heutiger Sicht teils merkwürdige – Parameter gesetzt werden. Keine Angst, ich erspare euch die Details… 😉

Fun Fact: Wie bei jedem guten Gerät ist das Admin-Passwort natürlich „0000“! 😀

Doch auch leider dieser Schritt führte nicht zum Erfolg. Immerhin bekommen wir jetzt einen anderen Fehler nach dem Neustart:

Die einzelnen Platten leuchten auch noch „rot“ auf. Hm, vielleicht liegt es daran, dass die Platten zu groß sind und das RAID nichts mit ihnen anfangen kann? Ich habe die Konfiguration erneut mit RAID-Level 1 durchgeführt (um das vom Support beschriebene Limit nicht zu überschreiten) – leider bleibt der „No Configuration“-Fehler erhalten und die LEDs leuchten weiterhin rot.

Ok, neuer Ansatz. Vielleicht werden die Platten nicht erkannt, weil sie nicht richtig gejumpert sind? Mal nachsehen…

Tatsächlich haben die alten Platten eine äußerst merkwürdige (meiner Meinung nach ungültige) Jumper-Konfiguration – keine Ahnung wieso das so gemacht wurde. Ich denke ich versuche erst mal die einzelnen Platten von CS (Cable Select) auf Master zu jumpern…

Und siehe da – diesmal scheint sich etwas zu tun! Nach einer erneuten Neuinitialisierung werden die Platten erkannt und es läuft der Formatierungsvorgang…

Hm, ca. 5 Minuten später stehen wir erst bei 1,5%. Wie lange das wohl dauert?

Schlappe fünfeinhalb Stunden später (kein Witz! :D) scheint das System sich vollständig initialisiert zu haben. Zumindest werden keine Fehlermeldungen mehr angezeigt und es sieht so aus als würden alle Platten einwandfrei erkannt werden! 🙂

Jetzt bleibt eigentlich nur noch zu prüfen, ob sich der Speicherplatz unter Windows auch nutzen lässt. Also schnell den guten alten Shuttle mit Windows 2000 anschmeißen und über den verbauten SCSI-Controller zugreifen…

Hm, trotzdem sehen wir das Laufwerk leider noch nicht im Arbeitsplatz:

Das ist eigentlich auch gar kein Wunder, denn wir haben das Teil ja auch noch gar nicht als Datenträger konfiguriert! Also nichts wie ab in die Datenträgerverwaltung:

Windows 2000 hat die Eigenheit, dass es größere Laufwerke als dynamische Datenträger (und nicht als Basisfestplatten) formatieren möchte. Dem Wunsch muss man (gedrängt von einem sehr merkwürdigen Assistenten) leider nachkommen, da sonst die Festplatte überhaupt nicht initialisiert wird.

Fun Fact: Alles kein Problem, denn anschließend lässt sich die Platte mit einem Klick in einen Basisdatenträger zurückkonvertieren! 🙂

Ist das geschafft muss auf dem frischen Laufwerk eigentlich nur noch eine Partition (NTFS) angelegt und formatiert werden:

Wenige Minuten später ist das System einsatzbereit und auch im Arbeitsplatz sichtbar. Wow – 372 GB. Ich weiß ja gar nicht was ich mit so viel Platz anfangen soll? 😉

Was wäre geeigneter für eine erste Sicherung als die retrololo-Blogartikel? 😉

Fun Fact: Der Ordner hat mittlerweile auch schon knappe 50 GB und ca. 54.000 Dateien. Und das, obwohl ich die richtig „dicken Brummer“ (z.B. so Sachen wie PS2-Images aus Artikel 61) schon an andere Speicherorte verlegt habe. Echt irre, was sich da so alles an Bildern und Text ansammelt! 🙂

Ich war überrascht, dass der Kopiervorgang von einem USB-3.1-Stick auf das RAID-System „nur“ ca. 1,5 Stunden gedauert hat. Das Kopieren der Dateien auf den Stick via USB 3.0-Port hat auch schon ca. 50 Minuten gedauert (zugegeben, es ist kein besonders toller Stick mit einer ziemlich niedrigen Schreibrate).

Fun Fact: Ich denke mir kommt zugute, dass auf dem Shuttle bereits SP4 für Windows 2000 installiert ist, welches die Unterstützung für USB2.0 einführte! Mit USB1.0 oder 1.1 sähe das vermutlich ganz anders aus! 🙂

Zum Abgleich von Dateien unterschiedlicher Quellen (Laufwerke oder Verzeichnisse) verwende ich immer ein Open Source Tool namens „FreeFileSync“. Eins kann ich euch sagen – es war gar nicht so einfach noch eine alte Version zu finden, die mit Windows 2000 kompatibel ist! 😀

Als letztes sollten wir auch nochmal ein Ausfallszenario testen – nur um sicher zu gehen, dass alles noch funktioniert. Gut, dass ich ein paar Wochen später tatsächlich noch eine weitere DiamondPlus 9 IDE-Platte auf eBay gefunden habe! 🙂

Fun Fact: Diesmal hatte ich wirklich Glück! Das gute Stück habe ich für schlappe 2,30€ ersteigert. Da war der (versicherte) Versand mit knapp 5€ bei weitem teurer! 😀

Diese habe ich in den Wechselrahmen für die Austauschplatte montiert, im laufenden Betrieb eine Platte entfernt und die neue eingesetzt:

Weitere fünf Stunden später ist der Rebuild-Prozess beendet und siehe da – alle Daten sind noch da! Ich denke jetzt kann ich beruhigt Feierabend machen. Zumindest ist mein Retro-Blog jetzt – passenderweise mit Retro-Technologie – gesichert 😉

In diesem Sinne, bis die Tage! 🙂

#118 – Adieu Monkey Island

Während ich beim letzten Mal kaum aus dem Schwärmen herausgekommen bin, wird es heute Zeit etwas kritischere Töne anzustimmen und auch die schwächeren Seiten der Monkey Island-Reihe aufzuzeigen. Was hat er gesagt?! Wie kann das sein…?

Eigentlich fing doch alles so gut an. Die Jahrtausendwende war ohne größeren Einfluss des gefürchteten Y2K-Bugs (in deutschen Gefilden als Jahr-2000-Problem bekannt) geschafft und mit „Flucht von Monkey Island“ war für Oktober ein neuer Teil der Monkey Island Serie angekündigt. Eigentlich alles gut, oder?

Wie sehr man sich doch täuschen kann… 😀

Fun Fact: Ich selbst habe immer nur die PS2-Version gespielt (weil ich nur diese besitze), aber für diesen Blogartikel habe ich aufgrund der besseren Aufnahmemöglichkeiten Screenshots der PC-Version gemacht.

Doch der Reihe nach… Das positive zuerst: Die Story knüpft direkt am Vorgänger an. Guybrush und Elaine sind aus den Flitterwochen zurück und wie immer findet sich unser Protagonist zu Beginn des Spiels in einer brenzligen Lage (das hat ja schon fast Tradition 🙂 )! Dieses Mal ist er an den Mast seines eigenen Schiffs gefesselt, während Elaine in einen Schwertkampf mit ein paar Bösewichten, die das Schiff entern wollen, verwickelt ist.

Natürlich schafft es Guybrush sich auf mehr oder wenig kreative Art aus der Situation zu retten. Erst mal auf Mêlée Island angekommen, müssen die beiden aber feststellen, dass sie durch ihre dreimonatige Abwesenheit für „tot“ erklärt wurden und somit Elaine ihren Posten als Gouverneurin verloren hat. Und es kommt noch dicker: Ein gewisser Charles L. Charles bewirbt sich um den Posten des Gouverneurs und hat inzwischen ein Katapult anrollen lassen, um Elaines Villa abzureißen!

Statt sich mit Dämonenflüchen oder zwielichtigen Schurken herumzuschlagen, soll Guybrush sich mit den Anwälten der Marley-Familie auf Lucre Island treffen um rechtliche Möglichkeiten zu finden, wie sie sich gegen die Enteignung der Villa wehren können – WTF?!

Fun Fact: Immerhin wird er von Elaine beauftragt das Katapult zu zerstören. Wie das geht, möchte ich an dieser Stelle nicht spoilern… 😉

Die Story driftet anschließend noch weiter ab. So muss Guybrush seine Unschuld beweisen, weil ihm ein Bankraub angehängt wird. Ebenso trifft er auf skurrile Figuren, wie einen australischen Unternehmer namens Ozzie Mandrill, welcher die ganze Karibik aufkaufen, von der Piraterie beseitigen und touristenfreundlicher umgestalten möchte. Leider ist das Spiel voll von solchen Absurditäten – ich möchte gar nicht weiter ausführen, wie Kunsthaut auf einem Gullideckel, ein überdimensionaler Affenroboter und ein nerviges Minigame namens „Monkey Kombat“ ins Bild passen…

Fun Fact: Habe ich schon erwähnt, dass LeChuck den Investor Mandrill an einer Stelle als „australische Tunte“ bezeichnet? Seriously – WTF! 😀

Es wird generell viel Konsumkritik geübt und der Wandel der Karibik hin zum Tourismusschauplatz thematisiert. So wie die Piraterie nichts mehr in dieser modernen Welt verloren hat, kommen einem die Gegenstände, die man in dem Adventure einsammeln muss, teils sehr merkwürdig vor. Hättet ihr gedacht, dass eine Musikbox, eine Dose Hühnerschmalz oder Tupperware Platz im Monkey Island Universum haben? Ich nicht…

Die Spielengine (GrimE) wurde von Grim Fandango übernommen und für Monkey Island 4 nur etwas überarbeitet. Leider liegt auch exakt darin einer der größten Kritikpunkte des Spiels: Die umständliche Panzersteuerung! Anstatt Point-and-Click-Steuerung mit der Maus kann Guybrush nur über die Tastatur in umständlichster Manier gesteuert werden. So werden selbst einfache Aufgaben wie „Rede mit …“ oder „Gehe über eine Brücke“ zu absoluten Herausforderungen. Auf der PS2 steuert es sich dank Controller noch etwas besser, aber dennoch wirkt die Steuerung extrem umständlich und altbacken.

Fun Fact: Ich denke ein Remake (ähnliche wie im Falle von Grim Fandango) könnte hier die Probleme mit neuen, alternativen Steuerungsoptionen beseitigen, aber die Chancen, dass so etwas passiert sind eher gering.

Was die Charaktere angeht sind die meisten alten Bekannten wieder an Board. So trifft man z.B. gleich zu Beginn auf Mêlée Island auf Otis und Carla die Schwertmeisterin, welche man (wie im ersten Teil) für seine Crew rekrutieren kann. Selbstverständlich sind auch Dauerbrenner wie Stan und die Voodoo-Lady mit an Bord. Dickes Plus: Die Synchronsprecher der einzelnen Charaktere sind gleichgeblieben – so fühlen sich die Dialoge gleich vertraut an.

Was die Grafik angeht wurde zum ersten Mal der Sprung in die dritte Dimension gewagt. Über das Ergebnis lässt sich streiten. Mir persönlich gefallen die Hintergründe gut, während ich mit der klobigen Optik der Figuren nicht viel anfangen kann. So unproportional hatte ich die Voodoo-Lady nicht in Erinnerung! 😀

Fun Fact: Wer sich über die merkwürdig, fehl am Platz wirkenden Striche in Screenshots wundert: Eigentlich läuft das Spiel nur mit 640×480 (rechts im Bild), aber dank spezieller Patches lässt sich eine höhere Auflösung (links im Bild) erzwingen. Diese führt jedoch leider zu ein paar Grafikfehlern. Naja, einen Tod muss man sterben… 😀

Die Cutscenes bleiben leider trotz Patch bei einer Auflösung von 640×480 Pixeln und das sieht man ihnen auch an. Ich bin niemand, dem eine beeindruckende Grafik wichtig ist, wenn das Gameplay stimmt, aber selbst für mich sieht das irgendwie nach einem Verschnitt aus „Adobe Flash“ und „Windows Paint“ aus… 😉

Zumindest der Humor ist noch vorhanden und befindet sich auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorgängern. So reagiert z.B. die Voodoo-Lady auf Guybrushs Frage, warum sie immer auftaucht, wenn er in Schwierigkeiten steckt, mit der Antwort: „Vielleicht, weil das Schicksal unsere Lebensfäden miteinander verwoben hat – oder weil ich mit LucasArts einen Knebelvertrag für fünf Spiele habe!“ 😀 Oder die Tatsache, dass man die Dartspieler in der Scumm-Bar dazu überreden kann, einen Pfeil auf den Bildschirm zu werfen, sodass dessen Glasscheibe springt! 🙂

Fazit: Teil vier war in mehrerlei Hinsicht leider ein krasser Abstieg und wird von vielen Fans bis heute absichtlich ignoriert. Für mich persönlich sind vor allem die alberne, an den Haaren herbeigezogene Story, die schlecht gealterte 3D-Grafik und die Steuerung die größten Kritikpunkte. Monkey Island 4 ist kein gutes Spiel, aber zumindest beinhaltet es den für die Serie typischen Humor und die genialen Synchronsprecher. Eins ist aber klar – der Titel kommt einfach bei weitem nicht an seine drei Vorgänger ran. Zugegeben – die Latte lag nach dem dritten Teil aber auch sehr hoch! 😉

Fun Fact: Es ist schon ironisch – auf der Rückseite der Verpackung steht „Jetzt in Skorbut-erregendem 3D“ – sie haben nicht gelogen… 😀

Ebenso markierte Flucht von Monkey Island fürs erste das Ende der kultigen Reihe und es wurde einige Jahre sehr still rund um den tollpatschigen Antihelden Guybrush.

Erst im Jahre 2009 versuchte das Entwicklerstudio Telltale Games im Auftrag von LucasArts sein Glück und brachte mit „Tales of Monkey Island“ den fünften Teil der Reihe heraus. Das Adventure wurde anfangs leider nur digital im Episodenformat (fünf einzelne Episoden) veröffentlicht.

Was für ein Glück, dass Daedalic Entertainment 2010 beschloss für den deutschsprachigen Raum eine eigene Version (mit allen fünf Episoden) zu veröffentlichten. Nicht nur wurde diese vollständig eingedeutscht, auch gab es sie als physisches Release auf DVD – sehr lobenswert! 🙂

In klassischer Monkey Island-Manier befindet sich Guybrush gleich zu Beginn des Spiels in einer eher heiklen Situation. Seine Frau Elaine wurde von LeChuck gefangen genommen und wir müssen es schaffen, seine Herzensdame zu retten. 🙂

Bei dem Versuch, LeChuck mit einem magischen Voodoo-Schwert zu töten, unterläuft Guybrush ein „kleines“ Missgeschick und er entfesselt versehentlich einen schrecklichen Voodoo-Fluch, welcher seine Hand befällt und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zu einer großen Explosion des Schiffes führt. Guybrush findet sich am Strand von Flotsam Island wieder…

Überraschenderweise verwandelt sich LeChuck derweil in einen liebenswerten, hilfsbereiten Menschen zurück welcher Guybrush bei seinem Abenteuer sogar unter die Arme greift. Das klingt einfach zu absurd um wahr zu sein – ich ahne einen Plot-Twist… 😉

Auf Flotsam Island selbst hängt Guybrush dann erst mal fest, weil auf mysteriöse Art und Weise die Winde nur landeinwärts wehen. Dahinter steckt natürlich ein weiterer Bösewicht, der Marquis de Singe! Er möchte durch die Manipulation der Winde mit einer antiken Windsteuerungsmaschine Patienten für seine Arztpraxis auf Flotsam Island wehen. U.a. hat er es auch auf unsere mit dem Fluch besessene Hand abgesehen!

Fun Fact: Selbstverständlich hat der Bösewicht im Verlauf des Spiels noch weitere Gemeinheiten und finsteren Pläne auf Lager, aber mehr wird an dieser Stelle nicht verraten! 😉

Wie das alles mit „Pocken“ und einem gigantischen Schwamm namens „La Esponja Grande“ zu tun hat bleibt an dieser Stelle eurer Fantasie überlassen! 😉 Aber ich will nicht meckern, die Story ist meiner Meinung nach gelungen. Man merkt sofort, dass einige der ursprünglichen Monkey Island-Mitarbeiter (z.B. Michael Stemmle, Dave Grossman) mit an dem Spiel gearbeitet haben. Auch der sehr gelungene Soundtrack fängt das klassische Karibik-Feeling ein – kein Wunder, denn hierfür war abermals Michael Land mit verantwortlich.

Für die volle Dröhnung Nostalgie sind neben den drei Hauptprotagonisten (Guybrush, Elaine und LeChuck) sogar einige alte Charaktere wie der sprechende Totenschädel Murray, der Verkäufer Stan oder die Voodoo-Lady dabei!

Von den neu hinzugekommenen Charakteren ist mir vor allem Morgan LeFlay im Gedächtnis geblieben. Sie macht im Auftrag des bösartigen Marquis Jagd auf Guybrush (und hackt ihm an einer Stelle des Spiels sogar die Hand ab), hat aber eigentlich eine gute Seele.

Die Steuerung ist leider immer noch alles andere als perfekt und definitiv gewöhnungsbedürftig. Immerhin hat man nun die Option mit Tastatur oder Maus zu spielen, aber zu einem einfachen „klicke hier hin und Guybrush geht auch hier hin“ der früheren Teile ist auch Telltale nicht zurückgekehrt. Stattdessen muss die linke Maustaste gedrückt gehalten und in verschiedene Richtungen gezogen werden. Ich habe diese Variante als extrem hakelig und unpräzise empfunden und finde, da spielt es sich sogar mit der Tastatur einfacher. Früher war einfach alles besser… 😀

Das Inventar ist dafür recht übersichtlich gestaltet. Hier können – ganz Adventure-typisch – Gegenstände betrachtet oder miteinander kombiniert werden. Für die meisten Gegenstände hat unser blonder Freibeuter sogar einen lustigen Spruch auf den Lippen.

Die Dialoge sind ebenfalls sehr witzig gestaltet und fühlen sich authentisch an. Etwas schade ist, dass in der deutschen Übersetzung die Texte über den Rahmen der Dialogbox hinausragen.

Fun Fact: Adventure-Grundregel Nr. 42: Auch wenn es noch so wenig Sinn ergibt – ich empfehle euch gerade die unsinnigsten Dialogoptionen anzuklicken. Meist springt dabei ein witziger Spruch oder eine Anspielung auf ein anderes bekanntes Franchise raus! 🙂

Was die Rätsel angeht ist das Spiel meistens fair. Natürlich sind ein paar Absurditäten dabei, aber etwas „ratloses Umherirren“ gehört ja fast schon eigentlich zu jedem Adventure dazu! 😉

Alte Bekannte wie der Gummibaum kehren zurück – diesmal nicht als unberechenbares Wurfobjekt für einen Stammwurf-Wettbewerb, sondern als Schiffsmast um Kanonenkugeln zurückzuschleudern! 😀

Schön finde ich auch, dass zu Beginn jeder neuen Episode die Voodoo-Lady die bisherigen Geschehnisse zusammenfasst und mit Tarot-Karten visualisiert! 🙂

Fun Fact: Auch technisch wurde ein gewaltiger Sprung gewagt – das Spiel läuft ohne Probleme in FullHD-Auflösung! Leider hatte ich beim Spielen den ein oder anderen Absturz – es ist immer schwer zu sagen, ob jetzt die Hardwarekonfiguration oder das Spiel an sich schuld ist…

Leider tauchen auch in Tales of Monkey Island einige merkwürdige Elemente wie z.B. ein Gerichtssaal, aus Glas geblasene Einhörner oder eine gebogene Röhre in Buchstabenform („U-Tube“ – ha ha) auf. Außerdem ist von der Auktionsplattform „Ye Bay“ die Rede – sehr clever. Für mich wirkt so Zeug immer etwas „fehl am Platz“ und passt nicht so richtig ins Piraten-Setting – aber das ist nur meine Meinung. Um den Spielern etwas Frisches zu bieten, müssen wohl einige Elemente angepasst werden und „mit der Zeit gehen“…

Lang genug herumgemäkelt – es wird Zeit die Monkey Island Reihe am Horizont verschwinden zu lassen. Im Nachhinein bin ich schon froh darüber, dass Telltale den alten Piraten für ein weiteres Abenteuer wiederbelebt hat. Auch wenn das Spiel nicht ganz an den Glanz der früheren Teile herankommt, ist es trotzdem ein gelungenes Spiel und fängt die Essenz der Monkey Island Reihe gut ein. In jedem Fall ist es eine krasse Steigerung nach dem missratenen vierten Teil und lässt so etwas Hoffnung für die Zukunft. Ob wir Guybrush irgendwann bei einem weiteren Abenteuer begleiten dürfen? Wer weiß…

Was jetzt eigentlich genau das Geheimnis von Monkey Island ist, wird nie richtig aufgeklärt. In einem Interview von 2002 meinte Ron Gilbert mal, dass er definitiv andere Pläne für einen dritten Teil hatte, in dem er dann letztendlich das Geheimnis auflösen wollte. Dazu ist es ja bekanntlich nie gekommen – ich vermute er nimmt es mit ins Grab… 🙂

In diesem Sinne – ich bin dann mal weg – es wird Zeit LeChuck das Handwerk zu legen – ARRRRRRR! 😉

#117 – Monkey Island 3: The Curse of Monkey Island

Nachdem wir beim letzten Mal bereits die Ursprünge von Monkey Island ergründet haben, möchte ich euch heute (meiner Meinung nach) eines der besten PC-Adventures aller Zeiten vorstellen – „Monkey Island 3: The Curse of Monkey Island“! 🙂

Der dritte Teil der Geschichte rund um die Affeninsel erschien 1997 und war das erste Spiel, bei dem der Erfinder der Serie (Ron Gilbert) nicht mehr beteiligt war. Stattdessen wurde Jonathan Ackley und Larry Ahern das Heft in die Hand gegeben. Kein Wunder, denn die beiden langjährigen LucasArts-Mitarbeiter haben bereits zuvor populäre Spiele wie „Day of the Tentacle“ oder die „Sam & Max“-Reihe produziert. Der geniale Soundtrack kommt wieder von Michael Land, welcher schon bei den ersten beiden Spielen die Musik produzierte.

Ich selbst habe eine der früheren Versionen, die zumindest noch in einer „Big Box“ (ein damals noch gängiges Format für PC-Spiele) verkauft wurde. Außer den beiden Spiel-CDs ist aber nichts Weiteres dabei, Readme und Troubleshooting Guide befinden sich digital auf den CDs.

Über die Systemanforderungen an der Seite der Box kann man aus heutiger Sicht nur noch schmunzeln. So werden zum reibungslosen Betrieb von Monkey Island 3 z.B. Windows 95 als Betriebssystem, ein Intel Pentium Prozessor mit 90 MHz oder schneller, 16 MB Arbeitsspeicher, ein 4x-CD-Rom-Laufwerk, eine PCI-Grafikkarte, die DirectX 5 unterstützt, sowie ganze 12 MB Festplattenplatz (+ weitere 20 MB für diverse Spielstände) benötigt.

Fun Fact: Wer sich wundert, wieso nur so wenig Speicherplatz auf der Festplatte benötigt wird – das Spiel läuft in der Standardkonfiguration zu 95% von CD.

Leider gibt es von Monkey Island 3 noch kein Remake und so müssen wir uns mit dem Original begnügen. Da auch dieses Spiel bei neueren PC-Systemen mittlerweile Zicken macht, kann ich jedem, der das Spiel mal selbst spielen möchte, nur nochmal ScummVM empfehlen, davon gibt es sogar eine portable Version! 🙂

Tatsächlich musste ich diesmal nicht den steinigen Weg gehen und „basteln“, denn das habe ich bereits in Artikel 44 gemacht! 🙂

Fun Fact: Eine Anleitung, wie man Monkey Island 3 zum Laufen bekommt findet man z.B. hier oder hier.

Genug geredet, schnell noch einen Schwierigkeitsgrad wählen (wir entscheiden uns selbstverständlich für „oberaffig“) …

…und rein ins Spielgeschehen. Gleich zu Beginn treibt Guybrush in einem Autoscooter-Wagen und klagt uns sein Leid:

Die Story knüpft dabei direkt an den Vorgänger an, auch wenn entscheidende Details nicht erwähnt (oder absichtlich weggelassen) werden. Kein Wunder – ich denke es wäre schwierig bis fast unmöglich wirklich direkt an das surreale Ende des letzten Teils anzuknüpfen.

Was den Humor angeht hat die Serie nichts an Glanz verloren. So wünscht sich Guybrush z.B. nichts sehnlicher als etwas Trinkwasser und was zu essen – vorzugsweise etwas Obst um den Skorbut zu bekämpfen. Die vorbeitreibende Kiste samt Obst bemerkt er natürlich nicht, weil er ja mit dem Schreiben seines Logbucheintrags beschäftigt ist! 😀

Noch ehe er sich mit weiteren Gedanken quälen kann, treibt unser Protagonist mitten in eine Seeschlacht vor der Küste von Plunder Island. Der Zombiepirat LeChuck belagert mit einer Armee von untoten Skeletten die Insel, auf der Elaine mittlerweile Gouverneurin ist. Der Schurke hat natürlich immer noch den Plan Elaine zu heiraten, doch noch während der Schlacht gesteht Elaine ihre Liebe zu Guybrush. Bevor es jedoch zu einer Aussprache zwischen den Turteltäubchen kommt, nimmt LeChuck Guybrush gefangen.

Im Gefängnis (Rumpf des Schiffes) trifft man dann auf Wally, einen alten Bekannten aus vergangenen Tagen, mit dem Guybrush schon so einiges mitgemacht hat. Natürlich ist es unser Ziel so schnell es geht auszubrechen, doch wie geht das? Nun, die Rätsel zu Beginn des Spiels sind noch sehr leicht: Ladestock nehmen, Wally überreden, dass er kein echter Pirat ist bis er weinend in der Ecke sitzt, selbst mit der Kanone ein paar Skelette abschießen, Skelettarm samt Säbel aus Wasser fischen, etc. Der übliche Wahnsinn eben! 🙂

Die Dialoge sind wie immer hervorragend geschrieben (mit zahlreichen unsinnigen, aber witzigen Dialogoptionen) und die Synchronsprecher haben ganze Arbeit geleistet den Zeichentrickcharakteren eine Persönlichkeit zu verleihen.

Fun Fact: Die Stimme des Synchronsprechers unseres Protagonisten, Norman Matt, ist vielen vielleicht aus der TV-Serie „NCIS“ bekannt. Dort vertont er den Super-Special-Agent „Tony DiNozzo“! 🙂

Besonders im Kopf geblieben ist mir Murray – der sprechende Totenschädel. Man trifft ihn gleich zu Beginn des Spiels und er taucht während des Abenteuers immer wieder an den unmöglichsten Orten auf. Murray ist dämonisch böse und hat nur das Verbreiten von Schrecken im Sinn. Leider fällt es ihm schwer diesen Plan in die Tat umzusetzen, denn die meiste Zeit sitzt (oder liegt?) er nur herum und bemitleidet sich selbst (schließlich hat er ja keine Arme oder Beine mehr)! 😀

Fun Fact: Murray wird von demselben genialen Synchronsprecher gesprochen, welcher auch dem Mechaniker-Dämon Glottis aus „Grim Fandango“ seine Stimme leiht! Sie ist wirklich einzigartig und macht einen großen Teil seines Charakters aus. 🙂

Gesteuert wird das Spiel mit der Maus. Wie bei den Vorgängern kann Guybrush durch einen Klick auf die linke Maustaste bewegt werden. Was die Interaktion mit Objekten und Personen angeht, läuft zwar die alte SCUMM-Engine noch im Hintergrund, LucasArts hat aber die Benutzerschnittstelle grundlegend überarbeitet. So wurden die Verben durch einen kontextsensitiven Cursor in Form eines per langem Linksklick aufrufbaren, wie eine Münze geformten Menüs ersetzt. So können Gegenstände eingesammelt, mit Leuten geredet oder Sachen betrachtet werden. Je nach Situation haben die Steuerungsoptionen eine weitere Funktion. So kann z.B. das „Mund-Symbol“ nicht nur zum Sprechen, sondern in einigen Fällen auch dafür benutzt werden, um in bestimmte Gegenstände zu beißen (kontextsensitiv eben).

Um die ganzen Gegenstände zu verwalten hat Guybrush ein Inventar in Form einer Schatzkiste, welches sich beim Klick auf die rechte Maustaste öffnet. Hier können Gegenstände ausgewählt und mit weiteren Gegenständen oder Objekten in der Spielwelt kombiniert werden.

Fun Fact: Es war ein kluger Schachzug das veraltete Verben-Interface zu überarbeiten. Auf diese Weise kann des starre Menü am unteren Bildschirmrand entfallen und es ist mehr Platz auf dem Bildschirm zur Darstellung der Spielwelt vorhanden.

Hat man sich erst mal durch das angenehm unaufdringlich wirkende Einführungskapitel geklickt, erfährt man das eigentliche Hauptziel des Spiels. Eine Explosion mit einer Voodoo-Kugel später finden sich Guybrush und Elaine am Strand von Plunder Island wieder. Guybrush möchte endlich Nägel mit Köpfen machen und um Elaines Hand anhalten. Um den Bund zu besiegeln steckt er ihr einen Diamantring, welchen er in der Schatzkammer auf LeChucks Schiff gestohlen hat, an den Finger!

Die Welt könnte so schön sein, doch leider wurde der Diamantring mit einem furchtbaren Voodoo-Fluch belegt, welcher Elaine kurzerhand in eine Goldstatue verwandelt! 😀

In seiner Tollpatschigkeit auf der Suche nach Hilfe lässt unser Möchtegern-Pirat natürlich Elaine einfach so am Strand stehen und so ist es kein Wunder, dass seine goldene Herzensdame kurzerhand von Piraten gestohlen wird, ehe er sie bergen kann…

Spätestens jetzt ist klar, was zu tun ist: Guybrush muss Elaine wiederfinden und den Fluch des Rings brechen! 🙂

Was die Grafik angeht, haben die Entwickler im Vergleich zum Vorgänger einen großen Sprung gewagt und auf einen Comic- bzw. Zeichentrickstil gesetzt. Mir persönlich gefällt diese Stilrichtung generell recht gut und ich finde man kann es (in der zugegeben etwas geringen Auflösung von 640×480) auch heute noch gut ansehen.

Die einzelnen Orte sind mit sehr viel Liebe zum Detail gezeichnet. Spontan fällt mir da Käpt‘n Blondbarts Hühnchenladen ein. Hauptattraktion des Restaurants ist natürlich der verrückte Besitzer, welcher panische Angst vor einer fiktiven Figur namens „El Pollo Diablo“ (dem Teufelshühnchen) hat! 😀

Fun Fact: Der „ruhige“ (um nicht zu sagen tote) Stammkunde in dem Lokal ist kein geringerer als Manny Calavera aus Grim Fandango! Mit auf dem Tisch liegt sogar ein Button auf dem steht „Frag mich nach Grim Fandango“. Cross Marketing vom feinsten! 😉

Besonders liebevoll gemacht finde ich auch den Friseursalon „Barbierküste“. Dort treffen wir auf die Piratenfriseure (sie bezeichnen sich selbst als Seeräuber-Haarstylisten) Edward „Kuschelhase“ van Helgen, „Halsabschneider“ Bill und Haggis McMutton. Auch trifft man hier zum ersten Mal den schmierigen Kapitän René Röchelieu, mit welchem Guybrush im Lauf des Spiels noch ein Hühnchen zu rupfen hat…

Fun Fact: Die Bilder an der Wand sollen Porträts von berühmten Piraten und Seefahrern aus vergangenen Tagen darstellen. Die Entwickler haben dabei einige Namen leicht abgewandelt, sodass der Spieler etwas nachdenken muss, welche Person gemeint ist. Hättet ihr z.B. erraten wer „Käpt’n Richard Squakins“ oder „Edward Kreisch“ in Wirklichkeit waren? 🙂

Monkey Island 3 strotzt nur so vor Secrets und Easter Eggs. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Hafen der Hauptstadt von Plunder Island, „Puerto Pollo“. So zeigt z.B. der Glockenturm tatsächlich die korrekte Uhrzeit an. Das funktioniert, indem das Spiel einfach die Uhrzeit des PCs, auf dem sie gerade läuft, ausliest! 🙂

Auch die zahlreichen Referenzen (gerade an das Star Wars Franchise) dürfen nicht fehlen. So benötigt man z.B. in Brimstone Beach eine Mitgliedskarte um den Strand zu betreten. Da Guybrush natürlich keine hat, versucht er den Cabana Jungen mit dem Jedi-Macht-Geistestrick davon zu überzeugen, dass er seine Mitgliedskarte nicht sehen muss! Spoiler Alarm – es klappt natürlich nicht. 😀

Fun Fact: Es ist wirklich verblüffend – obwohl ich das Spiel schon mehrfach durchgespielt habe, entdecke ich jedes Mal neue Dinge, die mir bisher nie aufgefallen sind. Wirklich beeindruckend, was die Entwickler (und auch die deutschen Übersetzer) in dieses Spiel an Zeit investiert haben…

Auf seiner Mission begegnet Guybrush natürlich wieder zahlreichen verrückten Charakteren. Mit von der Partie sind alte Bekannte wie z.B. die Voodoo-Lady…

…oder der Verkäufer unseres Vertrauens „Stan“. Dieses Mal betreibt Stan eine Versicherungsagentur auf einem Friedhof in einer Gruft. Im Lauf des Spiels müssen wir es schaffen ihm einen Haufen Geld aus einer Lebensversicherungspolice abzuluchsen, indem wir unseren eigenen Tod vortäuschen! xD

Fun Fact: Stan kam tatsächlich bereits in den ersten beiden Teilen vor, einmal als Verkäufer gebrauchter Schiffe und einmal als Verkäufer „leicht“ gebrauchter Särge! Seine geschäftstüchtige, exzentrische Art ist definitiv was Besonderes – müsste ich es versuchen in Worte zu fassen würde ich sagen er ist der klassische „immer-gute-Laune-verbreitende-Autoverkäufer-Abzocker“. 😀

Natürlich gibt es neben den Piratenfriseuren, dem Hühnchenladenbesitzer und Murray auch einige neue, sehr prägnante Charaktere. Auch die Story ist noch für einige Überraschungen gut (ich habe in dem Beitrag noch nicht mal den Inhalt des ersten Kapitels erwähnt). Seht es mir nach, wenn ich an dieser Stelle nicht weiter spoilern möchte! 😉

So, bevor ich noch weiter ins Schwärmen komme (wie ein Teenie-Girl, das zum ersten Mal ein Tokio Hotel Live-Konzert besucht) und der Artikel noch weiter in Lobeshymnen abdriftet, sollten wir langsam zu einem Ende kommen…

Für viele eingefleischte Fans ist Monkey Island 3 (samt seiner beiden Nachfolger) kein „richtiges“ Monkey Island, weil es nicht von Ron Gilbert (dem Urvater der Serie) entwickelt wurde. Tatsächlich sagt Ron Gilbert bis heute, dass er zwar den dritten Teil gut findet, die Story aber definitiv in eine andere Richtung entwickelt hätte. Mir persönlich ist das egal, über ungelegte Eier braucht man nicht zu diskutieren. Ich finde die Entwickler haben den Spagat zwischen Ron Gilberts Erbe (samt typischen Monkey-Island-Humor) und sinnvollen Neuerungen, um das Franchise weiter zu bringen und dem Spiel ihren eigenen Stempel aufzudrücken, prima geschafft. Wenn man es als Fan der ersten Stunde schafft über ein paar Inkonsistenzen hinwegzusehen und das Spiel eigenständig betrachtet ist es der absolute Wahnsinn! 🙂

Fun Fact: Sogar die aus dem ersten Teil bekannten Duelle im Beleidigungsfechten haben wieder einen Weg in das Spiel gefunden! 🙂

Vielleicht schwingt eine ordentliche Portion Nostalgie mit, aber für mich persönlich ist „The Curse of Monkey Island“ das perfekte Adventure. Es bietet alles, was man sich von so einem Spiel wünschen könnte. Eine originelle Story, schrullige Charaktere, perfekte Vertonung, skurrile aber stets faire Rätsel, einen genialen Soundtrack und last but not least eine gehörige Portion Humor samt Seemannsgarn. Adventure-Herz, was willst du mehr? 🙂

Fun Fact: Der Soundtrack – OMG, den hätte ich jetzt zu Unrecht fast vergessen! Die einzelnen Stücke passen perfekt zum karibischen Setting und würden heutzutage locker als „ASMR-Soundscapes“ durchgehen. Viel atmosphärischer geht es nicht, hier haben die Kollegen rund um Michael Land wirklich großartige Arbeit geleistet.

Ich bin kein Fan von Superlativen wie „Bestes Spiel aller Zeiten“ oder „Bestes PC-Adventure“. Die Meinungen gehen natürlich immer weit auseinander und jeder hat andere Vorlieben was z.B. das Setting eines Spiels betrifft. Ich selbst bin ein absoluter Fan des Spiels und es beruhigt mich sehr, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin.

Fun Fact: Mir persönlich geht es z.B. mit der „The Legend of Zelda“-Reihe so. Das Spiel „Ocarina of Time“ ist so gehyped und wird von vielen als eines der besten Spiele aller Zeiten angesehen. Ich weiß nicht woran es liegt, aber ich kann ihm nicht viel abgewinnen. Mir persönlich gefällt der Vorgänger „A Link to the Past“ (und natürlich „Link’s Awakening“) tausendmal besser! 😉

Wie dem auch sei – ich kann euch „The Curse of Monkey Island“ nur wärmstens empfehlen. Das Spiel könnt ihr euch für ca. 3€ (egal ob auf eBay oder digital bei GOG.com) sehr günstig holen. Hand aufs Herz: Wo bekommt man heute noch so viel Spielspaß für so wenig Geld (ca. 15-50 Stunden Spielzeit, je nach Spieltempo und investiertem Gehirnschmalz)? Pro Tipp: Für diese Art von Spielen ist es wichtig nicht gleich jedes Rätsels Lösung im Internet nachzusehen, sondern selbst den Kopf einzuschalten. 🙂

So, und jetzt entschuldigt mich, ich habe noch ein kniffliges Abenteuer vor mir – das letzte Wort gehört Murray! 😀

Cya!

#116 – Willkommen auf Monkey Island

Vorwort: Ursprünglich wollte ich zum heutigen Thema nur einen Artikel schreiben, aber wie das immer so ist, sind die Ausführungen doch etwas länger geworden und so habe ich mich dazu entschieden das ganze Thema auf drei Beiträge auszudehnen.

Ich habe echt versucht das Thema kurz zu halten, aber es gibt einfach so viel Interessantes zu erzählen. Ich hoffe, ihr nehmt mir die Aufteilung in drei Teile nicht übel, das ist eigentlich nur zu eurem besten! Richtig lange Texte möchte doch sowieso keiner lesen… 🙂

So, genug gelabert – los geht’s, bevor ich noch mehr Wörter verschwende! 😀

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„Hallo, mein Name ist Guybrush Threepwood und ich will Pirat werden!“. Mit diesen legendären Worten läutete genannter Protagonist vor über 30 Jahren die berühmte Adventure-Reihe rund um die Affeninsel ein…

Ich denke für so ziemlich jeden Adventure-Fan steht fest: Die Monkey Island Spiele gehören zur absoluten Crème de la Crème des klassischen Point-and-Click-Adventure-Genres. Heute möchte ich einen kurzen Blick auf die einzelnen Titel der Reihe werfen. Wie immer geht es mir nicht um einen objektiven Review oder möglichst umfassende Recherche. Ich möchte euch einfach dran teilhaben lassen, wieso ich die Geschichten rund um den Möchtegern-Piraten so schätze! 🙂

Ich selbst besitze alle Teile der Serie, wenn auch in recht unterschiedlichen Formaten. Teil eins und zwei sind z.B. in der LucasArts-Adventure-Box enthalten. Teil drei, vier und fünf habe ich dagegen als eigenständige Spiele. Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich vergessen habe den vierten Teil mit abzulichten – einmal mit Profis! 😀

Fun Fact: Vielleicht habe ich in ferner Zukunft mal die Gelegenheit im Rahmen eines Blogartikels einen Blick auf das ein oder andere Spiel aus der „Zehn Adventures“-Box zu werfen. Ich denke das würde sich lohnen, denn da sind einige Perlen dabei. „Fate of Atlantis“ haben wir ja bereits kennengelernt… 😉

Doch alles der Reihe nach… Die Reise beginnt 1990 mit „The Secret of Monkey Island“. Tief in der Karibik…

Fun Fact: Wie so viele gute Adventure-Spiele aus der Zeit stammt Monkey Island von LucasArts, der Adventure-Schmiede rund um Entwickler-Veteranen wie Ron Gilbert, Dave Grossman oder Tim Schafer.

Wir spielen einen tollpatschigen, leicht planlosen blonden Jüngling namens „Guybrush Threepwood“, welcher es sich in den Kopf gesetzt hat Pirat zu werden. Auf Rat des kurzsichtigen Spähers (siehe erstes Bild) wird Guybrush in die „SCUMM Bar“ geschickt um von den Piraten-Anführern aufgenommen zu werden.

Fun Fact: Der ungewöhnliche Name Guybrush entstand eher durch Zufall! Da der Protagonist bei der Erstellung der Charakter-Grafik noch keinen Namen hatte, wurde die Datei einfach als „guy.bbm“ (Dateisuffix von Deluxe Paint) abgespeichert. Der zuständige Grafiker Steve Purcell fügte anschließend „brush“ in den Dateinamen mit ein, um zu kennzeichnen, dass es sich um die Deluxe Paint Pinsel-Datei für die Grafik „Guy“ handelte. Scheinbar blieb der Name „guybrush“ in den Köpfen der Entwickler hängen und sie tauften ihre Spielfigur kurzerhand einfach Guybrush. Sein Nachname (Threepwood) wurde dagegen bei einem internen Firmenwettbewerb festgelegt und leitet sich von Charakteren (aus Kurzgeschichten) des englischen Autoren P. G. Wodehouse ab.

Die Grog schlürfenden Freibeuter schicken unseren Protagonisten jedoch als Bewährungsprobe auf drei Mission, welche es zu bewältigen gilt, um im elitären Kreis der Piraten aufgenommen zu werden. Guybrush soll den Schwertmeister beim Beleidigungsfechten besiegen…

…ein Artefakt (das Idol) aus dem Haus der Gouverneurin stehlen…

…und einen vergrabenen Schatz finden.

Natürlich ist das bei weitem nicht alles, aber zu viel möchte ich an dieser Stelle nicht spoilern! 😉 Das Abenteuer wird dabei über das klassische SCUMM-Interface gesteuert, welches es dem Spieler ermöglicht, durch das Klicken auf bestimmte Verben mit dem Spielgeschehen zu interagieren. Ebenso gibt es ein Inventar, in dem Gegenstände aufgenommen und kombiniert werden können.

Wie bei jedem guten Abenteuer steht euch natürlich auch eine Karte zur Verfügung über die ihr die einzeln zu entdeckenden Orte bereisen könnt. Guybrush startet auf Mêlée Island, im Verlauf des Spiels gibt es dann noch eine weitere Insel zu erkunden… 😉

Fun Fact: Das Spiel heißt ja nicht umsonst „Monkey Island“… 😀

Auf der Reise trifft Guybrush (ganz Adventure-typisch) auf zahlreiche schrullige Charaktere wie z.B. die Voodoo-Lady, eine mysteriöse Gestalt welche stets einen Rat für Guybrush bereit hat. Es ranken sich viele Gerüchte darum, ob sie „gut“ oder „böse“ ist, da sie häufig in Rätseln spricht und sich ihre wahren Absichten zu keinem Zeitpunkt eindeutig erkennen lassen…

Selbstverständlich darf auch die obligatorische Romanze nicht fehlen. Noch während seines ersten Abenteuers verliebt sich Guybrush in „Elaine Marley“, die Gouvernerin von Mêlée Island. Obwohl er sonst gerne eine große Klappe hat, tut er sich im Dialog mit seiner Angebeteten eher schwer… 😀

Als Widersacher dient der Geisterpirat „LeChuck“, welcher es auch auf Gouverneurin Marley abgesehen hat. Er besitzt übersinnliche Fähigkeiten und möchte nichts lieber, als das Leben seines Rivalen Guybrush so kurz und qualvoll wie möglich zu gestalten.

Neben der kultigen (und meiner Meinung nach gut gealterten) Klötzchengrafik trägt auch der gelungene Soundtrack viel zum Erlebnis bei. Außer dem ikonischen Titelthema gefällt mir persönlich vor allem die Hintergrundmusik in der SCUMM-Bar. Zusammen mit der optischen Untermalung kann man sich richtig das laute Lachen durchtriebener Seeräuber sowie den Grogdunst, der in der Luft hängt, vorstellen… 🙂

Auch mit Easter Eggs und Anspielungen wird nicht gegeizt. Während Guybrush z.B. bei jeder Gelegenheit in typischer Indiana-Jones-Manier versucht Lederjacken zu verkaufen…

…gibt es in der SCUMM-Bar einen Piraten mit einem Button auf dem „Ask me about LOOM“ steht – eine Anspielung auf ein ebenfalls 1990 von LucasArts entwickeltes Adventure namens „Loom“. Was für ein taktisch cleverer Schachzug der Marketingabteilung! 😀

Bei den zahlreichen Anspielungen und Easter Eggs ist es natürlich nicht verwunderlich, dass auch der Humor in dem Spiel nicht zu kurz kommt. So wird z.B. an mehreren Stellen die „vierte Wand“ zum Spieler durchbrochen, indem sich Guybrush abwertend über das Spiel selbst oder das Adventure-Genre an sich äußert.

Doch genug vom ersten Teil – im Dezember 1991 erschien dann mit „Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge“ das zweite Spiel der Serie. Dieses Mal ist Guybrush auf der Suche nach dem legendären Schatz „Big Whoop“.

Gleich zu Beginn des Spiels erhält man einen kryptischen Hinweis auf ein Rezept, das es zu mischen gilt – was es wohl damit auf sich hat? Vielleicht hat sich schon jemand zu Beginn des Artikels über die merkwürdigen Drehscheiben gewundert – die brauchen wir jetzt! 🙂

Beim ersten und zweiten Monkey Island kamen als Kopierschutz Code-Drehscheiben zum Einsatz. So sollte verhindert werden, dass Raubkopierer einfach die Spieldaten (sei es nun von Diskette oder CD) kopieren und verbreiten. In Zeiten von digitalen Kopierschutzmaßnahmen (wie z.B. Steam oder Denuvo) wirken solche physikalischen Hürden natürlich lächerlich. Mir gefallen sie trotzdem – das verleiht dem Retro-Erlebnis einen gewissen Charme! 😉

Fun Fact: Im konkreten Fall müssen wir zwei Symbole auf der Scheibe korrekt anordnen. Anschließend können wir das Rezept für „Warzen“ ablesen. 44 Haarkugeln und 30 Tropfen Holzbein-Paste – Mahlzeit! 😀

Hat man es erst mal in das Spiel geschafft, muss man feststellen, dass sich unser Freibeuter der Herzen in einer eher misslichen Lage befindet. Selbstverständlich möchte nicht nur Elaine, sondern auch der Spieler wissen, wie er es nur wieder geschafft hat sich in so ein Malheur zu manövrieren. Im Nachhinein betrachtet fällt mir auf wie clever die Entwickler den Aufhänger (:D) verwendet haben um dem Spieler einen einfachen Einstieg in das Abenteuer zu bieten.

Um ehrlich zu sein möchte ich gar nicht so sehr im Detail auf Handlung, Story oder Charaktere eingehen. Monkey Island 2 bietet alles was der erste Teil auch hatte – und noch viel mehr. Von vielen Fans wird es als bester Teil der Serie angesehen und das Spiel taucht auch in mehreren Listen als eines der besten PC-Adventures aller Zeiten auf.

Fun Fact: Mir persönlich war der zweite Teil immer etwas zu düster und skurril. Auch mit dem Ende (keine Angst, an dieser Stelle gibt’s keine Spoiler) konnte ich persönlich nicht viel anfangen, aber ich denke das ist Geschmackssache! 😉

Was die Grafik und die Bedienelemente angeht, hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht so viel getan. Wir befinden uns (wie beim ersten Spiel auch) immer noch bei 256 Farben und einer Auflösung von 320×200 Pixeln. Mir persönlich macht das nichts und die olle Pixelgrafik ist mir allemal lieber als schlecht gealterte Spiele der frühen 3D-Ära…

Immerhin war Monkey Island 2 das erste Spiel der Reihe, welches dem Spieler zu Beginn des Spiels die Möglichkeit gab einen Schwierigkeitsgrad auszuwählen:

Fun Fact: Es ist definitiv ein Spiel der alten Schule. Früher bedeutete „schwer“ tatsächlich „schwer“. Viele Spiele heutzutage würden sowas als „Hardcore-Modus“ verkaufen oder einen so hohen Schwierigkeitsgrad überhaupt nicht mehr anbieten! 😉

Natürlich sind auch wieder zahlreiche Anspielungen mit an Bord. Hier nur ein kleines Beispiel – drei Mal dürft ihr raten, aus welchem bekannten Lucasfilm-Franchise dieser Satz stammen könnte? 😉

Besonders gut hat mir auch wieder der Humor des Spiels gefallen – hier haben die Entwickler im Vergleich zum ersten Teil nochmal eine Schippe draufgelegt. So gibt es z.B. in einem Spielabschnitt (Dschungel von Dinky Island) ein Münztelefon mit dem die LucasArts-Spielehotline angerufen werden kann! Dem netten Servicemitarbeiter lassen sich dann allerlei unsinnige Fragen à la „Wo kommen die kleinen Babys her?“ oder „Warum sind Adventure-Spiele so teuer?“ fragen! 😀

Beim Spielen bekommt man den Eindruck, dass die Entwickler sich selbst nicht zu ernst genommen haben. So haben sich z.B. einige Programmierer samt lustiger Kommentare in den Akten einer Bibliothek auf Phatt-Island verewigt.

Fun Fact: An einer Stelle des Spiels lassen sich auch zahlreiche Anmachsprüche an einer Kapitänin, welche Kreuzfahrtreisen anbietet, ausprobieren, auf welche sie dementsprechend forsch reagiert. Die Antworten möchte ich hier nicht spoilern – spielt das Spiel selbst! 😉

So, ich denke es wird Zeit, dass ich langsam die Kurve bekomme, sonst wird auch dieser Beitrag wieder viel zu lang… 🙂

Was soll ich über die ersten beiden Monkey Island Spiele noch sagen was nicht schon tausendfach gesagt wurde? Wer auf guten Humor, knifflige Rätsel und ein Piraten-Setting in der Karibik samt zahlreicher schrulliger Charaktere steht, dem kann ich Monkey Island nur ans Herz legen. Die Liebe zum Detail und natürlich der Humor der Entwickler lassen die beiden Spiele ganz weit hoch in den Adventure-Olymp aufsteigen! 🙂

Fun Fact: Kaum zu glauben, dass die Spiele mittlerweile über 30 Jahre alt sind! Wie doch die Zeit vergeht…

Falls ihr nun Lust bekommen habt euch selbst auf das Abenteuer rund um das Geheimnis der Affeninsel zu begeben, kann ich euch die 2009 und 2010 veröffentlichten „Special Editions“ der Spiele empfehlen. Diese wurden was die Grafik und Steuerung angeht kräftig überarbeitet und auf halbwegs modernen Systemen (PS3, Xbox 360 und PC) lauffähig gemacht.

Fun Fact: Falls ihr Lust bekommen habt Monkey Island so richtig retro im Original zu spielen, kann ich euch nur ScummVM ans Herz legen. Der Emulator lässt euch zahlreiche Retro-Adventures von LucasArts über Revolution Software bis hin zu den klassischen Sierra-Titeln auch auf modernen Rechnern spielen! 🙂

Nun ist aber gut. Bis zum nächsten Mal – bleibt gewappnet, denn die Jagd auf den Geisterpiraten LeChuck hat gerade erst begonnen… 😉